Schnee von gestern

God said:

Gott redete …

Deinem Empfinden nach gehst du nach und nach tiefer und tiefer in das Leben hinein. Du kannst es nicht so genau sagen, doch hast du das Gefühl, dass es so ist. Du magst diese Idee. Du bist von ihr belebt. Zur gleichen Zeit bist du von ihr durchgerüttelt.

Ab und an hast du das Gefühl, dass du im Leben am Treiben bist. Dass du den Boden nicht touchierst. Wie gerne du das tun würdest. So wie die Dinge stehen, schnellen Worte von irgendwoher hoch – es hat so zu sein, dass sie von irgendwo inwendig in dir herkommen, wiewohl, wie? Wieso? Und, haben sie das zu tun?

Nun, wo du darüber nachdenkst, wo sind Wörter überhaupt gelagert. Es gibt Wörter, oftmals Namen, die dir sehr wohl geläufig sind, und die du zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht hervorzuziehen vermagst, so sehr du es auch versuchst, und dann etliche Wörter, die du ganz bewusst nicht hergezogen haben möchtest, die dir nicht von Bedeutung sind, die für dich nicht zählen – und doch, hier, sie schütten sich hervor.

Sie haben irgendwo in dir herumgelungert, aber wo? Wie sind sie dorthin gelangt?

Was ist überhaupt - sich an etwas erinnern?

Ehrlich gesagt, du fragst dich, wofür Gedächtnis überhaupt da ist. Natürlich erkennst du seinen Wert, sobald du das Rezept deiner Mutter für die Erbsen-Hafer-Suppe kochen möchtest. Du hättest es gerne, dass es dir auf der Zunge liegt.

Was das Leben angeht, entsinnst du dich hier und da eines Details, das du vergessen hattest, und wofür ist das Ganze. Zu welchem Behuf ist das eine oder andere davon, ächzt du zu wissen. Weswegen schießen gewisse Gedanken hoch, dann wenn sie es tun? Bisweilen tun sie das, und es liegt dir nichts an ihnen.

Ist Erinnern nichts mehr als eine Flickenpuppe ausstopfen? Ist Erinnern bloß ein Füllsel, und wieso kümmert dich das?

Manchmal fühlt sich dein Geist übervoll an, und dein Haus gleichfalls.

Du hast eine Masse Erinnerungen, und etliche scheinen nutzlos. Gewiss, es gibt da Gedanken, die du gerne hervorziehen möchtest, gleichwohl, du hast kein System dabei. Hast du mentale Aktenschränke und farbige Mappen?

Selbst wenn du wüsstest, wo sie sind, wie geordnet könnte überhaupt der Gebrauch sein, den du von ihnen machst?

Gibt es Regale, um darauf die Schachteln voller Gedächtnisinhalte zu stellen?

Dies ist nicht das erste Mal, dass du dich in der Angelegenheit, wann du die Erde verlässt, gefragt hast, wohin deine Erinnerungen gehen, die einschneidenden wie auch diejenigen, wie ein schwieriges Wort zu buchstabieren ist.

Dann sind da die Erinnerungen, die der Tränen wert sind. Mögen sie in Frieden ruhen.

Es ist alles Schnee von gestern.

Bei all dem, was in der Welt vor sich geht, weswegen befinden sich jetzt Erinnerungen in deinem Gedächtnis?

Zum Guten der Welt möchtest du lieber etwas Neues erfunden sehen, oder dein Leben fiktiv neuerlich hinschreiben, wovon Ich geredet habe, dass es das Leben von Anfang an in Wirklichkeit ist. Du könntest den Wunsch an dir haben, eine Aufzeichnung von allen großartigen Büchern, die du gelesen hast, aufgestellt zu haben, obschon du das nie getan hast.

Du könntest einen Schubkarren mit deinen Erinnerungen füllen – wo freilich könntest du ihn loswerden?

In gewisser Hinsicht, da möchtest du gerne dieses Leben, welches du jetzt durchlaufen hast, erneut niederschreiben, sowie es allerdings zum Letzten kommt, was würdest du gerne ungeschehen gemacht sehen? Beschämung? Unwissenheit? Unerwiderte Liebe? Möchtest du in deinem Skript tatsächlich die anderen Charaktere ändern? Was möchtest du gerne ausstreichen, sobald es darauf ankommt? Wen möchtest du zusätzlich haben – eine Feenmutter? Was würdest du dich trauen, es auszurangieren? Welchen Saum würdest du aufnehmen? Wo überhaupt würdest du das Kleid finden? Insgesamt scheint die Angelegenheit allzu viele Schwierigkeiten an sich zu haben.

Du fragst dich zudem, wie dein nächstes Leben aussehen wird. Welchen Namen wirst du haben? Was für eine Arbeit wirst du verrichten? Wo wirst du leben? In welchem Land? Du fragst dich wortlos selber, in welchem Land du gerne leben möchtest. Tatsächlich ist es so, du bist froh, dass du dir dies nicht auszudenken hast. So wie es steht hast du allzu viel in deinem Sinn.

Translated by: theophil

 

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