Die eingebildete Tür
Gott redete ...
Demnach siehst du, dass das Leben kein Mysterium ist. Ein Mysterium existiert bloß in der äußeren Welt. Unter der Oberfläche sind alle Antworten bekannt. Es gibt nicht einmal Fragen, die es zu stellen, ebenso wenig Antworten, die es zu erteilen gilt. Euer Leben auf der Erde ist eine Parabel. Das Leben auf der Erde mutet euch an, dass ihr euch zu einem Streben aufmacht. Ihr seid ein Jäger des Wissens. Ihr, die ihr alles wisst, befindet euch auf einer Safari, um das zu entdecken, was ihr bereits alles wisst. Ihr sucht nach euch selbst. Ihr, die ihr euer Selbst seid, macht auf euer Selbst Jagd. Ihr tut dies mittels kleiner Grenzziehungen hier und dort. Ihr federt an euch selbst ab, und ihr sagt: "Aha." Ihr entkommt dem Territorium von gegenwärtig-eingebildeten Grenzen und zeichnet andere Reifen, durch die ihr springt, und erhascht euch selbst eben dabei. Ihr seid ein Jäger, der jagt. Ihr seid ein Fischer, der seinen Fang nachhause bringt.
Es ist so, als würdet ihr eure Herrlichkeit vor euch selbst verborgen halten, denn welche Rolle hättet ihr dann zu spielen? Was wäre sodann eure Erden-Identität? Ihr könntet ja ein Schauspieler ohne Arbeit sein!
Um welche Parabel handelt es sich, die ihr lebt? Sie ist eine voller Gefahren, die im Geist ausgezeichnet sind. Ihr erzählt euch selbst Geschichten. Ihr denkt sie euch aus, und doch glaubt ihr an sie, an jene Geschichten. Ihr erzählt euch Geschichten, und doch strafen eure Geschichten die Wahrheit Lügen. Die Wahrheit wird nicht erzählt. Die Wahrheit wird in gewöhnlichen Kleidern angezogen und zugedeckt. Tatsache ist, ihr geht meilenweit, um die Wahrheit zuzudecken. Ihr sagt euch selbst, es sei zu wundervoll, um wahr zu sein, und demzufolge spielt ihr im Sandkasten und baut Schlösser mit Verliesen darin. Ihr wiederholt euch selbst.
Gegebenheiten verwandeln sich, und doch wiederholt ihr eure Erzählungen euch selbst gegenüber, und ihr spielt sie immer und immer wieder. Ihr erzählt euch selbst Zu-Bett-Geh-Geschichten, und schaut euch nach Entlastung von ihnen um, und ihr versteckt euch unter den Decken eurer selbst. Ihr spielt Guckguck. Und jedes Mal seid ihr überrascht. Ihr spielt Guckguck mit euch selbst, und jedes Mal seid ihr überrascht. Falls ihr in diesem Spiel nicht überrascht wärt, wärt ihr enttäuscht.
Die ganze Zeit über macht die Wahrheit Anläufe, die eingebildete Tür, die ihr gebaut habt, niederzureißen.
Ihr habt eine Erbschaft, welche auf euch wartet, und ihr bemerkt es nicht. Ihr seid derart in das Spiel hineingezogen, in dem ihr euch befindet, dass ihr die Wahrheit von euch selbst verschließt. In welchem Drama ihr euch auch befindet, ihr verfangt euch in ihm und haltet die Wahrheit von euch fern. Ihr seid ein sehr guter Schauspieler. Ihr überzeugt die Zuschauer, und ihr überzeugt euch selbst. Als Held oder Schurke oder Zuschauer, ihr überzeugt euch selbst. Ihr seid Schauspieler, Bühnenautor, Bühnendirektor, Choreograph, Komponist aufs Höchste. Ihr spielt alle Parts, und kennt sie nicht. Ihr seid von der Authentizität dieses Dramas, was allesamt ausgedacht ist, überzeugt. Es stimmt, es ist ein gemeinsam durchgeführtes Unternehmen, allerdings nichtsdestotrotz ein Unternehmen, was sich in ein Abenteuer kehrt.
Hinter diesem Vorhang, den ihr vorzieht, befindet sich eine Große Seele. Sei nicht durch deine Größe in Angst versetzt. Du fürchtest, du könnest der Rolle der Größe nicht gerecht werden. Du fürchtest, das sei eine Rolle, die du nicht spielen könnest, und demnach ziehst du es vor, von ihr nicht überzeugt zu bleiben. Selbst im Wissen, dass das keine Rolle ist, selbst im Wissen, dass das die volle Wahrheit von dir darstellt, ziehst du es vor, den Vorhang vorzuziehen. Du zögerst zu schauen. Dasjenige, worin du nicht versagen kannst, fürchtest du. Du möchtest einfach so bald wie möglich eine andere Rolle haben. Du möchtest einfach so bald wie möglich das heimatlose Kind oder den Naiven oder den guten oder den schlechten Kerl spielen. Daran bist so gewöhnt. Nebenbei gesagt, du sagst dir selbst, Sicherheit gebe es massenhaft.
Was sagst du Mir jetzt? Sagst du mir: "Warte, Gott, später", oder sagst du: "In Ordnung, Gott, ich möchte meine Augen öffnen, mich selbst und Andere über Wer Ich Bin nicht mehr länger an der Nase herum führen. In Ordnung, Gott, ich möchte mich gerne weitaus wie Eins zählen."
Translated by: theophilPermanent link to this Heavenletter: https://heavenletters.org/die-eingebildete-tuer.html - Thank you for including this when publishing this Heavenletter elsewhere.
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