Auf einer Wolke surfen

God said:

Alle sind unschuldig. Was weißt du davon, wie Leben leben ist? Es ist, als wäre es das erste Mal. Du bist bei einem Land auf Besuch, dessen Sprache du kaum kennst, wo alles neu und fremd zu sein scheint. Du bist dorthin, wo du lebst, eingewandert, und Verwirrtheit liegt auf der Hand. Es scheinen hier Regeln, wie zu leben sei, zu herrschen, allerdings sind sie schmutzig gemacht. Wer kann sogenannte Regeln begreifen, wenn sie sich vor deinen Augen verwandeln, und wenn etliche Regeln befolgt werden und etliche nicht, oder wenn es von etwas Unauslotbarem abhängt, für das es keinen ersichtlichen Reim und Grund gibt.

Niemand auf der Erde ist wirklich schlau. Schlitzohren mögen große Schritte machen, wenn es allerdings darauf ankommt, ist bloß ein einziger Tiger da, den sie, wie es scheint, am Schwanz haben. Ihr Griff ist fadenscheinig. Die in den Augen der Welt ausgeklügeltste Person ist eine ganze Menge Pomp and Circumstance, Glanz und Gloria.

Ziehe dich sodann zur Unschuld hoch. Sei kein Vortäuschender. Du hast die Welt nicht unter Dach und Fach zu bringen.

Du kneifst. Du tanzt. Und du bist dennoch mit verbundenen Augen, während du um die Ecke gehst.

Du magst in einer großen Stadt leben, und du hast alle Busse herausgefunden. Du weißt, wohin sie fahren und wann. Und doch kommen neue Busse hinzu, Busse fahren auf neuen Strecken, Fahrpläne ändern sich, und du wartest auf einen Bus, der kommen oder nicht kommen mag.

Du weißt nicht, worum sich das Leben in der Welt insgesamt handelt. Niemand weiß das. Niemand ist dahintergekommen. Es gibt keine Experten. Das Leben eines Jeden steht für sich, um in es hineinzutauchen, und niemand weiß, was der nächste Augenblick bringen wird. Du hast keine illusorische Zeit, um dich vorzubereiten, oder du bereitest dich überflüssigerweise vor, denn es sieht danach aus, dass sich keine Gelegenheit auftut, um deine Vorbereitungen nützlich anzubringen.

Du wirst nicht immer wissen, wie das Wetter in fünf Minuten sein wird. Alle Wettervorhersagen wissen das nicht mit Gewissheit. Und da bist du, wo du womöglich nicht gerne sein möchtest – in Ungewissheit lebend. Man hat dir sogar gesagt, dass der Boden, auf dem du gehst, im Raum herumwirbelt, und du magst das Gefühl haben, die richtige Seite sei oben, während du vielleicht ganz wörtlich mit dem Kopf nach unten bist. Lasst uns dem ins Gesicht sehen, Geliebte - ihr wisst nicht viel.

Es ist so, als würdet ihr in einem Aufzug fahren, der allem Anschein nach die höchste Etage nicht erreicht, einerlei, wie lange ihr euch in ihm befindet, und ihr seid außerstande, aus ihm auszusteigen. So ist es, eines Tages wird dich eine ungesehene Hand herunterwinken, und du wirst dich irgendwo anders befinden, vielleicht auf einer Wolke, die auf einem ganz anderen Universum Wellen reitet, auf einem Universum, das sich von dem, in das du eingetaucht warst, unterscheidet.

So ist es - inwendig in der Welt, in der du lebst, ist ein Königreich, und dieses Königreich ist so einfach und real, und doch bildest du dir ein, es seit weit weg, vielleicht für dich viel zu weit weg, um dich heranzuwagen. Alldieweil ist dieses Königreich direkt zuhanden. Du kannst dich jetzt nach ihm ausstrecken. Du kannst deine Augen von der Unbeständigkeit weggleiten lassen, und mit einer Permanenz wiedervereint werden, von der du kaum träumtest.

Die Welt, in der ihr herumlauft, Geliebte, ist ein Traum. Das Land, was ihr kaum seht, ist die Realität. Ihr lebt bereits inwendig in der Realität. Sie ist bereits die eure. Die Schwierigkeit für euch ist, dass dieses kostbare Land außerhalb von Zeit und Raum ist, außerhalb von jenen Geländern, an denen euch festzuhalten ihr so sehr gewohnt seid, selbst wenn jene für euch im Grunde nicht da sind. Jenseits der Geländer sind Ewigkeit und Unendlichkeit, und ebendort existiert ihr. Dort existiert ihr wirklich, dort tanzt und singt ihr wirklich, und dort wisst ihr um den Einen, den es zu kennen gilt, am Dringlichsten um euch selbst, und hier seid ihr mit allem vertraut, was es zu erkennen gibt. Hier seid ihr ein Naturtalent.

Translated by: theophil

 

Your generosity keeps giving by keeping the lights on