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HEAVEN #605 Eine Lichtung im Wald

EINE LICHTUNG IM WALD

Es war einmal, da warst du alleine im Wald. Du dachtest, du seist alleine. Doch Vögel und Insekten und allerhand Getier sangen zu dir. Der Wind in den Bäumen wehte auf dich, und die Sonne spähte durch die großen Bäume und fand dich. Sie folgte dir wie ein Scheinwerferlicht auf der Bühne. Du dachtest allerdings, woher du kamst, dort flackere das Licht.

Als du so entlang gingst, gelangtest du zu einer Lichtung, wo du eine viel bessere Sicht der Dinge hattest. Du konntest weiter sehen. Der Horizont weitete sich vor dir aus, und irgendwie fühltest du dich kleiner, vielleicht verlorener, als als Bäume über dir aufragten.

Du bist jetzt auf der Lichtung. All diese weite Ausdehnung des Raums bringt dich aus der Fassung. Freiheit, so viel Offenheit – wohin gehst du jetzt? Du bist ausgesetzt. Irgendwie schien der dunkle Wald sicherer. Er deckte dich zu. Nun ist da nichts zwischen dir und der Sonne.

Nun bist du ganz in die Sonnenstrahlen geschleudert, und dein Rücken ist entkleidet. Du zögerst, hochzuschauen, aus Angst, dass du geblendet oder besudelt wirst, oder dass du in Flammen aufgehst. Deine Ängste sind am Ende.

Es ist einfach so, dass du ebenso licht wirst wie die Lichtung, in der du stehst. Alle die Hemmnisse für dein reines Sein und für deine Kenntnis werden in der Luft verschwinden wie Rauchwolken, und du wirst wie Wasser aus einem Brunnen in Erscheinung treten.

Was lässt dich meinen, der Boden sei sicherer? Was lässt dich meinen, dass es nur eine einzige Ebene der Existenz gibt, und dass niedrig ein höheres Plateau sei als hoch? Oder suchst du mehr nach Flachheit als nach Höhe?

Zur Zeit ist die Welt verstört, du indes brauchst das nicht zu sein. Und dafür, dafür musst du dich höher heben.

Ein Bergmann gräbt in den Minen nach Kohle. Vielleicht findet er sogar Gold. Um freilich mehr zu finden, muss er nichtsdestotrotz in dem Stollen unter der Erde bleiben, wo er sich kaum aufrecht hinstellen kann. Seine Zeit im Stollen diente einem großen Zweck, doch jetzt kommt er aus dem Tunnel heraus und streckt sich nach dem Gold des Sonnenlichts und nach dem Silber des Mondes.

Ausdehnung wird darin erwiesen, nach dem du dich streckst, nicht darin, was du bekommst.

Manchmal fühlst du dich gedehnt, verlängert, dünn gezogen. Vielleicht kommst du soeben aus dir selbst heraus. Das ist eine andere Ausdrucksweise für: dich selbst finden. Es ist nicht so, dass du dich verlierst, um dich zu finden. Du verlierst deine frühere Konzeption von dir. Diese hat dich mehr eingeschränkt, als jedwede Gitterstäbe an deinem Fenster. Sogar durch Gitter kannst du hinausschauen. Du kannst durch die Stäbe sehen. Du kannst durch die Dunkelheit sehen.

Sofern es Dunkelheit gibt, gibt es auch Licht. Es kann alles Licht sein, nicht aber kann Dunkelheit alles sein.

Alles, was nötig ist, ist, dich selbst hoch zu heben. Gestehe es zu, dass es ein Höher gibt, das du erlangen kannst. Du bist der einzige, der dich emporheben kann. Andere können dir eine Hand reichen, aber sie können dich nicht tragen.

Es ist alles zwischen dir und Mir. Alles Sonstige ist schier ein Gestöber an Aktivität. Du und Ich unterbieten und übersteigen die Aktivität. Wir schneiden einen Schwaden durch jegliche Aktivität. Wir führen Uns zuende, ein Jeder den Anderen. Wir sind alles, was ist. Das Dornicht ist nichts für Uns. Du hast bloß gemeint, es sei für Uns. Nichts hält uns auf, außer deine irrigen Gedanken. Sie sind das, was dir in den Weg kommt, nicht das Dornicht.

Auf dem Gestrüpp gibt es Beeren.

Die Sonne berührt die Blätter.

Du hast die Fähigkeit, dich in die Sonne zu begeben. Und ebendas tust du. Stelle dich aufrecht hin, und du wirst die Sonne früher erreichen. Die Sonne erreicht dich bereits. Du bist in ihr gesonnt. Nun ist es an dir, dich zur Sonne zu erheben. Schaue zur Sonne. Lasse die Sonne dein Gesicht baden und deine Brauen abreiben.