HEAVEN #364 Wellenberge und Wellentäler
WELLENBERGE UND WELLENTÄLER
Das Leben scheint aus Wellenbergen und -tälern gemacht zu sein, und du hast beschieden, Höhen seien besser. Aber es ist das Strömen des Lebens, was gut ist. Das Leben kann nur in Bewegung strömen, die Oberfläche des Lebens kann nicht eben und flach strömen, anderenfalls würde es nicht strömen. Unterhalb des Strömens ist eine unbeugsame Ebenheit, aber die Oberfläche des Lebens geht hoch und geht nieder. Das ist die Natur der Wellen.
Wellen sind wie Einatmen und Ausatmen, das ist alles. Ein und aus. Hoch und nieder. Aber das nieder ist bloß das Anschwellen des hoch. Der Wellenberg und das Wellental sind nicht getrennte Akte. Sie sind wie ein Schaubild des Lebens. Auf jeden Fall präsentiert sich auf diese Weise die Oberfläche des Lebens sich selbst.
Es gibt Schwangerschaft, und dann gibt es die Geburt. Aber das ganze Geschehen ist Geburt. Die Geburt erfolgt nicht aus sich selbst heraus. Die Geburt ist die Emission einer Welle, die sich aufgerichtet hat. Eine Welle hat sich einzurollen, bevor sie sich entrollen kann. Die eine Bewegung ist nicht besser als eine andere. Sie ist schier das, was sie in dem Moment, in dem sie ist, ist.
Eine Mahlzeit ist vorbereitet. Und dann wird sie eingenommen.
Dein Mund öffnet sich, und dann schließt er sich.
Du stehst morgens auf und du legst dich abends hin.
Die Nacht folgt dem Tag. Sie nehmen Wendungen.
Eine Blume öffnet und schließt sich.
Deine Augen öffnen sich, und sie schließen sich.
Alles dient einem Zweck.
Ein und aus sind schier eine einzelne Bewegung.
Schau dich in deinen Tief's nach der Nachhaltigkeit um, die sie enthalten.
Du kannst dich nicht dauernd verausgaben. Du kannst nicht dauernd ausatmen. Du hast auch einzuatmen.
Sei weder erregt, weil du dich im Heranwallen einer Welle befindest, noch sei niedergeschlagen, wenn sie wieder zum Meer hinunter gelangt.
Eine Flaute im Leben räumt dir ein, deinen Verstand zu sammeln. Es ist in Ordnung, beim Abflauen etwas irdische Zeit zu haben.
Reite das Hinauffegen der Wellen genauso wie das Hinabfegen der Wellen. Lehne dich zurück und lasse das Leben sein, was es ist. Es hat nicht eine Minute lang ein Nervenkitzel zu sein.
Wenn du eine Leiter hochsteigst, muss ein Fuß unter dem anderen zurückbleiben. Ein Bein steht still, und das andere steigt höher. Und auf diese Weise geht der Fortschritt vor sich.
Du verbrauchst eine Menge Energie damit, die Talsohlen des Lebens zu betrauern. Beklagen ist Widersetzen. Akzeptiere die Hängematten, die auf dich zukommen, und lege dich eine Zeitlang in ihnen hin. Bald genug wird noch mehr dein Leben betreten. Du kannst es weder schaffen, dass es rascher daherkommt, noch kannst du es abhalten. Das Leben verläuft nicht notwendigerweise auf dein Geheiß. Du läufst auf das seine.
Du kannst das Leben zu dir winken, doch das, was kommt, kommt auf Geheiß dessen, was du Zeit nennst. Das Leben ist unverzüglich und auf einmal, aber dein Inanspruchnehmen von ihm ist nicht derart. Du verzehrst dich darin, die Wellen deines Lebens zu kontrollieren. Lasse diese Kontrolle los.
Du hast nicht zu jedem Zeitpunkt in der Hauptströmung zu sein. Es ist in Ordnung, eine Weile im Abwärtsstrom zu sein. Jedenfalls präsentiert sich das Leben so selbst. Es ist in Ordnung, eine Weile herum zu schwimmen, ohne irgendeinen Ort aufsuchen zu mögen.
Wenn du auf einen Berg steigst, gibt es Rastplätze. Ohne Rastplätze am Weg kannst du den Berggipfel nicht erreichen. Wieso denkst du, du könnest dem Leben ohne Unterbrechung nachgehen, so, als wäre ein Einhalt eine schwarze Markierung gegen dich?
Beginnst du zu sehen, wie du dein Leben beurteilt hattest? Beurteilen ermattet dich. Du hast dein Leben beurteilt, und dich selbst beurteilt, und du befandst sie aufgrund von Vorstellungen, die du festhältst, fehlerhaft. Ent-binde diese Vorstellungen. Lasse sie los. Lasse dein Leben sein.
Wisse, dass dein Leben gut gewesen ist. Sei mit deinem Aufstieg befriedigt. Krittele nicht an dir herum, weil du nicht rascher geklettert bist. Auf dich einschlagen hilft deinem Klettern nicht. Du brauchst dich nicht immer voranzudrängen. Dränge dich selbst, dasjenige zu würdigen, wo du bist.

