HEAVEN #579 Jenseits von Verstehen
JENSEITS VON VERSTEHEN
Mache dir nie etwas daraus, was du nicht verstehst. Beachte es nicht. Vielleicht brauchst du es nicht zu verstehen. Sofern Verstehen Erklärungen sind, brauchst du sie nicht.
Wer auf Erden vermag Mich zu verstehen? Warum ist das von Belang? Je unendlicher etwas ist, desto weniger verstehst du. Dein Begreifen kann nur dasjenige kontrahieren, was du zu halten versuchst.
Verstehen ist ein Bemühen, etwas an der Stelle zu halten und es dort zu verwahren. Verstehen ist eine Weise, mit etwas zuende zu sein, indes wirst du mit der Unendlichkeit nie in größerem Ausmaß zuende sein, wie du je mit Mir zuende sein wirst.
Verstehen gibt dir öfters ein Empfinden der Vervollkommnung, aber das ist ein irriges Empfinden. Obschon allerdings Vervollkommnung Wahrheit darstellt und du bereits vollkommen bist, ist dein Erleben auf der Erde ein Sausen durch das Universum, um deine Totalität aufzusuchen. Verstehen hat wenig damit zu tun. Finden hat viel damit zu tun.
Sobald du eine Erfahrung hast, hast du sie, ob du sie nun erfasst oder nicht. Du ermittelst gerne deine Erfahrungen und beschriftest sie gerne an einer Stelle. Das fühlt sich für dich gut an. Und du setzt Wörter ein, um deine Erfahrungen zu bestimmen. Es gibt allerdings keine Wörter, um die Unendlichkeit zu beschreiben. Es gibt keine Wörter, um dich zu beschreiben. Es gibt keine Wörter, um mich zu beschreiben. Wie beschränkt sind doch Wörter! Vielleicht hättest du ein umfassenderes Verstehen ohne vorsätzlich geplante Wörter. Vielleicht sind alle Dinge, die etwas ausmachen, wortlos.
Was wissen Bäume von Wörtern, und dennoch, sind sie nicht weise? Ist eine hügelige Landschaft nicht weise, insofern als sie sich vor dir erstreckt? Welche Geschichten könnte sie erzählen! Sie erzählt sie, allerdings nicht in Worten.
Allzu oft gibt es eine Ungleichheit zwischen Wörtern und Wahrheit. Ich meine nicht das, was ihr Lügen nennt. Ich meine, dass die Wörter „Ich liebe dich“, gleich, wie wahr sie sind, nichts sind im Vergleich dazu, was sie wiedergeben.
Und manchmal werden Wörter benutzt, weil du denkst, sie würden deiner Wahrheit aufhelfen, sie würden sie wahrer machen, so, als ob Wörter Zauberstäbe wären und erschaffen würden. Manchmal hoffst du, dass deine Worte wahr werden, dass Worte der Liebe etwa Liebe manifestieren werden.
Verlasse dich weniger auf Wörter. Verlasse dich mehr auf Wahrheit. Wörter sind ohne Wahrheit hinter sich leer, und Wörter, auch mit Wahrheit im Rücken, sind im Vergleich zur Vollheit, die sie repräsentieren, leer.
Was also tut ihr sodann? Nun, schier in Liebe sein. Seien und lieben. Seien ist still. Wörter sind Reden.
Und gleichwohl, was für einen Dienst führen Wörter doch aus. Du liest jetzt Meine Wörter, du liest Meinen Anlauf, dir von dir selbst und von den unauslotbaren Dimensionen von dir und Mir zu erzählen, und Meine Worte bringen dich näher und höher. Sie helfen deinen minderen Gedanken, die Biege zu machen, deinen minderen Gedanken, die auf dieses oder jenes kleine Vorkommnis oder auf diesen oder jenen glücklichen Umstand aufspringen. Sogar in Angelegenheiten voller großartiger Momente sind deine Gedanken jedenfalls weniger als der Moment.
Die hinreißendste Wiedergabe der Sonne ist bloß eine Wiedergabe von ihr. Das großartigste Gemälde der Sonne mag eine großartige Sonne wiedererschaffen, aber es fängt nur Elemente ein, nur Aspekte, etliches Bewusstsein der Sonne ein. Unbesehens wie großartig indes das Gemälde ist, es ist nicht die Sonne.
Und so steht es auch mit Worten. Sie können so Einiges. Sie umfangen die Welt. Sie können sich durch das Universum weben. Aber sie sind nicht das Universum.
Der Mensch kann nicht von Worten allein leben.
Er kann nicht von der Welt allein leben.
Er kann nicht allein leben. Er kann nicht allein sein. Er IST nie allein. Einssein ist nicht allein. Einssein ist voll. Das Einssein, das du bist, ist jenseits der schönsten Poesie, jenseits der schönsten Musik. All die großartigsten Dinge in der Welt sind schier symbolische Manifestationen des Umfassenderen, das ist, Ihr habt nur einen Fingerzeig von der schönen Totalität, die in euch beherbergt ist. Ihr kommt mehr zum Unendlichen hin. Nicht zum Reden über es, sondern zum Vertrautsein.

