Oh, frei sein

God said:

Gott redete …

Wahre Freiheit ist der Vergangenheit ledig sein.

Ja, natürlich, Bindungen, die von außenher auferlegt werden, existieren zudem. Natürlich möchtest du lieber frei sein, dich selber auszudrücken und dich dort aufzuhalten, wo du gerne sein und wann und wie du dort sein möchtest, und wie du bist und was deine wirklichen Gedanken sind auch nicht nur im mindesten versteckt zu halten zu haben. Dich selber verstecken ist das gleiche wie eingekerkert sein.

Gleichzeitig, selbst dann wenn dir in der Welt äußerste Freiheit zukäme, so lange du in der Vergangenheit verschnürt bist, bist du nicht frei. Du hast die Vergangenheit inne, wie sie dir über die Schulter schaut, wie sie dir ansagt, was zu tun und wie zu sein sei. Im Griff der Vergangenheit, da bist du nicht frei. Du bist ein gehorchender Soldat, der automatisch reagiert. Er salutiert. Er befolgt Befehle. Die Vergangenheit ist ein Aufseher, der diese oder jenes Ungehorsamsein nicht überbrückt. Was ehedem war, ist nach wie vor, so lange, bis du dich von der Vergangenheit, von deiner Vergangenheit befreist. Du hast allerdings eine Vergangenheit.

Du vernimmst es soeben nicht zum ersten Mal, dass du nicht auf das eingehst, was sich gerade zuträgt, dass du vielmehr auf das in Erwiderung trittst, was einstmals war. Es kann ohne Weiteres sein, du weißt es nicht bewusst, worauf du reagierst. Du denkst, es sei jemand oder etwas in deiner Gegenwart, auf das du reagierst. In Wahrheit - wärest du frei, so würdest du anders reagieren. Du würdest auf andere Weise sehen und empfinden. Wenn etwas Widriges passiert, ist es dem Anschein nach so, als würde es sich vor deinen ureigenen Augen abspielen, dennoch bist du programmiert, und dein Wirken geschieht von der nicht im Blick stehenden, vielleicht von der nicht-erinnerten Vergangenheit her. Es ist keine so gute Sache, auf Automatik zu stehen, denn du bist belastet.

Die Vergangenheit hat befördert, was wie ein Instinkt in dir zu sein scheint, und das meint, auf eine gängige Weise zu reagieren. Du wirst dir schlechterdings nicht gewahr sein, dass dir heute ein Mensch jemanden aus der Vergangenheit ins Gedächtnis ruft, jemanden, der, während du jung und schutzlos warst, dir gegenüber unfreundlich auftrat, und jetzt bist du auf der Wacht.

Geliebte, warum solltet ihr auf der Hut sein mögen, sofern nicht etwas aus der Vergangenheit euch dazu veranlasst hat? Wessen hättet ihr euch zu erwehren, wärt ihr in der Vergangenheit nicht aufs Tiefste in Mitleidenschaft gezogen gewesen? Etwas löst euch heutigentags aus.

Beim Stierkampf werden die Tiere zum Kampf durch die rote Farbe angefacht oder durch das Herumwirbeln der Pelerine. Kraft diesem oder jenem scheint der Stier keine andere Wahl zu haben, als zu kämpfen. Er vermag nicht zu sehen, dass er sich ganz einfach abwenden, und dass er eben nichts in den Blick nehmen könnte, um darum zu kämpfen. Ob du nun die ängstliche Maus oder der wilde Tiger bist, man könnte sagen, dass du trainiert wurdest, so zu sein, und dass du einfach außerstande warst, los zu lassen und zuvörderst zu lieben. Du kannst dein ganzes Leben mit Reagieren verbracht haben und unfähig gewesen sein, Dinge in die Wege zu leiten, derart tief in der Vergangenheit eingewurzelt bist du.

Du könntest sagen, es sei gut, auf Automatik zu stehen, sobald es sich auf Zuvorkommenheit beläuft. Das hat etwas für sich, wie befreiend indes wäre es, in natürlicher Weise mit Zuvorkommenheit zu begegnen, oder, man könnte sagen - einen Jeden und was auch immer sich soeben vor dir befinden mag willkommen zu heißen. Es ist fürwahr befreiend, in der Gegenwart zu lächeln, nicht als eine Abwehr und nicht als eine Gepflogenheit, sondern jetzt im Augenblick aus der Freude im Inneren heraus.

Ich erzähle euch nichts Neues.

Ja, wie wundervoll wäre es, wenn ihr auf das eingehen könntet, was ganz einfach vor euch zu liegen kommt. Wie liebenswert wäre es, wenn ihr alle Wunden los lassen könntet, diejenigen, an die ihr euch erinnert, und diejenigen, derer ihr euch nicht zu entsinnen vermögt, und wenn ihr unverletzt und narbenlos herauskommen könntet. Ohne Angeschlagensein, da würdet ihr aus euch herausgehen. Angespanntheit würde ihren Abgang nehmen. Ihr wärt so frisch wie ein Frühlingstag. Ihr würdet euch nach wie vor daran erinnern, woran ihr euch aus eurer Vergangenheit entsinnt, und dennoch wärt ihr von ihr freigesetzt. Ihr wärt frei.

Translated by: theophil

 

Your generosity keeps giving by keeping the lights on