HEAVEN #311 Wählen vs. Beurteilung
WÄHLEN VS. BEURTEILUNG
So lange wie du billigst, beurteilst du. Billigung und Missbilligung sind zwei Enden der Beurteilung.
„Aber warte mal“, sagst du, „bin ich nicht berechtigt, etwas mehr als etwas anderes zu mögen?“
Natürlich bist du das.
Wenn dir jemand einen Apfel oder eine Orange anbietet, und du ziehst die Orange vor, dann nimmst du sie an, weil sie deine Vorliebe ist. Du bespöttelst den Apfel nicht oder siehst die Orange nicht als wertvoller an. Du denkst nicht: „Oh, wie kann bloß jemand bei gutem Verstand einen Apfel einer Orange vorziehen?“
Du bringst schlicht deine Vorliebe zum Ausdruck.
Wenn zwei Menschen unterschiedliche Handlungen begehen oder sie in unterschiedlicher Weise ausführen, oder wenn sie in verschiedenen Kleidern auftreten, wirst du vielleicht an dem einen hinaufschauen, und an dem anderen herunter. Das ist Beurteilen.
Als es zu der Wahl eines Apfels oder einer Orange kam, warst du diesbezüglich neutral. Deine Wahl war deine Wahl. Du hegtest keine Verachtung für die Frucht, die du nicht wähltest. Du hast sie schlicht nicht gewählt.
Wenn es auf Menschen und ihre Handlungen hinausläuft, ist deine Wahl nicht derartig unparteiisch. Sie wird persönlich. Der eine stößt dich vor den Kopf, und die andere gefällt dir. Keinesfalls mehr als der unschuldige Apfel und die unschuldige Orange haben andere Menschen und ihre Handlungsrichtungen mit dir zu tun.
Es ist nicht dein Ort, beschimpft zu werden.
Du hast ganz bestimmt Wahlmöglichkeiten, aber beschimpft zu werden, ist keine von ihnen. Beschimpft werden ist dasjenige persönlich nehmen, was das Geschäft eines Anderen ist.
Wenn du Lehrer bist, und du lobst einen Jugendlichen, lobst du nicht automatisch denjenigen, der neben ihm sitzt. Den einen loben und gegenüber einem anderen zurückhaltend sein, das ist nichts Glorioses. Wenn du lobst, billigst du. Damit missbilligst du automatisch.
Vielleicht kaufst du dir ein Haus. Bestimmt hast du nicht jedes Haus zu kaufen. Du hast Anspruch darauf, das Haus zu kaufen, das du möchtest. Triff eine Wahl für das, was du möchtest, aber würdige ein Anderes nicht herab, denn Jenes wird die Wahl eines Anderen darstellen.
Beginnst du besser zu verstehen, was neutral meint?
Es bedeutet nicht Einfallslosigkeit oder Desinteresse oder Indifferenz. Es bedeutet, du hast eine persönliche Vorliebe, aber es bedeutet nicht, du gibst eine Proklamation der Verdammung oder des Lobes aus. Du akzeptierst die Koexistenz von allem, und du triffst deine Wahl.
All die Energie und all das Bemühen, die in den Versuch münden, etwas in das zu machen, was es deines Erachtens sein sollte! Du tust das deinen Kindern an, und du hast es dir selbst angetan.
Für alles gibt es einen Ort.
Nichts greift auf dich über.
Aber du fürchtest, ebendas täte es.
Und demnach beurteilst du ein Buch nach seinem Umschlag.
Hole dir aus der Bibliothek das Buch, das du willst, greife die anderen jedoch nicht heftig an.
Wünsche dir nicht von den Wahlen Anderer, sie existierten nicht.
In deinem Geist hast du die Ideen Anderer oft zerdrückt, und dementsprechend hast du oft andere Menschen zerdrückt. Das läuft darauf hinaus, sie auszumerzen. Missbilligung ist Tilgung. Sei kein Zerstörer von Herzen. Sei ein unschuldiger Passant. Sei ein Nickender bei den Herzen Anderer.
Wisse, was dein Geschäft ist, und wisse, was dasjenige des Anderen ist.
Wisse, was deine Domäne ist und was die des Anderen.
Wenn du dich als Menschenwesen bejahst, das zu diesem Zeitpunkt, so gut es das vermag, seinen Weg in der Welt geht, wirst du das gleiche denjenigen um dich herum zugestehen.
Sofern jeder Meine Liebe verdient, und du Meine Liebe verdienst, kannst du dann Anderen nicht stattgeben, in Frieden zu sein?
Du bist König deiner selbst, und keines anderen. Denn alle sind Könige und Königinnen in ihrem eigenen Leben. Ich habe sie ernannt.
Gib deine Selbstheit nicht weg, und packe nicht diejenige eines Anderen.
Spende der Freiheit der Wahl deinen Segen.
Segne die Schöpfung als Gesamtes.
Wende dich um, und segne sie ihr selbst.
Und wenn du spürst, das kannst du nicht, dann segne sie Mir.

