HEAVEN #559 Eine friedvolle Reise
EINE FRIEDVOLLE REISE
Was ist Aufgeregtheit anderes als die andere Seite der Enttäuschung? Du wirst überglücklich, während die ganze Zeit über Freude genug da ist. Und dennoch bist du darauf aus, überglücklich zu sein. Du bist darauf aus, in vielen Dingen über dem höchsten Punkt zu sein. Du drehst dich selbst vom einen Ende des Spektrums des Lebens zum anderen auf. Du zoomst dich in das Leben hinein, und dennoch ist es für dich immer noch nicht rasch genug. Es ist zu schnell, und nicht schnell genug.
Es stimmt nicht, dass du nie befriedigt bist. Du hast kurze Augenblicke davon. Aber deine Befriedigung kommt von einem Lob her, und sogar ein positives Lob ist Beurteilung. Siehst du, wie sehr du über das Leben nachdenkst, und, indem du das tust, wie sehr du dich von dem Leben des Lebens wegziehst?
Es ist eine Sache, einen Kuchen zu essen, und eine andere, jeden Bissen zu bewerten.
Was wäre, wenn du deine laufenden Kommentare über dein Leben fortließest? Dein Leben selbst wird sich verwandeln, wenn du aufhörst, es abzuschätzen. Du hältst mehr deine Meinung über dein Leben fest, als du es erlebst. Du neigst dazu, ein Auge auf die Zukunft und ein anderes auf die Vergangenheit hingezogen zu halten. Aus diesem Grunde stellst du Vergleiche an, unterdessen dein Leben letztlich jenseits des Vergleiches angesiedelt ist.
Wieso nicht im Voraus den Bescheid treffen, die Straße zu genießen, die du nimmst? Eine Schnellstraße des Lebens liegt vor dir, und eine Kritik von ihr ist ein ärmliches Bemühen um Kontrolle. Du liebkost das Leben, oder du versohlst es. Du machst so viel aus ihm, oder nicht genug. Köstliches fehlverstandenes Leben.
Du dachtest, das Leben sei ein Picknick. Was ist ein Picknick anderes als eine Haltung? Sogar bei Picknicken gibt es Regen und Ameisen. Jene haben dein Picknick nicht zu verderben. Du bist derjenige, der es verdirbt.
Du erwartest so viel vom Leben. Du erwartest Vollkommenheit. Indes erwartest du zur selben Zeit nicht genug. Da ist noch mehr. Du rennst zur Ziellinie, ohne zu wissen, wohin du gehst. Werde langsamer. Ergehe dich mehr durch dein Leben. Du hast es weder zu durcheilen, noch von ihm weg zu hasten. Sei deinem Leben ein Passagier, doch nimm in aller Bereitschaft an ihm teil.
Sei in deinem Leben nicht derart beansprucht, als wäre es ein Wettbewerb. Es gibt kein Gewinnen und kein Verlieren. Das Leben selbst ist ein Spaziergang, den du machst. Du gehst es. Woran du vorbeigehst oder nicht vorbeigehst, was ist dir das? Was für einen glücklichen Umstand musst du haben, um glücklich zu sein? Oder um unglücklich zu sein? Stelle nicht derart viele Anforderungen an das Leben, und schlendere weiträumiger herum.
Das Leben ist keine Parade. Es ist kein Affenspektakel. Desgleichen ist es kein Marschieren an einer Stelle.
Die Musik hat Crescendi, und die Stille hat ihren Anteil an ihnen. Und die Crescendi machen die Stille ebenfalls zu etwas Schönem. Wieso bist du überrascht, wenn dein Leben keine gerade Linie ist?
Genauso wenig ist es eine Wundertüte.
Du machst dich in eine Richtung auf, die du zu jedem gegebenen Augenblick ändern kannst. Und du machst in deinem Leben Wendungen. Du bist der Wender. In welche Richtung du auch anscheinend gehst, du kommst voran. Du bist nicht, wo du gestern warst. Dein Leben schreitet fort. Du machst Fortschritte. Aber du hast einen Fortschritt nicht zu markieren. Dein Leben ist kein Bericht über den Fortschritt.
Wieso dein Leben nicht zu einem Picknick machen? Auf jeden Fall kannst du es nicht voraussagen, und du kannst die Vergangenheit nicht so ummodeln, wie du sie haben möchtest. Das Leben ist immer wieder neu vor dir. Und es ist deins, nicht dasjenige eines anderen. Dein Leben wurde nicht gechartered, und indes setzt du auf den Sieben Meeren Segel.
Sage Ja zum Leben. Sage Ja zu deinem Leben. Sage: „Gott, ich möchte aus meinem Leben das machen, was Du willst. Und Du willst für mich Glück. Was fechte ich das an? Wieso behellige ich mich mit Qualen, während ich Dich in meinem Herzen trage? Lieber Gott, hilf mir heute, Dich weiter und tiefer in mein Leben zu tragen. Hilf mir, dankbar für all das zu sein, was Du mir gegeben hast. Heute möchte ich mich der Trübsal entledigen und mein Glück bejahen. Heute breche ich zu einer friedvollen Reise mit Dir auf.“

