Euer altes vermeintliches Selbst überholen

God said:

Scheint es dir manchmal, dass die Welt still steht, und dass es im Grunde nur deine Augen sind, die sich bewegen? Oder hast du hin und wieder das Gefühl, dass die Welt sich bewegt, und dass du derjenige bist, der inmitten all der Bewegung still steht? Empfindest du dich mitunter weit entfernt von dir? Du bewegst dich, redest, denkst, weinst, lachst, und doch findest du dich entfernt von dir.

Das ist für dich nicht so angenehm, denn wo ist jetzt deine ganze Emotion? Wo ist deine Nähe zur Individualität hin, an die du gewohnt warst, sie auf dem Feld des Lebens hoch und runter zu prellen, so, als hättest du eine Landeberührung zu bewerkstelligen?

Nunmehr ist das Feld still, selbst wann es aktiv ist, selbst wann es überaktiv ist. Und du bist nach wie vor still.

In einem gewissen Sinn fühlst du dich vom Leben beurlaubt. Du bist in ihm. Du weißt, du befindest dich in ihm, doch fühlt es sich dann und wann für dich so an, dass du auf Automatik gestellt bist und dass du dich überhaupt nicht bewegst. Du weißt, du bewegst dich umher. Deine Beine bewegen sich, und gleichwohl befindest du dich neben dir und deiner Tätigkeit. Worin bestehen sie? Und was hat all die Bewegung mit dir zu tun?

Es handelt sich nicht um Gleichgültigkeit, wovon Ich hier rede, Geliebte. Es geht um weniger tangiert, vielleicht um weniger angehaftet sein.

Es macht dir einfach nicht so viel aus, nicht so viel, wie es gewöhnlich der Fall war, sei es nun, dass sich Schnee, Graupel, Regen oder sogar Sonne einstellen. Du bist durch sie nicht so beeinflusst. Vielleicht spürst du eine Leerstelle. Es mag sich bei dir gar so anfühlen, dass dein Körper hier ist, und dass du von deinem Körper abgesondert bist.

Du, der du dich nach einem Umbruch in deinem Bewusstsein umgesehen hast, hattest das nie erwartet, dieses nicht gerade überwältigende Empfinden des Lebens, wobei du das Gefühl hast, du habest im Grunde nicht richtig teil an ihm. Ja, du bist hier. Du bist im Leben aktiv. Aber du bist in einer weniger befassten Weise aktiv. Spürst du das als einen Verlust? Fragst du dich: „Wo ist mein ganzer alter Jubel? Wo ist jetzt die Glut der Anspannung? Wie weit weg bin ich von mir geraten?“

Geliebte, ihr bewegt euch auf eure wirkliche Identität zu und weg von eurem irrigen Bild. Diese kleine, dem Ego dienende Person, die ihr eurem Dafürhalten nach und die ihr in der Tat wart, ist ganz allmählich ausgestiegen. Stück um Stück, so wie der Ego-Part eurer Individualität sich zurückzieht, bleibt ihr zurück, und ihr wundert euch, wohin ihr seid und was von euch übrig ist. „Wo bin ich?“, fragt ihr. „Wo bin ich hin? Ich fühle mich nirgendwo verortet. Ich weiß nicht mehr, wo ich bin. Was ist aus mir geworden? Was ist von mir über? Es fühlt sich so an, als sei ich verschwunden, und als sei von mir wenig oder nichts übrig. Ich fühle mich wie ein Schatten meiner selbst.“

Geliebte, euer Schatten kommt euch abhanden. Ihr verliert ein irriges Bild eurer selbst. Ihr zieht euch von euren vergangenen Eindrücken ab. Ihr zieht euch nicht vom Leben zurück. Ihr gewinnt Gleichmut. Ihr erlangt geringere Beeinträchtigtheit.

Ihr tragt neue Schuhe, und ihr müsst sie einlaufen.

Fühlt euch nicht untröstlich, weil ihr eure Umgrenzungen verliert. Die Beschränkungen waren eigentlich nicht so wundervoll. Sie ließen euch von Pontius zu Pilatus laufen. Vermisst ihr wirklich eure Blutergüsse?

Über das Schlachtgewühl hinauskommen ist über das Schlachtgewühl hinauskommen. Ihr gelangt jetzt über die hitzigen Auseinandersetzungen hinaus. Ihr überholt euer altes angenommenes Selbst. Ihr tretet tatsächlich in eine neue Welt ein. Ihr löst euch nicht auf. Die Inbesitznahme der Illusion verzieht sich. Das Geländer, an dem ihr euch festhieltet, ist nicht mehr länger da, und ihr fühlt euch dem wirklichen Du gegenüber als Fremder. Ihr werdet euch daran gewöhnen, Geliebte. Ihr werdet euch daran gewöhnen.

Translated by: theophil

 

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