HEAVEN # 1505 Das Buch des Lebens
DAS BUCH DES LEBENS
Geliebte, das Leben, so ihr es verbringt, ist nicht gesittet, und dazu könnt ihr es nicht machen. Ihr könnt das Leben nicht präzise feststellen. Ihr könnt von ihm keine Karte herstellen, um ihr zu folgen. Ihr könnt im Grunde nicht einmal vergangene Ereignisse zurückverfolgen und bestimmen, wie ihr dorthin gelangt seid, wo ihr seid, selbst sofern ihr wisst, wo ihr jetzt seid. Es ist so viel Mutmaßung zugegen.
Mit Sicherheit könnt ihr wissen, dass ihr bei Mir seid. Und das ist alles, was ihr zu wissen braucht. Für euch gibt es keinen sonstigen Ort, um dort zu sein. Euer Leben mag ja nicht bestimmt und geordnet sein, wie ihr es gerne möchtet, aber es folgt einem natürlichen Fortgang, ob euer Daumen nun oben ist oder nicht. Alles liegt in der Zeit und ist am richtigen Platz. Nur euer Gewahrsein hinkt hinterher. Es stimmt, ihr seid zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.
Wie ihr gehört habt, gibt es weder einen Ort, um zu sein, noch eine Zeit, um an jener Stelle zu sein, da Raum und Zeit Illusionen sind - Zeit, die illusionärste unter allem. Wenigstens könnt ihr mit euren Füßen auf den Boden stampfen und sagen, eure Füße befänden sich auf ihm, währendessen ihr die Zeit nur auf einer Wertmarken-Uhr oder auf einem Kalender kennzeichnen könnt. Euren Finger könnt ihr auf sie nicht legen.
Demnach habt ihr an diesem Altjahresabend eine Seite des Lebens umgeblättert und werdet zu einem anderen Kalender greifen, in dem die Zeit kennzuzeichnen ist. Beginnt ihr zu spüren, wie es ist, dass Zeit nicht existiert? Beginnt ihr zu empfinden, wie Materie eigentlich nicht existiert, und dass sie, falls sie existierte, in keiner Weise von Belang ist? Im Leben ist es so, als wärest du bloß virtuell in den Urlaub gefahren, wie auf dem Computer, während du deinen Sitz nie verlassen hast.
Ihr habt den Himmel niemals verlassen, Geliebte. Euer Leben auf Erden ist eine Fata Morgana.
Seid nicht traurig, dass euer Leben nicht real ist. Bestimmt fühlt es sich real genug an. Gleichwohl befindet ihr euch in einem Irrtum.
Die Wissenschaft sagt, dass die Sterne und Galaxien so viele Lichtjahre weit entfernt sind, sind sie indes nicht in eurem Gewahrsein gewärtig? Könnt ihr sie nicht herbeibeschwören und berühren? Ihr wisst, sie sind euch näher als ein Messergebnis. Die Wissenschaft versucht nicht einmal, Meine Nähe auszumessen. Das, was nicht messbar ist, ist wahr. Bestimmt bin Ich unermesslich, und demnach du ebenso.
Wo ihr euch also am Altjahresabend befindet – dort lässt sich gut sein.
Wenn ihr allein seid, ist das schön. Wenn ihr euch in einer Menge befindet, ist das auch schön. Wenn ihr schlaft, ist das schön. Wenn ihr wach seid, ist das schön. Nichts, teure Kinder, in der Welt hat etwas zu sein, ausgenommen das, was es ist.
Es gibt nichts, über das zu klagen wäre. In diesem Sinne gibt es nichts, über das zu jubeln wäre, indes möchte Ich sagen, dass die gesamte relative Existenz zum Bejubeln ist. Sie ist eine Exkursion eures Geistes zu unbehinderten Orten. Sie ist ein ziemliches Unterfangen, und ihr habt sie unternommen. Ihr seid auf eurem Weg. Schaut nicht nach dorthin zurück, wo ihr wart, denn eure Fußabdrücke sind bereits im Sand gelöscht. Was das, was vor euch liegt, anbelangt, euer Fußtritt hinterlässt keine Markierung, selbst wenn ihr auftretet.
Wo seid ihr jetzt? Wo ist die Sonne in Relation zu euch jetzt? Und wo ist euer Herz? Wofür schlägt euer Herz außer für diesen einen Bruchteil einer Sekunde an illusionärer Zeit, für diesen saumlosen Saum der Nicht-Zeit, des Nicht-Raums, derart voller Liebe, dass ihr gar dem Glauben anhängt, ihr befändet euch irgendwo, derweilen es von jeher einzig Einssein gibt, innen wie außen. Euer Geist schweifte schlicht für einen Augenblick lang ab, und euer Finger legte sich in dem Buch des Lebens, das sozusagen in unsichtbarer Tinte geschrieben ist, auf eine illusionäre Seite.

