HEAVEN #527 Die Gegenwart
DIE GEGENWART
Wenn du Ängstlichkeit spürst, hast du an der Vergangenheit festgehalten. Gefühle der Beklemmung sind nicht möglich, sobald du in der Gegenwart bist. Gedanken an die Vergangenheit und die Zukunft gestatten es der Ängstlichkeit, sich festzusetzen. Ich und der Augenblick sind das gleiche.
Sieh die Gegenwart als eine Wellenlänge an, ebenfalls die Vergangenheit und die Zukunft. Meine Wellenlänge ist immer in der Gegenwart. Du siehst in der Gegenwart in Meine Augen, denn Ich blicke soeben auf dich.
Die Gegenwart ist nicht aus Gedanken aufgesetzt, wiewohl sie ihr eigenes Gewahrsein ist. Gewahrsein ist nicht selbst-bewusst. In der Gegenwart sein ist wie wenn du spontan umarmst. Du denkst: „Ich möchte diesen Menschen umarmen.“ Auch denkst du nicht: „Ich gehe und umarme diesen Menschen.“ Du umarmst einfach. Du umarmst. Wenn du anfängst darüber nachzudenken, hast du aufgehört, dich auf den gegenwärtigen Augenblick einzulassen, und hast dich in den Gedanken über ihn eingeklinkt. Gedanken sind nicht dort, wo Tragweite existiert. Natürlich, dein Geist ist ein Telegraphenband an Gedanken. Dir wurde das beigebracht. Dir wurde beigebracht, zu denken, und dir wurde beigebracht, zu handeln. Seienshaftes befand sich nicht im Skript, das die Welt dir überreichte, Seienshaftigkeit freilich ist inwendig in dir verschlüsselt.
Um auf die Gegenwart zurückzukommen – in der Gegenwart sein ist wie das Essen eines Stücks Kuchen. Die Gegenwart ist nicht das Verdauen. Sie ist der Augenblick, in dem der Kuchen in deinen Mund gelangt, und du kostest ihn.
Es ist gut, mit dem Kosten des Lebens zu beginnen und alle Geschmacksrichtungen ins Auge zu fassen. Süße ist nicht der einzige Geschmack. Sobald du die Erfahrung mehr willkommen heißt als die Nicht-Erfahrung, wirst du von all den Kostproben probieren. Das ist eine andere Ausdrucksweise dafür, dass du dich am Leben freust.
Das Leben ist keine gerade Linie. Du bist die gerade Linie. Schaue nicht außerhalb von dir nach Gleichmäßigkeit. Behalte dein Gleichgewicht, und steinige Wege werden dich nicht abhalten. Du gehst über sie hinweg. Sie laufen nicht rücksichtslos über dich.
Quetsche den Saft aus dem Leben wie aus einer Orange. Trinke ihn. Sauge das Gott-gegebene Leben hinein, das das deine ist. Genieße es mit wahrer Wollust. Quirle es. Du trägst das Leben. Nicht das Leben trägt dich.
Sei ursprünglich. Sei authentisch. Worauf wartest du?
Leben ist nicht, es in den Griff zu bekommen. Leben ist hinübergehen. Genauso gut könntest du das Terrain genießen.
Im Leben vorankommen bedeutet nicht einen größeren Aktionsradius, obschon das der Fall sein kann. Vorankommen ist mehr wie die Plattform, woher du kommst. Größeres Handeln auf der gleichen Stelle bringt dich nicht voran. Größere Vision führt dich voran. Es kündigt deine Ankunft an.
Male dir einen großartigen Pfad aus, und gehe dann auf ihm.
Male dir ein großartiges Unterfangen aus, und lasse dich dann auf es ein.
Vergegenwärtige dir einen Lichtstrahl von Mir zu dir.
Vergegenwärtige dir, wie er dich einhüllt, dieser Strahl des goldenen Lichts, wie er von Meinem Augen fällt, um dich zu krönen.
Male dir den Strom Meines Lichts aus, das sich stufenförmig rund um dich und durch dich befindet.
Wenn du nach links trittst, folgt dir Mein Licht.
Wenn du nach rechts trittst, folgt dir Mein Licht.
Im Himmel gibt es weder rechts noch links, demnach, wohin du auch trittst, Ich bin bei dir. Wir können nicht unterscheiden, Wer Wem hinterhergeht, da Wir nicht auseinander sein können. Wir sind simultan.
Sobald du im Moment bist, heuerst du bei Mir an, und das ist die Simultaneität der Liebe.
Liebe ist kein Gedanke. Genauso wenig eine Handlung. Eine Handlung mag aus Liebe bestehen, aber die Handlung ist nicht Liebe.
Strebe nach Liebe. Wenn du Liebe nicht spüren kannst, dann stelle Wertschätzung her. Wertschätzung wird dich zur Liebe führen. Du kannst sogar würdigen, was du nicht liebst, und ändern, wie es zum Vorschein kommt. Deine Wertschätzung kann Unannehmlichkeit in Freude kehren, so wie sich Schlacke in Gold kehren kann.

