Mache etwas Glück
Wenn ein lieber Angehöriger von dir die Erde verlässt, trösten dich Freunde, aber das tröstet dich nicht. Du möchtest gerne, dass dein Angehöriger zurückkehrt. Durch das Verschwimmende deiner Tränen hindurch ist etliche Wertschätzung für die Worte deiner Freunde zu verzeichnen, der eine Trost freilich, den du gerne hättest, wird dir nicht überreicht. Kein einziger wird die Hoffnung aushändigen, dass dein geliebter Nahestehender wenn auch nur ein Mal, wenn auch nur für einen Augenblick, in Fleisch und Blut erscheinen wird. Da ist ein unumstößliches Gesetz der Nichtwiederkehr zugegen. An der Stelle gibt es keine Vielleicht.
Zu der Zeit kümmerst du dich nicht, dass es anderswo eine Existenz gibt. Schön, davon zu reden. Eine Menge Gutes, was das bewirkt. Du weinst um weiß nicht was. Du kannst es nicht los lassen. Du bist nicht imstande, so zu handeln, als hättest du in der Welt keine Fürsorge. Dein Herz ist am Bluten, und du möchtest keinen Trost. Du möchtest deinen Geliebten zurück.
Dein Herz ist ein kriegsverwüstetes Land. Du schüttelst den Kopf bei der Bemerkung, dass dort wieder Blumen blühen werden. Und doch, auch das ist ein unumstößliches Gesetz. Blumen werden wachsen. Dein Herz wird aufhören zu bluten. Du wirst an andere Dinge denken. Du wirst lernen zu entbehren, nicht weniger zu entbehren, sondern mit geringerem sengenden Schmerz. Die offenen Wunden heilen. Es gibt Narben. Es ist nicht perfekt. Es ist nicht, wie es war. Und dennoch, du gehst, mit den Narben, vorwärts.
Es wird die Zeit kommen, wann Fröhlichkeit vorherrscht. Du bist nicht untreu. Du bist genauso wenig ein guter Sportsmann. Es kommt einfach eine Zeit, wann sich dein Herz einem Blitz an Humor, einem Blitz an Interesse, einem Gedanken an etwas anderes als an dein Herzeleid nicht mehr versagt. Deine Augen beginnen nach oben zu schauen, und, wieso, da ist ja etwas Sonne. Sie ist immer noch da. Was für eine fantastische Entdeckung! Gleichwohl trägt dieser Augenblick der Heiterkeit seinen eigenen Schmerz bei sich.
Sich vom Kummer erholen ist nicht eurem geliebten Angehörigen den Rücken zukehren, Geliebte. Ihr nehmt schlicht das Messer aus eurem Herzen. Ihr müsst das tun. Es war lange genug dort. Ihr könnt nicht immer im Jammern verbleiben.
Es wird eine Zeit kommen, wann ihr von eurem Kummer aufsteht. Die Wunde ist weniger akut, dennoch ist sie immer noch da. Lasst sie wie etwas, woran ihr strickt, neben eurem Stuhl liegen. Es wird dort auf euch warten.
Jemand Liebes wurde euch weggenommen, so fühlt es sich an. Und ihr werdet zurückgelasssen, solange ihr lebt, ohne das, was euch so teuer war.
Ein Pullover wurde zuendegebracht.
Und jetzt ist es an der Zeit, zu häkeln. Ihr beginnt ein neues Vorhaben. Vielleicht viele. Ihr wisst nicht, wie sie ausgehen werden. Alles, was ihr wisst, ist, dass ihr mehr zu tun habt, als all die Stiche von früher nachzuvollziehen.
Abgeschiedenheit ist mehr, und Abgeschiedenheit wird zu einem Freund. Ihr hört eure eigenen Gedanken. Ihr antwortet euch selbst. Euer Herz leiert nicht mehr länger nichts anderes herunter als euren Gram.
Ihr erwacht wieder zum Leben. Das ist euch angelegen zu tun.
Lasst um Derjenigen willen, die verschieden sind, euer Betrauern los. Sie verdienen mehr als eure Tränen. Vielleicht haben sie mittlerweile ebenfalls eure Tränen leid. Sind sie euch gegenüber untreu?
Keinesfalls. Sie sind der Liebe treu. Sie sind dem Leben treu. Weder sie werden euch stehenlassen, noch ihr sie. Sie möchten einfach, dass ihr noch einmal tanzt. Sie möchten keine Grabstelle als Mahnmal an ihre Liebe. Sie möchten, dass ihr im Angedenken an sie ein kleine Melodie singt, vielleicht einen kleinen Jig tanzt.
Sie möchten gerne, dass sie euch einen Gutenachtkuss geben und einen guten Schlaf wünschen. Sie möchten euch einen Gutenmorgenkuss geben und schauen, dass ihr euch zu eurem Tag begebt und dort etliches Glück zur Ausführung bringt.
Translated by: theophilPermanent link to this Heavenletter: https://heavenletters.org/mache-etwas-glueck.html - Thank you for including this when publishing this Heavenletter elsewhere.
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