Launenhafte Zeit

God said:

Zeit ist unreal und flüchtig, dass du weder ihren Durchlauf erfährst, noch dich ihrer erinnern kannst. Du erinnerst dich an Ereignisse, an Ausdrücke, an Menschen, an Nachweise von Zeit, die Zeit selbst allerdings kannst du nicht erinnern. Sie ist derart nichtexistent, dass du sie nicht erfährst. Du tatst das nie. Mitunter hast du das Empfinden, dass die Zeit wegrennt oder langsam verläuft, die Zeit selbst aber tat das nie, Geliebte. Sie ist ein Trugbild. Sie ist ein Wort. Ein Konzept. Sie ist nichts als eine Idee. Was sind diese vermeintlichen Annalen der Zeit, und wo haben sie Wohnung?

Wenn du dich gelangweilt fühlst, hast du das Empfinden, die Zeit fädele sich langsamen Schritts auf. Wenn du dich in Eile versetzt fühlst, hast du das Gefühl, die Uhr ticke rascher. Du hast zu viel Zeit, oder nicht genug Zeit. Welche nun? Vielleicht zahlt sich Zeit gemäß deiner Neigung zu einer bestimmten Zeit aus. Sie ist beliebig. Zeit ist ein Entschluss, den jemand traf, sodass er Schule machte, und jetzt kannst du ohne sie nicht leben.

Die Zeit verwandelt ihre Farben, ihre Melodie, ihr Maß, ihre Zusammensetzung, ihren Aufbau, ihre Manifestation. Die Zeit ist eine Partie des Lasst Uns Mal Vortäuschen.
Ihr seht rund um euch Altern. Es ist wildwuchernd. Was wäre aber, falls du dir im Inneren deines Geistes keine Zeit und kein Altern ausdächtest, würde sie dann existieren? Falls die Welt den Glauben ans Altern aufgäbe, würde es hernach verschwinden? Falls der Geist das, was du siehst, erschafft, kann dann der Geist das, was du siehst, wieder unerschaffen machen? Kann die Welt durch deine Gedanken und Glaubensvorstellungen umgestaltet werden? Was wäre, falls die Begrenztheit der Zeit nicht ersonnen worden wäre, würdest du sie dir jetzt ausdenken? Was wäre, falls du die Zeit überhaupt nicht als eine vorübergehende Bekanntschaft ersonnen hättest? Die Zeit ist natürlich ein Fremder. Die Zeit ist ein Außerirdischer.

Was bedeutet es, dass dieser Augenblick der einzige Augenblick ist, der existiert? Wie kannst du diesen kurzzeitigen Augenblick auf das hinaus laufen lassen, wie du ihn siehst? Er ist ein Auflaufen von – was? Wie ist es, dass du meinst, du könnest die Zeit wie ein Stück Fleisch hernehmen und sie in Stunden, Tage, Wochen und Monate aufschneiden, du könnest mit ihr vorwärts und rückwärts zählen, du könnest Papiere an der Wand anbringen, die sie abschildern, du könnest Ziffernblätter als Idole von ihr herstellen? Die Zeit muss ein falscher Gott von euch sein!

Mit Sicherheit habt ihr ihr einen Altar errichtet. Ihr bückt euch vor ihr. Ihr befolgt ihre Anordnungen. Ihr befolgt ihre Regeln. Sie beherrscht und zähmt euch. Ihr seht mehr auf die Uhr, als ihr auf die Sonne schaut.

Zeit geht nicht aus. Unendlichkeit wird niemals weniger. Aber Unendlichkeit befindet sich nicht in der Kategorie der Zeit. Zeitlose, un-vorzeitige Keine-Zeit-insgesamt Zu-viel-Zeit haben in nichts mit der Unendlichkeit zu tun. Genauso wenig haben Raum oder Raumlosigkeit etwas mit dem Seien zu tun.

Zeit und Raum sind schlicht Accessoires. Falls die Zeit ein Mantel ist, sind Zeit und Raum die Bordüren. Sie sind die Dekoration von ihm.

Wenn du Flöte spielst, durchqueren die Töne das Universum. Du magst die Noten auf Papier festhalten. Du kannst sie aufnehmen. Aber die Musik selbst kannst du nicht in deiner Hand halten. Den Atem durch die Flöte, der die Musik erzeugt, kannst du nicht in der Hand halten. Er kann nicht ergriffen werden. Du kannst die Ungeheuerlichkeit weder der Musik noch der willig geneigten Violine, die sie spielt, anpacken. Die Musik selbst existiert in einer anderen Domäne, was einen Grund darstellt, weswegen du sie so sehr liebst.

Die Zeit wiederum existiert einzig auf dem Erdenschiff. Sie nagelt dich an die Erde. Unendlichkeit und Ewigkeit heben dich zum Himmel empor.

Zeit ist auf der Erde wie Geld. Geld ist menschengemacht und beliebig, wiewohl es wesentlich zu sein scheint. Es wurde ziemlich eben so wie die Zeit ausgedacht. Zeit und Geld sind beide Illusionen. Unendlichkeit und Fülle sind keine Illusionen.

Translated by: theophil

 

Your generosity keeps giving by keeping the lights on