HEAVEN #553 Unvollkommene Vollkommenheit
UNVOLLKOMMENE VOLLKOMMENHEIT
Du wirst deine Nachfrage nach Vollkommenheit nie zufriedenstellen. Indem du auf Vollkommenheit abzielst, stellst du sicher, dass du dich in der relativen Welt frustriert fühlen wirst, denn die Vollkommenheit, auf die du abzielst, ist unerreichbar. Ein Bedürfnis nach Vollkommenheit ist unsättigbar. Auch dann, solltest du sie heute erreichen, wird sie morgen zerknittert werden. Du kannst ein Kleid in aller Vollendetheit bügeln, aber du kannst sichergehen, dass sie nicht andauern wird, während du es trägst. Das Kleid tragen ist mit das Leben leben vergleichbar. Sogar dann, wenn du von dem Kleid Runzeln fernhalten könntest, könnte es sein, dass du es morgen nicht mehr magst, und dass du dich nach einer neuen Vollkommenheit sehnst.
Diejenigen, die erregt sind, Vollkommenheit zu erlangen, sie zu sehen oder zu haben, haben womöglich eine Bedenklichkeit gegenüber dem Leben inne. Sie verschieben das Leben. Sie stellen diese unsättigbare Vollkommenheit vor die Bewandtnis, das zuende zu bringen, was vor ihnen liegt.
Im Trachten nach Vollkommenheit stellst du Standards höher als Handeln. Das ist so, wie wenn du sehr gerne Kuchenkrusten backen magst, aber stattdessen lieber mit dem Teig spielst, als den Kuchen zu backen. Am Ende zählt es nicht so sehr, wie die Kruste deinem Auge gefällt. Es zählt das Verkosten des Kuchens.
In einem Bedürfnis nach Perfektion ist eine ganze Menge Aburteilen inbegriffen. Auf Vollkommenheit abzielen ist ein sicherer Weg, ungehalten zu werden. Auf Vollkommenheit abzielen wird dich wohl auch davon abhalten, dir andersartige Dinge anzuschauen, die du womöglich nicht sehen möchtest. Das ist ausweichend.
Sei insbesondere nicht bei Anderen auf Vollkommenheit aus. Das wird dich launenhaft machen.
Du weißt, manchmal geht dir eine Einzelheit gegen den Strich. Sie nervt dich. Dann hast du dich zu fragen: „Wie gewichtig ist dieses Detail dafür, was ich anstrebe? Ist es möglich, dass es ein Dorn ist, an dem ich mich festklammere?“
Die Frage heißt nicht, ob du dabei, was dich behelligt, fehlerlos bist. Manchmal hast du recht! Oft hast du recht. Doch recht oder nicht recht, die Frage heißt: Wieso lässt du es dich so sehr beunruhigen?
Du wärst nicht auf Perfektion aus, wenn du dächtest, es sei richtig, das zu sein. Und jetzt lernst du, nicht so sehr an die Vollkommenheit geheftet zu sein.
Ich sage euch zur gleichen Zeit nicht, eure Standards abzusenken. Ich sage euch nicht, nachlässig oder gefühllos zu sein. Ich rate euch, in eure Standards eine Abänderung einzuschließen, dass ihr nicht auf Perfektion bestehen werdet, weder in euch selbst, noch in Anderen.
Freilich, wie wisst ihr, wann es zu beharren und wann es los zu lassen gilt? Wenn du Künstler bist, möchtest du ein großartiges Gemälde malen. Und dennoch, auch als großer Künstler ist vielleicht eine Zeit gekommen, wann du sagst, du seist mit dem Gemälde fertig, ob nun zufrieden damit oder nicht.
Zolle den Schwächen weniger Beachtung.
Vielleicht hast du jene unvollkommenen Dinge, die dir ein Bein stellen, aus einer größeren Entfernung her anzuschauen. Schaue mehr nach dem generellen Effekt als nach den vollkommenen Teilen.
Du bist in Meinen Augen nie weniger.
Das Kind bringt seiner Mutter aus der Schule eine Zeichnung mit nachhause. Sieht die Mutter in der Zeichnung nach Perfektion? Korrigiert sie sie? Sie sieht etwas mehr als das Bild. Und ist indes die Zeichnung nicht so, wie sie ist, vollkommen?
Sei dir selbst eine Mutter.
Ziele nicht darauf ab, das zu kontrollieren, was du nicht kontrollieren kannst.
Richte deine Aufmerksamkeit auf größere Dinge. Schaue hoch.
Wenn du dich mit einer Gruppenaufgabe befasst siehst, und du findest, dich nervt nach wie vor etwas, etwas, was den Anderen nicht aufstößt, dann gibt es für dich zwei Dinge zu tun: reden und zuhören. Beides ist wertvoll. Arbeite zusammen.

