HEAVEN #773 Halte nach dem Ausschau, was du möchtest
HALTE NACH DEM AUSSCHAU, WAS DU MÖCHTEST
Wenn du dich traurig fühlst, weißt du bereits, du schaust dir die Dinge von unten her an. Finde nun einen anderen Winkel, aus dem du herblickst. Bei jedem Unbehagen gibt es eine andere Seite, die du sehen kannst. Eine Stirnfalte ist ein Ausdruck deines Gesichts, und ein Lächeln ein anderer. Jedoch sind Beide Ausdrücke des gleichen Gesichts. Sofern du das eine kannst, kannst du das andere. Welchem gibst du den Vorzug? Und was hat mehr Hand und Fuß?
Ist Trübsal für dich sinnvoll? Wenn du sie nicht möchtest, weswegen hofierst du ihr dann so? Weswegen tanzt du nach ihrer Pfeife? Weswegen machst du einen Kotau vor ihr, wenn du sie doch lieber nicht haben möchtest? Oh, falls du den roten Teppich für die Heiterkeit ausrollen würdest, so wie du das für die Trübsal tust, wie glücklich wärest du doch dann!
Du hast dich dauernd nach Verzweiflung umgesehen. Du warst über sie verstohlen, jedoch hieltst du eifrig Ausschau nach Zurücksetzung oder Enttäuschung oder Herzschmerz. Darin warst du gut. Niemand kann gegen dich weiterkommen.
Fange nun an, das Leidende und Empfindliche weiterzuwinken. Fange es nicht ein. Sei nicht auf der Hut vor ihm. Sei neutral. Du brauchst es nicht willkommen zu heißen und es nicht herein geleiten. Lasse ihm seinen Lauf, und du gehst deiner Wege. Zeige den Schwierigkeiten eine kalte Schulter. Sei nicht derart einladend ihnen gegenüber, nicht derart offen, nicht derart empfänglich, nicht derart hingegeben und gewissenhaft.
Drehe dein Herz einen kleinen Winkel. Begib dich auf den Ausschau nach dem, was du möchtest. Du verdienst, was du möchtest, sonst würdest du es nicht erstreben. Erstrebe Gutes, was zu dir kommen möge, und wisse, du verdienst es. Entleere dein Herz vom Schmerz. Einerlei, was kommt, du bist derjenige, der ihn hier festgemacht und der ihn vielleicht hier gehalten hat, der ihn vielleicht um seines lieben Lebens willen festgehalten hat. Du hast Salz in deine eigene Wunde gestreut. Du hast ihn zu einer Gewissheit gemacht. Du hast ihn in deinem Herzen abgesondert und dort verwahrt. Wirf ihn jetzt hinaus.
Du sagst, du kannst nicht anders? Du fühlst dich schlecht, vom Leben geschlagen, durch gewisse Wendungen des Lebens oder durch alles in der Hinsicht. Du sagst, dein Herz schmerzt, und alles, was ein schmerzendes Herz tun kann, sei Schmerz, so, als hättest du bei ihm kein Sagen, so, als gäbe es nichts, was du mit ihm unternehmen könnest, so, als schlösse sich die Traurigkeit ein, und als würde der Freude nichts anderes übrig bleiben, als draußen zu bleiben.
Ganz im Gegensatz dazu, was du glaubst: Die Freude hat es nicht schwerer, dein Herz zu betreten, als die Traurigkeit. Darin besteht eigentlich dein Vorrecht. Pessimistisch oder optimistisch sind zwei Wahlmöglichkeiten, die du hast. Du sagst, du seist auf Freude versessen, aber du beherbergst Traurigkeit. Entscheide dich endlich.
Wie, meinst du, ist dir Traurigkeit dienlich? Welche Qualitäten hat sie, dass du sie begrüßt? Ist dein Empfinden der Entbehrung umfänglicher als dein Empfinden für das Geschenk?
Du zählst Sorge wie große Summen von Geld. Immer und immer wieder zählst du sie.
Sorge ist wie fotografieren mit einem dunklen Filter über der Linse. Mehr ist sie nicht. Beseitige den Filter. Beseitige dich aus der Szene und werde unparteilich. Blätter fallen von den Bäumen, Schnee fällt, Freunde enttäuschen einen. Du fühlst dich nicht betrogen, weil Bäume ihre Blätter fallen lassen, oder weil der Regen zu Schnee wird, sobald allerdings Freunde dahinschwinden, machst du eine Riesensache daraus. Mit ihr erstichst du sogar dein Herz immer und immer wieder.
Nimm das Messer heraus. Die Handlungen Anderer haben mit dir nichts zu tun. Du bist weder besser oder minder aufgrund irgendeines Vorkommnisses auf dem Antlitz des Lebens. Gib niemandem die Rolle des Enttäuschers bei, denn das macht dich zum Opfer. Niemand hat so viel das Sagen über dich. Aber du hast so viel das Sagen über dich selbst.
Dein Herz ist widerstandsfähig. Verzärtle es nicht so. Hebe es hoch und stelle es wieder her.

