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HEAVEN # 3588 Wie die Gezeiten, wie die Morgendämmerung, wie die Jahreszeiten

WIE DIE GEZEITEN, WIE DIE MORGENDÄMMERUNG, WIE DIE JAHRESZEITEN

Du hast zur selben Zeit am Leben teil, wie du ihm dabei zusiehst. Es ist, wie du dein eigenes Bild aufnimmst. Du wirst ein bedeutender Spieler auf dem Platz sein, und doch befindest du dich in einer Kabine und nimmst von dir auf dem Spielfeld ein Bild auf. Du vermerkst jede Handlung und machst öfters ein Wiederholungsspiel, und in der Rückschau, da sinnst du über alle Bewegungen nach, die du ausgeführt hast.

Obschon du eine Menge vergessen wirst, hast du alles aufgezeichnet und irgendwo verwahrt. In einem gewissen Sinne bist du ein Horter an Erfahrung auf der Erde.

Du bist ein Tourist, der zu einem entfernten Land unterwegs ist, und du möchtest allerhand Erinnerungsstücke an die Landschaft und Architektur, an die Kunst, die Kochkunst und die Menschen mit nachhause bringen. Du möchtest jeden und alles mit dir zurück bringen. Du möchtest jeden Geruch und jede Schattierung an Farbe nachhause bringen. Du steckst dir die Gedächtnisinhalte irgendwo inwendig in dir hin. Du hast deine Kamera und dein Aufnahmegerät ständig an. Du möchtest sie nicht davonziehen lassen.

Im Grunde möchtest du alles an Ort und Stelle halten. Du möchtest die Zeit anhalten. Du möchtest das Impermanente permanent machen. Du möchtest die Vergangenheit auf Lager halten und imstande sein, sie durchzusortieren, sie umzuorganisieren, etwas von ihr zu lernen, sie immer bei dir zu verwahren. In der Zwischenzeit ergießen sich Ströme an neuem Erleben herein, und die Kamera macht Klick und das Aufnahmegerät nimmt auf und spielt.

Du vergisst, dass das Leben auf der Erde insgesamt ein vorübergehender Moment ist, der, nicht anders als die Gezeiten, als die Morgendämmerung, als die Jahreszeiten, nicht angehalten werden kann. Du vergisst, dass es an dir ist, die Vergangenheit los zu lassen. Du kannst sie ohnehin nicht aufbewahren, und doch bleibst du dabei und fügst der Rückladung, die du irgendwo im Geist verstaut hast, noch mehr hinzu. Dein teurer Geist wird überbevölkert. Du bewahrst noch mehr und noch mehr auf. Du gehst absichtlich durch die eine oder andere Zeit hindurch, und die eine oder andere Zeit bürdet sich dir von selbst auf. Die Vergangenheit ist Wasser unter der Brücke. Sie ist Zeitung von gestern. Ihr könnt wirklich keine Einklebebücher über jedes Erleben führen. Die Vergangenheit aufbewahren ist kein Hobby, mit dem ihr Schritt halten könnt. Zum Schluss läuft es auf Gerümpel hinaus.

So wie im Leben könnt ihr nicht alle Besitztümer in einem Vorratsschuppen aufbewahren. Für sie gibt es keinen Raum. Zudem habt ihr sie los zu lassen. Was ist denn das Besondere daran, sie alle aufzubewahren? Früher oder später hat die vormalige Anhäufung aller Buchführungen und Erinnerungsinhalte zurückzuweichen und für das Jetzt-Eben Platz zu machen.

Geliebte, reist unbeschwert. Nehmt schier einen kleinen Tornister, oder, na gut, einen kleinen Rucksack mit euch. Zieht keine Zugladung hinter euch her. Das Leben auf der Erde selbst ist bloß ein kurzer Augenblick.

Ihr könnt die Liebe im Grunde nicht einpacken, und doch möchte sie mit euch gehen, wohin auch euer Fuß tritt. Nehmt weite Schritte über das Land des Lebens. Ihr seid, wo ihr jetzt seid. Sammelt nicht einmal Rosenknospen auf. Lasst sie fallen, wo sie mögen.

Ihr seid nicht bestimmt, ein Sammler des Lebens zu sein. Führt keine Kriegsberichte und bewahrt keine Babyschuhe auf. Das Leben geht weiter, und das müsst ihr gleichfalls.

Jeden Tag seid ihr ein neuer Mensch. Ihr möchtet nicht mit der Vergangenheit beschwert sein. Ihr möchtet nicht beladen sein.

Seid leichten Fußes wie Mercurius.

Lasst Erinnerungen, Besitztümer, Fazite und alles, was euch zurückhält, los. Stellt die Vergangenheit nicht auf Lager. Du bist jetzt soeben ein Gott-geschaffenes Seinswesen, und du bist für diesen flüchtigen Augenblick der Ewigkeit erschaffen, den man Jetzt nennt. Anderenfalls bürdet ihr euch selbst auf. Nehmt her, was zu eurem Herzen passt, Geliebte. Nehmt Mich, nehmt euch, nehmt Uns.