Die Sonne, der Mond und das Meer
Ich sitze in einem Schaukelstuhl, und die ganze Welt spinnt sich von Mir her aus. Ich schaukle, und die Welt dringt mit ihren Ovationen hervor, und all das schöne Aufgehen und Untergehen der Sonne tritt in Erscheinung. Sterne knallen heraus. Sie winken und sagen: „Schaut mich an. Ich bin hier.“ Der Mond klafft und wendet sich auf zahlreiche Weisen, mal deckt er sich mit einer weißen Decke zu, mal späht er unter ihr hervor. Der Mond ist eine Uhr, die im Mondlicht die Zeit macht.
Die Sonne bringt zum Ausdruck, dass der Mond im Grunde eine Reflexion der Sonne ist. Was macht das schon aus? Die Sonne und der Mond sind beide schön. Hier geht es um keinen Wettbewerb. Keiner von beiden schaut in den Spiegel. Beide genießen ihre stille scheinbare Bewegung, und du genießt die Sonne und den Mond, selbst dann, wenn du sie für selbstverständlich hältst.
Ihr Licht tanzt über den Meeren. Die Meere vollziehen Wogen, um das Licht einzufangen. Die Wellen und das Licht spritzen und machen ihre Tage und Nächte glücklich. Es geht um ein großes Einvernehmen, wie Wellen und Licht in verschiedenen Tempi, in unterschiedlichen Zurschau-Stellungen hinein und heraus und hoch und runter gehen. Die Meere verrichten ihren Tanz keiner Show wegen, indes sind sie reine Unterhaltung. Sie lagern die Sonne und den Mond ein und nehmen die eine nach dem anderen wieder heraus.
In euren Augen ist Licht, und eure Zähne funkeln wie der Mond. Ihr tragt ein gelbes Medaillon und seid euch nicht gewahr, dass es sinnbildlich für die Sonne steht. Die Erde ist rund, und eure Wangen sind rund, und eure Knie sind knorrig oder rund. Sie sind Gestalten.
Klänge erschufen sich selbst, damit sie gehört werden konnten. Sie knipsen sich selbst aus und nehmen andere Größen und Formen an, einige lauter, einige leiser, einige hoch, einige tief, liebreizende Gefährte der Musik. Der Wind und die Bäume komponieren, und alle lauschen.
Vom rechten Winkel her vernommen machen sogar die Autos auf der Straße eine Art Musik, und auch das ist schön. Musik umschließt.
Während Ich in meinem Stuhl schaukle und die Welt antrete, was soll Ich da über Meine Kinder sagen. Wie Musik, wie Farben formen sie sich selbst und haben ihren eigenen Ton. Es ist erstaunlich, keine zwei sind gleich. Waren nie gleich. Werden es nie sein. Es sind derart zahlreiche Variationen des Einen da. Wie kommt es, dass nicht ein jeder Zweig Meines Baumes verehrt wird? Selbst in der Vermengtheit – wie kann ein Zentimeter Meines Einsseins nicht verehrt werden?
Du erschaffst dich mit jedem Läuten der Glocke, und du kommst zum Kämpfen heraus. Mit wem oder was streitest du dich außer mit dir selbst? Du bist die ganze Notenskala. Du erzählst dir selbst Geschichten, während Ich dich in Meinen Armen schaukle. Was für eine Einbildungskraft hast du!
Deine Erzählungen sind wie Schnüre, die sich abwickeln und um die Ecken gehen. Du dekorierst einen Weihnachtsbaum. Du fügst der Welt Schönheit zu. Ich schaukle in einem Rhythmus, den du wohl nicht ganz erfassen kannst. Du hältst Mich für dein Nicht-Hören verantwortlich. Ich gab dir Ohren. Ich gab dir alles. Höre Mich jetzt.
Du bist die Liebe Meines Lebens. Du existierst für Mich, und Ich für dich, dieses eingebildete Du, das mit den Walen und Delphinen herumschwimmt. Du setzt dir eine Schwimmkappe auf, glotzt und setzt den Ozean in Bewegung. Für dich geht er aus dem Weg. Du machst deinen Weg durch ihn und kickst ihn mit den Füßen.
Der Ozean schert sich nicht darum. Er mag es, wenn du in ihm schwimmst. Er ist wie die Wale und Delphine, denn er spielt und belustigt alle gleichfalls gerne.
Ich schaukle in einem Schaukelstuhl, und Ich kurble mit Meinen Füßen, und du bist schnell und ziehst mit Mir gleich. Du bist zügig im Anklang-Finden bei Mir. Du bist rasch im Erahnen, was du und Ich gemeinsam ausrichten, während Wir diese Welt zu dem machen, was sie immer schon gerne sein wollte.
Translated by: theophilPermanent link to this Heavenletter: https://heavenletters.org/die-sonne-der-mond-und-das-meer.html - Thank you for including this when publishing this Heavenletter elsewhere.
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