HEAVEN #733 Nicht-existente Zeit
NICHT-EXISTENTE ZEIT
Wenn du das Gefühl hast, du müssest dich beeilen, kannst du erkennen, dass du in Illusion befangen bist. Sofern etwas jetzt zu sein hat, jetzt in diesem Moment zu sein hat, umrandest du die Oberfläche des Lebens. Du legst dich selbst herein, dass dann, sofern du dasjenige nicht erzielst, was du beschieden hast, es zu erzielen, eine Katastrophe passiere. Deine Prämisse ist anscheinend, dass du es, sofern du es nicht rechtzeitig hinbekommst, nicht zuende bringst. Ich habe dich zu fragen: Worin liegt die Dringlichkeit? Und du musst dich das ebenfalls fragen.
Eile ist der Schrei des modernen Lebens. Nach außen gerichtet, nach außen gerichtet, schneller, schneller, tuckern die Räder des modernen Lebens. Das muss gemacht werden. Mach schnell, mach schnell. Und dann kommt da was Neues, das an die Stirnseite läuft, und du rennst hinter der Zeit her, versuchst, zu dieser illusorischen Zeit aufzuschließen. Sie ist illusorisch und ausweichend. Gib der Zeit das ihr Gebührende. Sie hat bereits gewonnen. Du wirst nie zu ihr aufholen oder dich vor sie stellen können. Aber du kannst dich von ihrer Leibeigenschaft befreien.
Zeit ist kein genialer Aufseher. Sie ist ein Sklavenmeister mit einer Peitsche. Es ist bloß ein Trick der Zeit, du müssest ihr gehorchen.
Bestimme dein eigenes Schritttempo. Du gewinnst kein Rennen. Du gewinnst ein Leben. Mache das deine mehr bezaubernd als hastend.
Jedes Empfinden der Dringlichkeit kommt von einem Empfinden der Zeit.
Ein anderer Name für Dringlichkeit und ihrem Schritt der Zeit ist Drama. Drama spielt sich auf der Bühne ab.
Jedes Individuum hat sein eigenes Gespür an Zeit und Zeiteinteilung. Der eine, der ein verrückter Sauser ist, sieht einen anderen als Trödler. Ein Trödler mag ein Trödler sein, oder er ist vielleicht ein gemächlich Dahergehender. Wenn jemand die ganze Zeit trödelt, zieht er vielleicht seine Füße hinter sich her. Oder sein Geist und sein Herz sind anderswo.
Bei Mir gibt es kein Hasten. Da ist keine Langsamkeit, dann da ist keine Zeit. Es ist heiter ohne die Drängnisse der Zeit. Versuche es einmal. Es gibt kein Ticktack. Kein die Uhr stellen. Da ist schier Seien, und Seien hat sozusagen seinen eigenen Ansturm, einen Ansturm von Liebe.
Wieso sollte ein Kind von mir die Wahl treffen, im Leben außer Atem zu geraten? Woher kommt Ängstlichkeit, außer von einem Empfinden, was nicht zuende gebracht ist oder was nicht rückgängig gemacht werden kann. Ängstlichkeit ist ein Restbestand von einem Rennen, das du gelaufen bist.
Um das Leben zu leben, hast du es zu leben. Du kannst bei ihm nicht vorbeihuschen und seinen Gehalt extrahieren. Sei im Leben kein Hastender. Sei ein Sehenswürdigkeiten anschauender Tourist. Schlinge dein Getränk nicht hinunter. Koste es. Nimm es in acht. Erkenne, was du trinkst. Der Punkt ist, nicht hinter dieses Glas zu fassen und ein anderes zu holen. Der Punkt ist, es ganz auszutrinken und zu wissen, wie es schmeckt. Du bist nicht im Leben, um über es einfach hinweg zu steigen.
Was wäre, sofern du heute der Ebbe und Flut des Lebens mehr Aufmerksamkeit schenktest und mit ihr gingst? Was wäre, sofern du im Leben mehr ein Gehender als ein Rennender wärst? Würde dir mehr fehlen, oder würde dir mehr zukommen?
Ich frage euch also: Was ist eure Hast? Worauf rennt ihr zu? Und wo habt ihr euren Anfang genommen?
Was für ein Empfinden bereitet euch das Empfinden von Zeit? Indes habt ihr euch zu ihr hinunter gebeugt und sie zu eurer Meisterin gemacht. Ihr habt sie zu einer Tyrannin gemacht. Und zu einer, die ihr nie zufrieden stellen könnt, so viel ihr es auch versucht.
Was allerdings wäre, falls ihr eine Zeitlang aus der Zeit herausträtet, falls ihr eine kurze Zeitlang nicht in ihr wärt. Nicht eigentlich an den Seitenlinien, sondern einfach nicht mitten im Tumult. Vielleicht euch über das Getümmel erhebend. Aus der Fiktion der Zeit heraus - werdet ihr Luft und Atem bekommen, und ihr werdet eine Ruhepause, ihr werdet Leben haben.

