Das Loslassen von Enttäuschung
In der Welt lassen dich Menschen im Stich. Selbst in dieser frei erfundenen Welt macht sie das zu keinem Feind. Das macht sie zu einem gewöhnlichen Menschen, der das Leben wie Spielkarten durcheinander mischt. Dieser Mensch bedeutet, eine bestimmte Karte auszuteilen, teilt aber eine andere aus. Er blufft, er macht Ausflüchte. Er öffnet die Karten, er faltet sie zusammen. Eine Karte befindet sich bei seinem Ärmel, eine andere fällt auf den Boden. Er wird sie vielleicht nicht einmal aufheben. Er versucht, der einen Sache zu entkommen, und rennt in eine andere hinein. Er ist einfach wie du, er fummelt, während er bemüht ist, das Beste zu tun, was er in diesem Augenblick mit den Karten, die er auf der Hand hat, erkennt.
Du weißt nicht, was die Probleme eines Anderen sind. Du kennst weder das Ausmaß noch die Tiefe von ihnen. Du weißt nicht, was in ihrem Sinn weilt. Du weißt nicht mehr, was ihren Geist beschäftigt, als du das von dem deinen weißt. Alles, was du wissen kannst, ist, dass ein Anderer am Ringen ist, und dass er etliche seiner Karten in die Luft wirft, und sie fallen lässt, und dass er nicht gerade gut dabei ist, sie wieder aufzulesen.
Du brauchst niemandes Gebrechlichkeit oder sogar Unzulänglichkeit für übel zu nehmen. Bleibe oder geh weiter, aber nimm nichts für übel. Darin liegt kein Vorteil.
Ist es gegen das Gesetz, dass jemand nicht so klug und auch nicht so fürsorgend ist wie du? Falls das der Fall wäre, gäbe es viele Festnahmen. Falls das der Fall wäre, gäbe es Zeiten, wann selbst dir Handschellen angelegt würden.
Der Mensch, der dich heute im Stich lässt, wird dich vielleicht morgen empor heben. Auf jeden Fall hat er keine Verbrechen gegen dich begangen. Er hat dich schier enttäuscht. Das ist bereits zuvor passiert. Muss das so ausschlaggebend sein? Muss jede Enttäuschung wie ein haarsträubendes Vorkommnis, wie ein grausamer Hieb, wie ein noch nie da gewesener Affront, wie geldgierig, schlecht gemeint aussehen?
Zuweilen bist du für jemanden einfach nicht wichtig. Es ist nicht wichtig, ob du es bist oder nicht. Du bist Mir wichtig. Sei dir selbst wichtig, und werde nicht dadurch, was ein Anderer tut oder nicht tut, schwer gezeichnet. Dein Leben hängt davon nicht ab. Dein Leben hängt von dir ab, und von Mir. Jeder Andere ist beiläufig, Geliebte. Die gesamte Welt ist beiläufig.
Macht euch nicht zu einem berühmten Fall. Der letztendliche Zweck eures Lebens besteht nicht in einem größeren Ausmaß darin, dass ihr gut behandelt werdet, als dass er darin besteht, dass euch eure Lieblingsspeisen serviert werden. Die Frage, die ihr euch stellen müsst, ist im Grunde nicht: "Ist das Essen angebrannt?" Die Frage lautet eigentlich: "Wie möchte ich auf das Anbrennen eingehen? Wie viele Energie möchte ich verwenden, und was werde ich erlangen? Ich muss kein angebranntes Essen essen. Ich kann von dem Tisch aufstehen und gehen. Das angebrannte Essen wiederum war nicht etwas, was mir angetan wurde. Es war bloß eine Mahlzeit, die zu stark gebraten war."
Wir kommen immer und immer wieder darauf zurück, dass ihr die Dinge persönlich nehmt. In Wahrheit gibt es keinen Menschen, um Dinge persönlich zu nehmen. Ihr seid ein universales Seinswesen, was dem Leben gegenüber Zeuge ist. Ihr seid keine Opfer. Ihr seid nur eben zufällig an der Stelle.
Sobald du die Dinge weniger persönlich nimmst, kannst du dich ihnen effektiver zuwenden. Dann kannst du sagen, was du denkst. Und die andere Partei kann dich vielleicht hören. Falls ein Vorteil darin besteht, mit deinem Fuß aufzustampfen oder deine Stimme zu erheben, ist es ein kurzfristiger Vorteil, der dich ohne etwas in der Hand zurücklassen wird. Aufgebrachtsein ist deine Wahl, natürlich, wieso allerdings solltest du es wählen?
Falls dein Glaube in einen Anderen zerbrochen ist, hat diese Verschlimmerung dein Benehmen im Leben nicht zu diktieren. Du brauchst dem anderen Menschen nicht zu zeigen, dass er dir das nicht antun kann. Ganz offensichtlich hat er das getan. Ob nun absichtlich oder standardmäßig, er hat sich der Situation nicht gewachsen gefühlt. Aber du wirst das.
Tue, was du zu tun hast, freilich tue es ohne Feindseligkeit. Stehe auf und gehe weg, wie es jemand tun würde, der wüsste Wie. Schlage keine Türen zu. Schließe sie sachte. Und sobald das einmal hinter dir ist, vergiss deinen Gram. Die Sonne scheint jetzt.
Translated by: theophilPermanent link to this Heavenletter: https://heavenletters.org/das-loslassen-von-enttaeuschung.html - Thank you for including this when publishing this Heavenletter elsewhere.
Your generosity keeps giving by keeping the lights on

