HEAVEN #2902 Ihr verfehlt die Hauptsache, Geliebte
IHR VERFEHLT DIE HAUPTSACHE, GELIEBTE
Unterdessen ihr nach und nach heranwachst und auf die Vergangenheit zurückschaut, vergrößert sich eine Entfernung. Ihr seht sozusagen einen längeren Gewehrlauf hinunter, und seht die Vergangenheit und die Menschen in ihr. Gleich, wie groß der Teil war, den die Menschen in eurem Leben einnahmen, gleich, wie sehr sie auf euch einwirkten und euer Leben beeinflussten, ihr seht jetzt, dass sie und all die verblassende Vergangenheit zu Staub geworden sind.
Bestimmte Rolleninhaber dominierten euer Leben. Sie überschatteten es. Und jetzt beginnst du zu sehen, dass die Vergangenheit und die Monster und die Märchengroßmütter in ihm in Wirklichkeit nicht existieren. Die Menschen, die eine große Macht über dich hatten, haben jetzt keine Macht. Sie hatten damals Macht, weil du sie als überaus machtvoll ansahst. Du wusstest nicht, dass du die reale Macht warst, und dementsprechend passtest du dein Leben an das an, was du in ihm erblicktest.
Die Menschen in deinem Leben waren größer als das Leben. Jetzt sind andere Menschen und Vorkommnisse größer als das Leben, und du bist nach wie vor zu nahe dran, um die Fehlbarkeit all dessen zu erkennen, was scheinbar vor sich geht. Nichts tritt wirklich ein, Geliebte. Gedanken treten ein. Szenerien und Menschen kommen und gehen, und du kommst und gehst, und unterdessen erfolgt nichts. All die Emotionen, all das Wechselspiel und die Wichtigkeit, die du weiterhin in dein Leben verbringst, sind für nichts. Habe acht, Ich sage nicht, dein Leben ist für nichts. Der Rummel darum herum stellt das dar, was für nichts ist.
Die peinigenden Schlachten, die du gefochten hast – wo sind sie jetzt, und was war deren Sinn? Zu der Zeit waren sie mächtig, gleichwohl ebben sie ab, und du vergaßt sie sogar, oder sie kehrten in ein oder zwei Nachgedanken ein. Du dachtest, dein Leben hinge von demjenigen ab, was nunmehr einen dahinschwindenden Schatten darstellt. Du dachtest, dein Leben hinge von deinem Ringen ab, es hinge von Ergebnissen ab, und nunmehr siehst du, dass die Figuren und Ereignisse, auf denen du dein Leben fußen ließt, unwichtig oder zumindest nicht so wichtig waren, wie du damals gewöhnlich dachtest.
In deinem Leben hast du viele Parts gespielt. Du bist zahlreiche Dinge gewesen. Du hast eine Menge dazugelernt, und dennoch hast du nichts gelernt, denn jede Reihe von Gegebenheiten, die heranreifen, lässt dich aufs Neue aufbrechen. Der Ort, den du zuvor eingenommen hattest, ist vonnöten. Du bist ein riesiger Reakteur auf dasjenige, was dir zu jener Zeit riesig schien, und gleichwohl verblassen die riesigen Erhebungen zum Westen hin. All das Hadern über die Spielzeuge und all deine Rechte – alldies scheint nunmehr weniger aufrührerisch. Und dennoch werden neue kleine Feuer angezündet, und du fährst wieder zu den Rennen los. Im eigentlichen sind da keine Feuer, mit Ausnahme, dass ihr alle angeworfen seid und das Streichholz an das Holz haltet. Sofern ihr nicht derart auflohen würdet, welche Flächenbrände gäbe es denn da für euch, in die ihr euch verwickelt?
Mitunter rennt ihr, um dem Leben zu begegnen. Ihr jagt ihm hinterher. Dann und wann scheint das Leben eine Flut zu sein, die euch antreibt und euch unversehens einholt, und dennoch, wenn alles vorüber ist - das Leben ist viel Aufhebens um nichts. Unvermeidlicherweise ist all der Aufruhr ein Gewitter im Teekessel. Wasserfluten gehen von alleine zurück, und all die Menschen, die dir wie eine Plage oder ein großer Segen waren, sind weitergezogen, und nunmehr fängst du an, das zu erkennen.
Ihr erkennt die Flüchtigkeit des Lebens in der Welt und seht noch nicht die Ewigkeit von euch. Ihr verfehlt die Hauptsache, Geliebte. Das Leben handelt von euch, und nicht von alldem, was rund um euch vonstatten geht. Das Leben handelt nicht von den Nachrichten und vom Wetter. Es geht um euch. Was immer um euch herum vor sich geht, ihr seid ewig. Ihr gehört ins Leben, und nicht in die Verheerungen von ihm. Ihr gehört in Mich, Geliebte, und was mehr gibt es angesichts dessen zu sagen?

