HEAVEN #900 Das Erglühen des Himmels
DAS ERGLÜHEN DES HIMMELS
Du hattest Augenblicke, als alles schön war, was du dir anschautest. Du hattest Augenblicke, als alles, was du dir in deinem Haus anschautest, ein Stillleben war, darauf vorbereitet, durch einen Künstler gemalt zu werden. Deine Augen waren der Künstler.
Die Mobilien hinter einer Tür nehmen eine ungeahnte Schönheit an, die Schachteln aufeinandergestapelt, so, als seien sie mit Bedacht aufeinander geschichtet, ein herrlicher Turm, der willentlich errichtet wurde, so, dass er sich gerne für die Schönheit hätte zusammensetzen mögen. Du hast gedacht, du habest die Schachteln hier hingestellt, so lange, bis du sie ausleeren kannst. Nun entdeckst du, sie sind da, damit sie das Sonnenlicht deiner Augen entgegennehmen und zu einer Sicht deines Herzens werden.
Wirrwarr auf einem Tisch nimmt ein neues Licht an, und du siehst, gleich wie sorglos das dort hingelegt wurde, die Schönheit, die sich darin niederschlägt. Es dämmert dir, dass alles außerhalb der Ordnung in Ordnung ist, damit es deine Augen betrachten können und damit du über ihrer Schönheit in Ausrufe geraten kannst. Mittlerweile wird in dir ein Erwachen angerührt.
Du hattest Augenblicke, als jegliche Landschaft in unausweichlicher Schönheit gehalten wurde. Mit welchem Pinsel Gott auch gemalt hatte, du hast es wahrgenommen, und dein Herz sang und hüpfte. Du hast Schönheit darüber ausgegossen, was immerzu Schönheit war, und einzig Schönheit war.
Was für eine Skulptur doch dieser Baum da drüben ist, und mit welcher ununterdrückbaren und unausdrückbaren Farbe der Himmel doch angestrichen ist!
Und Ich, Gott, indessen Ich dich anschaue, was sehe Ich? Was kann Ich anderes als Schönheit sehen? Was sonst befindet sich auf Meiner Palette?
Die Antlitze all der Menschenseinswesen, die du siehst, sobald sie durch das Auge eines Künstlers gesehen werden, nehmen die Tönung eines meisterschaftlichen Porträts an. Ein jedes ist derart fein ineinander verwickelt herausgestellt, ist so kostbar in einem augenblicklichen rührenden Stillleben des Lebens. Jede Persönlichkeit ist ohne Bewegung, und dennoch siehst du, dass sie hereingekommen ist und dass sie hinausgehen wird, und gleichwohl sind sie in diesem Augenblick erlesener Schönheit stille. Sie sind ruhig und sie sind schön, weil deine Augen auf ihnen niedergegangen sind.
Deine Augen sind wie ein Zauberstab einer Märchen-Gottesmutter. Deine Augen leihen allem in der Welt Funkeln. Deine Augen sind das Auswaschen, was die Farben auf der Wange hell macht. Deine Augen tilgen die Schatten, und enthüllen alles, wie es ist, wie es durch den Urheber von Allem ins Leben gerufen, wie es von dem Schöpfer von Allem erschaffen wurde, wie es von dem Zurschausteller von Allem ausgestellt, wie es von dem Autor von Allem geschrieben wird.
Du fängst soeben an zu sehen, wie du zuvor noch nie gesehen hast. Du fängst soeben dasjenige an zu sehen, was vor dir ist. Nichts hat sich geändert, außer du und wie du es siehst.
Das entkommt keiner Anstrengung. Es geht um ein Sehen, was zuvor deine Augen nicht gesehen haben. Nun sind deine Augen jenseits der Trübung. Deine Augen sind Trübungs-Beseitiger. Letztlich waren es deine Augen, die die Mattheit dorthin verbracht haben.
Noch aus einem kleinen Ritz des Lichtes kannst du die Sonne sehen. Und eben das tust du jetzt. Wo immer du hinschaust, betrachtest du die Sonne. Du schiebst die Schultern der Welt weg und heraus späht die Sonne, sodass sie alle sehen können, so wie du es bei ihr tust.
Deine Augen werfen Liebe auf alle Ansichten, die sie sieht. Das ist die natürliche Art des Anblicks. Hier geht es nicht um Verschönern. Das ist Sehen was ist. Das ist der Spiegel, der reflektiert. Und du bist dasjenige, was widergespiegelt wird.
Deine Augen werfen Schönheit auf das, was bereits schön ist. Du verwandelst nichts, indes, indem du es enthüllst, wird alles verwandelt.
Wirf die Brille der Vergangenheit fort, die du getragen hast, und schau durch Meine Linsen. Oh, ja, das ist der Himmel. Das ist der Himmel, den du siehst. Bis jetzt hast du ihn von deiner Sicht ferngehalten, und jetzt, ja, jetzt, einerlei in welche Richtung du schaust, einerlei wie nahe oder wie fern, alles, was dein Auge sehen kann, ist Himmel und ist dessen Erglühen.

