HEAVEN #3142 Ein Kuss vom Universum
EIN KUSS VOM UNIVERSUM
Alles ist gut, und alles wird der Himmel auf Erden sein. Das war immer so, Geliebte. Trotz aller Scheußlichkeit, mit der ihr vertraut seid, das ist das Eigentliche.
Alles, was sich im Leben zuträgt, ist dienlich. Wie es dient, mag durchaus jenseits eures Zugriffs stehen. Vielleicht seht ihr es überhaupt nicht so.
Wenn eine schöne Rose verwelkt und verdorrt, fällt sie auf den Boden und hilft, das zu nähren, was das nächste Jahr an ihrer Stelle wachsen wird. Ihr könnt das Vergehen der Rose betrauern, oder ihr könnt an den Gefallen denken, den sie euch geboten hat und gibt, und daran, welche ferneren Gaben aus ihrer Existenz und aus ihrem scheinbaren Abgang hervor kommen werden. Es ist durchaus möglich, dass diese eine Rose zu Dutzenden weiteren beitragen wird.
Es ist nicht zu leugnen, dass eine Rose, dass eine jede Rose, gleich, wie schön sie ist, zu Boden fällt. Sie hat ihre Zeitspanne, eine schöne Zeitspanne. Sofern Rosen immerzu währten, wären sie keine Rosen. Ist nicht ihre Zeitweiligkeit Teil ihres Zaubers? Möchtet ihr eine lange dauernde, künstliche Rose aussuchen, währenddessen es eine frische zum Abschneiden gibt? Wieso, Geliebte, das scheinbare Ende des Lebenszyklus einer Rose betrauern?
Ist nicht der Beschluss einer Rose ebenso schön wie der Beginn? Eine schöne Rose legt sich zur Ruhe, und die Essenz der Rose besteht weiter. Die Rosenhaftigkeit ist für immer. Wieso das Vergehen dessen, was für immer ist, betrauern?
Was gibt es in der Ewigkeit zu betrauern? Bloß einen bestimmten Gesichtspunkt. Einzig die Anhaftung gibt euch einen Anlass zum Betrauern. Liebt ohne Anhaftung, Geliebte. Liebt und wertschätzt und genießt die Rose, während sie blüht. Sobald sie aufhört zu blühen, liebt sie genauso. Die schönste Rose kann nur eine Widerspiegelung der Liebe sein, die du für sie innehältst.
Weswegen überhaupt etwas betrauern? Weswegen die Liebe betrauern, Geliebte?
Liebe ist mehr als ein Hüpfen, Überschlagen und Springen. Liebe ist eine Art Rose. Liebe wird weitergereicht und begegnet sich selbst, während sie kommt und geht. Liebe ist ewig. Einerlei, wie fragmentiert sich deines Erachtens Liebe ausweist, sie ist ewig. Liebe ist definitiv mehr als ein vorübergehender Einfall.
Schaue jetzt in diesem Augenblick aus deinem Fenster hinaus. Vielleicht siehst du einen Fruchtbaum in Blüte. Vielleicht wird morgen der Wind alle Blüten auf den Boden wehen. In einem anderen Zyklus wird vielleicht ein allerletzter Schneeschauer alle nachzügelnden Blüten bedecken. Was macht das aus? Der Baum hat geblüht. Die Blüten existierten. Sie glitten in dein Herz hinein. Sind sie von deinem Herzen fortgegangen?
Die Blüten waren wie ein Kuss vom Universum. Würdest du einen Kuss vom Universum bedauern? Würdest du gerne einen blühenden Baum bedauern, weil er nicht so bleibt, wie er war? Dir wurde ein Geschenk überreicht. Liebe das Geschenk. Liebe das Geschenk, während du es hast. Schätze es selbst dann, während es nicht mehr länger augenscheinlich ist, und lasse es gehen. Das Geschenk hat in deinem Herzen ein Zeichen angebracht, und dieses Zeichen ist unauslöschlich.
Hat es für euch weder Hand noch Fuß, dass eine Rose blüht und dass Blüten blühen, und dass sie nicht andauernd blühen? Ist nicht eben davon das Leben angefüllt, Geliebte? Das Leben ist gefüllt mit Rosen und Blüten und Versprechen, die Wirklichkeit werden. Sie sind gegeben worden, und sie sind euch überreicht worden. Ist das kein Grund zum Frohlocken?
Etwas ist in Irdischen Bezügen für einen Augenblick euer. Und was für ein Augenblick ist das doch! Es geht, Geliebte, überhaupt nicht darum, dass etwas von euch weggenommen wird. Es war allein für eine kurze Zeit das eure. Seine kurze Zeitdauer ist kein Geheimnis, was vor euch gewahrt wird. Das ist keine Überraschung. Eben die Kürze ist Teil des Geschenkes, seht ihr das nicht genauso?

