HEAVEN #1726 Liebt stattdessen
LIEBT STATTDESSEN
Die Sache bei dem Ego ist, dass es eine Gepflogenheit ist, der man sich entwöhnen kann. Wie jede andere Gepflogenheit kann man auf sie verzichten. Wir können so weit gehen und das Ego eine Sucht nennen. Es ist wie eine Reaktion auf eine Droge, deren Opfer du wirst, so als hättest du keine andere Wahl, als sie zu nehmen, und keine Wahl dabei, was hinterher geschieht.
Das Ego ist wie eine Wanze. Sie klettert dein Bein hoch. Sie bringt eine Armee mit sich und übernimmt dich.
Die Farbe des Ego ist rot. Wenn du errötest, wenn deine Haut rot anläuft, ist das Ego am Werk. Ob du nun vor Stolz oder in Bescheidenheit errötest, der Farbagent ist das Ego.
Das Ego wird selbst-bedeutsam. Es ist wie ein Diener, der scheinbar kommt, um dir zu helfen, und bevor du es merkst, hat er dein Leben übernommen und dich zum Diener gemacht.
Das Ego möchte dominieren. Es möchte dich gerne mehr als dünnhäutig machen. Es möchte dir deine Haut abziehen und dich ungeschlacht gegenüber der leisesten spitzen Bemerkung oder gar gegenüber einer Liebkosung belassen. Es möchte dich so sensibel machen, dass du gerne die Prinzessin und die Bohne wärst. Für dich gäbe es kein Bett, was bequem genug ist, noch auch gäbe es etwas, was dir jemand sagen oder was jemand über dich sagen könnte, was gut genug wäre. Jemand würde zu viel sagen oder zu wenig, und in beiden Fällen würdest du pikiert reagieren. Nichts wäre einfach recht. Alles wäre leicht daneben, und du würdest schief dreinschauen.
Das Ego würde sagen, du habest überlegen zu sein, anderenfalls wärst du standardmäßig unterlegen.
Das Ego macht den Anschein, als wolle es dich besänftigen, aber in Wirklichkeit möchte es dich entflammen.
Es ist verstohlen. Es gibt vor, dein Freund zu sein, wird sich aber eigentlich weniger um dich kümmern. Es macht sich einen Spaß daraus, dich zu rügen und zu mehr und mehr Beachtung zu drängen, wohlwissend, dass du nie genug davon erhalten wirst.
Das Ego betreibt fortgesetzt einen Schwindel. Es stellt dir jederzeit ein Bein.
Es bringt dich dazu, dass du auf dich aufmerksam gemacht wissen möchtest, und des Öfteren ist die Aufmerksamkeit unwillkommen.
Es ist wie ein arglistiger Rechtsanwalt, der einen Prozess voller löchriger Stellen anstrengt und ihn als narrensicher ausgibt, während du die ganze Zeit der Narr bist.
Das Ego bittet die Welt, um dich herum auf Eierschalen zu gehen. Es flüstert dir zu, dass du gehätschelt, zimperlich behandelt gehörest, und dass man sich vor dir zu bücken habe. Das Ego macht dich zur Hand des Königs, die darauf wartet, geküsst zu werden, alldieweil am Leben mehr ist als die Beachtung, die auf dir zu liegen kommt.
Das Ego stolziert über die Bühne. Es ist ein solcher Showman. Es möchte gerne die Show stehlen, unter vollem Applaus von der Bühne gehen und dich dabei zurücklassen, wie du dich wunderst, was denn geschehen sei.
Ein scheinbarer Freund – das Ego betrügt dich. Es hat dich zu betrügen, es hat dich dich selbst zu überlassen, das muss es, da es allzu viel zu tun hat, um dort zu sein, wo und wann die Chips alle sind. Wieso sollte es überhaupt bleiben mögen? Es hinterlässt dich zerfetzt, während es mit einem Anderen eine neue Partie beginnt.
Das Ego täuscht vor, dein Bodyguard zu sein, es bewahre dich vor einem Angriff auf dein Selbstwertempfinden, aber es arbeitet für die andere Seite und lässt die Beleidigung unentwegt ein.
Das Ego spezialisiert sich in Angriffen. Falls du keine Beleidigung siehst, wird es dich auf sie hinweisen.
Das Ego möchte dich glauben machen, dass sich die Welt um dich drehen solle, dass sie minderwertig sei und nicht die Regeln befolgt habe, die das Ego vor ihr aufgestellt hat; somit müsse der Angreifer auf dein Ego in deinem Geist und Herz arretiert werden; er muss um Entschuldigung bitten, bevor du einem Angreifer die Erlaubnis erteilst, sich davon zu machen.
Das Ego wird dir bald genug Auf Wiedersehen sagen. Es wird davontrotten und dich im Schlingern belassen.
Warum kommst du dem Ego nicht zuvor? Bejahe stattdessen die Liebe.

