HEAVEN # 3656 Die Herrlichkeit des Himmels
DIE HERRLICHKEIT DES HIMMELS
Gleich, wo du sitzt, Ich bin bei dir. Wenn du aufstehst, bin Ich bei dir. Was auch immer, Ich bin bei dir. Dies ist die Lebensrealität. Dies ist die Realität deines Lebens. All die Verbrämungen, die hübschen, die nicht so hübschen, sie sind nicht Realität. Sie sind Zusätze, Accessoires, Kommentierungen, niedergeschrieben als wären sie biographisch oder wissenschaftlich oder sonstwas, als wären sie nicht Fiktion, als wären sie zotig oder achtbar, indes sind sie gleichwohl Fiktives.
Geschichten reiten auf dem Wellenkamm des hin und her strömenden Ozeans. Erzähltes wird in der Welt geliebt. Du möchtest wissen, wie sich alles herausstellen wird. Die Geschichte setzt sich auf der Erde fort, und zum Ende gelangst du niemals. Es gibt kein Zuendekommen. Wo oder wann du auch einen Zwischenhalt einlegst, noch mehr Begebenheiten gehen mit oder ohne dich vor.
Die Reale Geschichte ist eine andere Sache. Hinter der Fiktion ist die Reale Begebenheit. Die Reale Geschichte hat die ganze Vitalität, aus der eine Geschichte herrührt. Die Fiktion hat keine Chance neben der Wahren Geschichte. Ja, es stimmt, der Wahren Geschichte ist kein in der Schwebe Lassen zueigen. Wer unter euch aber hat im Ungewissen Gehaltensein nötig, während ihr euch in der Herrlichkeit des Himmelslichts befindet? Im Ungewissen, da wirst du zappeln gelassen. In der Herrlichkeit des Lichts des Himmels stehen deine Füße sozusagen auf dem Boden. In der Fiktion befindet sich dein Kopf in den Wolken. Die Welt macht es falsch herum. Seit langem ist es bei ihr so.
Was in der Begebenheit nicht augenscheinlich ist, hält Wahrheit inne. Die Geschichte fußt auf Wahrheit, indes ist sie aus der Baseballplatz-Fiktion heraus. Sie ist Fantasie, die bis an die Grenzen des Möglichen gespielt wird. Dein faktischer Lebenslauf ist Fiktion. Eure Bevölkerungsstatistiken sind Fiktion. Euer gesamtes Leben ist eine fiktive Geschichte von Liebe, an die nicht geglaubt wird, von Liebe, die nicht vorgestellt, von Liebe, die gedämpft wird, die nicht vernommen, die zum Schweigen gebracht, auf der herum getreten wird, die vergraben, gequält, weggeworfen, in die eingebrochen wird, die verbrannt, beschmutzt wird, von ruchloser Liebe, und all das ist Fiktion. Das Leben ist mehr, als dem Auge begegnet. Was auf das Auge trifft, ist ein unendlich kleiner Funke des Lebens. Es ist Licht, was gedämpft wurde.
Worum geht es also demnach dabei, was sich in dem Handlungsfeld des Lebens zuträgt? Nichts geschieht, Geliebte. Eine Menge scheint zu geschehen, aber es ereignet sich nichts. Das ganze Wehklagen und das ganze in Sackkleidern Herumgehen ist schier Stickerei. Aus der Vollheit der Nichtsheit kommt eine winzige Handschrift zum Vorschein, hinwiederum bleibt kein Fleck zurück. In dem Augenblick getilgt, in dem es geschrieben wurde. Dem Wind übergeben.
Wer vermag sich das Leben mit all seinen Kehren und Wenden zusammenzustellen? Und doch, es ist insgesamt ausgedacht. Man hat sich auf es geeinigt, trotzdem ist es zurechtgemacht. Die Regeln wechseln im Sand. Das Weltleben ist wie Flugsand geworden, und du gerietst bis zum Feststecken in ihn hinein. Selbst obschon es sich um Fiktives handelt, kannst du das Buch nicht aus der Hand legen. Du bist unsterblich, mit dem Gefühl, du seist in der Fiktion verewigt. Sich verewigen hast du nicht nötig.
Gleichwohl, nachdem alldas gesagt ist – das Leben gehört gelebt. Du vertust das Leben nicht, bloß weil es Fiktion ist. Du akzeptierst kein lausiges Leben, bloß weil das Leben Fiktion ist. In der fiktiven Welt tust du das Äußerste, wozu du imstande bist, um ein Held zu sein. Währenddessen du in diesem Traum der Geschichte zugegen bist, wieso dann nicht der Held sein? Wieso nicht der sein, der die Lage rettet? Wieso nicht der Prinz sein, der die Prinzessin wegträgt, selbst dann, während die Zwei in der Geschichte verkappt sind und um ihre wahre Königlichkeit noch nicht wissen? Warum nicht der größte Romanautor sein, den die Welt je gesehen hat?
Selbst in der Welt kannst du die Pracht des Himmels leben. Du kannst Beleg für ihn sein. Um sicherzugehen, bist du der Held deiner eigenen Erzählung. Du kannst ebenfalls der Schurke sein, falls du das möchtest, wieso allerdings solltest du etwas anderes als der Held dieses Dramas, in dem du dich befindest, sein mögen?

