Wie ein Kolibri
Gott redete …
Manchmal bezeichnet man vage Regungen der Seele als Unruhe. Nimm alsdann in Betracht, Unruhe als eine einsetzende Ouvertüre zu etwas Wundervollem anzusehen. Man könnte Unruhe als Aufwachen bestimmen, als das Rühren zwischen dem Impuls, aufzustehen, und dem Aufstehen, so, wie man sich morgens beim Aufwachen akklimatisiert, bevor man vom Bett aufsteht. Unruhe ist Bewegung, die sich rüstet. Unruhe ist wie ein Kolibri, bevor er auffliegt.
Jede einzelne Sache im Leben hat ihren Wert. Der Winter dient einem würdigen Zweck. Der Frühling dient einem anderen. Wir könnten auch sagen, dass der Frühling der nach vorne gezogene Winter ist, so wie beim Weben eines Stoffes ein Faden zurückgezogen wird, um vorwärts zu laufen. Das Nächste kommt zum Nächsten. Könnte der Frühling ohne die Fesseln des Winters dermaßen kühn hervorbrechen? Selbst das, was du verachtest oder als schlimm ansiehst, bringt dich im Leben weiter. Du bist dadurch einen Schritt weiter.
Es kann ja sein, du bedurftest eines Anstoßes, anderenfalls wärest du geblieben wo du warst. Warum sich bewegen, so doch alles behaglich ist? Aber das Leben gestattet es einem nicht, an der gleichen Stelle zu bleiben. Das Auf und Ab des Lebens treibt dich vorwärts wie einen Lindwurm, nicht immer wie eine Gazelle.
Die Umstände im Leben machen dich nicht zu dem, was du bist, und doch treiben sie dich an. Selbst die schwierigsten Umstände helfen dir, mehr von dir selber zu entdecken. Selbst die größten Schwierigkeiten sind dein Freund, denn sie bringen dich dazu, aus dir selbst herauszugehen. Das Leben erlaubt es dir nicht, lange zu schwelgen.
Gerade als du dich auf der Parkbank niederlassen wolltest, wirst du von einem unpersönlichen Stockwink aufgefordert, aufzustehen und weiterzugehen.
Im Leben geht es um Bewegung. Es geht nicht darum, zu bleiben. Im Leben geht es nicht darum, seine Umstände zu kontrollieren. Es geht darum, weiterzugehen, ungeachtet der Umstände.
Wenn das Leben dir Schwierigkeiten bereitet, denke nicht, du hättest versagt. Bewerte dich nicht nach dem, was im Leben passiert. Bewerte dich überhaupt nicht. Aber wenn es denn sein muss, dann schätze dich hoch ein, weil du lebst, egal wie das Leben dich umherzuwirbeln scheint. Trotz trockener Wüste gibt es Oasen. Du wartest nicht darauf, dass sie zu dir her kommen. Du gehst zu ihnen hin.
Wie trocken deine Lebensumstände auch scheinen mögen, wie trocken sie auch sein mögen, es gibt Wasser, das du trinken kannst. Vielleicht musst du danach graben. Vielleicht musst du in dir selbst nach der Nahrung suchen, die du dir so sehr wünschst.
Sehnsucht und Unruhe arbeiten oftmals zusammen. Gemeinsam ziehen sie dein Leben auseinander. Sei froh über das, was du dir wünschst. Wenn deine Wünsche erfüllt sind, dann bist du parat für den nächsten Wunsch. Wünsche sind deine Hauptstütze. Die Erfüllung ist es nicht. Aber du hast andersherum gedacht. Ihr dachtet, ihr wäret hier auf der Erde, um eure Wünsche zu erfüllen, aber ihr seid hier, um ersehnenswert zu sein. Mit Verlangen oder gar mit Sehnsüchten bewegt ihr euch voran. Mit Verlangen, gar mit Unzufriedenheit, habt ihr im Sinn, euch irgendwo hin zu bewegen. Ist das nicht eine gute Sache?
Und ist es nicht möglich, zufrieden zu sein und trotzdem im Leben voranzukommen?
Weitergehen bedeutet nicht Eile. Es bedeutet weitergehen. Es bedeutet unablässig am Gehen zu sein. Es hat keinen Widerspruch zwischen Zufriedenheit und Fortschritt zugeben. Sei zufrieden, weiterzugehen. Lasse dich vom Leben überraschen. Wie auch immer deine Lebensumstände sein mögen, du bist nicht verpflichtet, in ihnen zu verharren. Was du ändern kannst, das ändere. Du kannst auf jeden Fall ändern, wie du das Leben betrachtest.
Was du vom Leben haben willst, gib dir selber. Du willst, dass das Leben leicht mit dir ist? Dann sei einfach mit dem Leben, was auch immer es in einem bestimmten Moment sein mag. Es gibt keinen Grund, im Leben zu toben und zu wüten, genauso wenig wie es nötig ist, sich einfach hinzusetzen. Folgt eurem eigenen Vorankommen Seht, was sich als nächstes tut.
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