HEAVEN #3131 Aschenputtels Kutsche
ASCHENPUTTELS KUTSCHE
Was macht für euch einen glänzenden Tag aus? Nicht Passivität, Geliebte. Noch auch habt ihr euch mit eurem Tag in den Haaren zu liegen. Ihr könnt hinausgehen und eurem Tag begegnen. Ihr könnt ihm die Hand geben und mit ihm eine Sternentour beginnen. Er wird wie die Kutsche von Aschenputtel sein. Er wird euch, wohin ihr immer möchtet, bringen, doch punkt 12 Uhr Mitternacht verlässt er euch. Für die folgenden Stunden aber sind die Kutsche und die Zunftsleute die deinen. Diese Kutsche wird dich zu dem Ball fahren, wo du dem Prinzen begegnen wirst. Sie wird dich einfach überall hin bringen, wohin du möchtest.
Setze dich in der Kutsche aufrecht hin. Sitze nicht lässig da. Setze dich aufrecht hin, damit du sicher sein kannst, alle Ansichten zu sehen, an denen du vorbeifährst. Fasse den Blick nach vorne in der Kutsche, wo ein Ausblick vor dir liegt. Schaue, wenn du es möchtest, von der einen Seite zur anderen, schaue jedoch nicht nach hinten. Vor dir liegt die Einwirkung.
Mit Sicherheit kann der Prinz, mit dem du getanzt hast, an dem einen oder anderen Tag herauskommen und sich nach dir umsehen, und er kann dich finden. Dein Tag und sein Tag sind im Leben ein Verlöbnis. Tage plumpsen in den Tag eines Anderen. Ein Tag ist in Wahrheit ein Tag für alle.
Und, ja, es gibt das Wetter. Es gibt schmuddelige Tage und sonnige Tage. Es gibt allerhand Tage, so wie es allerhand Kutschen gibt, in denen du reisen kannst. Einerlei, wie schlecht die Kutsche ist, sie kann schön sein, denn du fährst in ihr. Sie kann weich oder holprig sein, und du fährst in ihr.
Sieh die Kutsche des Tages, mit der du fährst, wie ein Pferd, auf dem du reitest. Wie du das reitest, hat etwas damit zu tun, wie das Pferd trottet oder galoppiert oder auf dich wartet. Dein Stil heute hat eine Auswirkung auf das Pferd, was du reitest.
Du hast nicht mit der Peitsche zu knallen, aber du spielst einen aktiven Part.
Ich denke, du kannst nie einen Tag allzu sehr wertschätzen. Er kommt loyal zu dir und präsentiert sich dir selbst. Er gibt sich dir. Er bietet sich dir dar. Selbst dann, wenn du nicht die Wahl triffst, auszugehen, ist der Tag immer noch bei dir. Das macht dem Tag nichts. Indes erbringt es dir einen Unterschied.
Du hast Tage abgezählt, und du hast über sie reflektiert.
Du bist schnell gegangen, und du bist langsam gegangen, und dennoch präsentiert sich ein Tag zu jeder Zeit und sagt: „Wohin möchtest du gehen? Wohin möchtest du, dass ich dich bringe? Wie möchtest du mich heute? Schlicht oder voll? Gelassen oder rennend?“
Der Tag sagt zu dir: „Ich kann dir einfach das sein, was du möchtest, dass ich es bin. Und falls es für mich heute nicht klappt, wird mein Gegenpart, das Morgen, übernehmen und unseren Ritt um den Park zuende bringen. Lasst uns also weiter vorangehen, und schauen, was du aus mir machen kannst. Ich glaube tatsächlich, dass du unseren Kurs bestimmst. Ich mache mich wie ein zuvorkommender Liebhaber aus dem Staub, unterdessen ich zur gleichen Zeit deinem Geheiß folge. Ich lese in deinen Augen, was wir deinem Wunsch gemäß werden mögen und wohin du dich gerne durch mich genommen wissen möchtest. Ich bin zu deinen Diensten, und bin da, um deinen Bitten nachzukommen. Du kannst mich umgestalten. Du kannst aus mir das machen, was ich nie zuvor war. Und gleichwohl habe ich genauso meine eigene Vitalität.
Und an jedem Tag, wie ein Uhrwerk, kehre ich zu dem Bett zurück, aus dem du aufgestanden bist, oder zu einem neuen Bett, ungeachtet dessen – ich bin immer rechtzeitig da. Ich gehe selbst im Passgang. Du und ich enden gemeinsam. Wir fangen gemeinsam an, und wir kehren gemeinsam zurück. Und niemals haben wir zwei Tage von uns genau gleich gesehen. Ich bin wie das Leben selbst, voller Mannigfaltigkeit und Lebhaftigkeit, und desgleichen mitsamt allerhand Wahlmöglichkeiten. Ich nehme dich rund um den Block, oder ich möchte mit dir zu fernen Ländern laufen. Stets bin ich bei dir, und stets baue ich dich aus.
Wohin sollen wir heute gehen? Und wie weit möchtest du gerne gehen?“

