HEAVEN #1712 Der Schritt nach dem Ego
DER SCHRITT NACH DEM EGO
Alles ist ein Schritt. Selbst das Ego ist einer. Verbleibt bloß nicht allzu lange bei ihm.
99 Prozent oder mehr am Aufgebrachtsein ist ego-verursacht.
Sofern du dich nicht außer Acht gelassen gefühlt hättest, wärst du nicht so wütend gewesen, und vielleicht wäre eine gewisse Lage gar nicht zustande gekommen. Vielleicht wärst du nicht gefeuert worden, oder du wärst nicht davon gelaufen und hättest nicht gekündigt. Vielleicht hättest du etwas durchschaut. Oder vielleicht wärst du ohnehin gegangen, wärst aber nicht davongestürzt, und du hättest dir beim Abgang Freunde gemacht.
Der Schritt nach dem Ego ist Stille. In Ruhe überreagierst du nicht. In Ruhe siehst du weniger leidenschaftlich. Du bist nicht der Ruhe zuliebe ruhig, sondern der Empfindsamkeit zuliebe.
Was wäre, schlicht, was wäre, falls dich nichts behelligte? Was wäre, falls du für Beunruhigung nicht empfänglich wärst, falls du nicht den emotionalen Oberton hättest, der dir zukommen lässt, etwas sei nicht in Ordnung, dass man dich beleidigt habe oder dich unangemessenerweise belästigt, dass du nicht wichtig seist, und dass du in den Augen von jemandem, koste es was es wolle, bedeutsam werden müssest. Du hast Vieles, Vieles getan, um zu beweisen, dass man mit dir nicht nachlässig umzugehen habe. Indem du das tust, bagatellisierst du dich selbst. Du stößt dich selbst die Treppen runter.
Das Mittel, dich zu erheben, ist dich erheben. Anläufe, deinen Wert zu erweisen, sind nutzlos. Du kannst das nicht einmal dir selbst beweisen, sonst wäre es dir nicht so wichtig. Du würdest dich nicht so sehr nach Ungerechtigkeit umsehen, wenn du dich nicht benachteiligt fühltest. Es ist eine Ungerechtigkeit gegenüber dir selbst, dauernd auf Gerechtigkeit abzuzielen.
Geliebte, ihr werdet die Welt mit äußeren Anläufen nicht ausgleichen. Ihr vermeidet Krankheit mit Hospitälern nicht. Ihr beseitigt Verbrechen nicht mit Gefängnissen. Robin Hood kann von den Reichen rauben, um den Armen zu helfen, aber kein Geldbetrag macht einen Mann reich.
Wir sprechen über Bewusstseinszustände, aber ihr könnt nicht eines Nachweises eures Bewusstseins wegen zur Welt hin schauen. Ein Armer kann großes Bewusstsein haben, und der Prinz nicht. Die Oberfläche des Lebens hat nicht viel bewiesen, falls überhaupt etwas.
Christus wurde gekreuzigt. Sokrates wurde vergiftet. Was für eine Einbuße, sofern du dich ausschließlich nach Maßgabe der Sicht der Welt auf dich abschilderst.
Ihr verzweigt euch in die Welt, und ihr verzweigt euch auch in eure Gedanken und eure Schuldhaftigkeit. Ihr seid wegen nichts schuldig. Unschuld hat nicht bewiesen zu werden, obschon ihr bemüht wart, sie euch gegenüber zu beweisen.
Die Billigung der Welt ist schön. Jeder möchte gerne, dass er seinen Nachbarn lächeln und ohne Stirnfalten sieht, aber die Verfassung Jener um euch herum hat mit euch nichts zu tun. Ihr habt mit euch zu tun. Eure Gedanken, und das, was sie euren Gefühlen auferlegen, haben mit euch zu tun.
Ja, niemand möge euch auf die Zehen treten. Aber, Geliebte, vielleicht könnt ihr agiler werden. Weil jemand ein Dummkopf ist, ist kein Grund, dass ihr es seid. Ihr könnt unter allen Gegebenheiten eine Lady oder ein Gentleman sein. Das wird euch weit sehen lassen. Das wird weitaus näher an eurer wahren Natur sein als die anderen Dinge, die ihr versucht.
Es ist eine harte Aufgabe, das Leben zu novellieren. Eine Herkulesaufgabe. Es ist viel einfacher, euch selbst zu novellieren.
Ändert eure Gedanken ab. Bessert eure Reaktionen nach. Besorgt euch bessere Brillen. Falls die Brillen anderer Menschen herunter rutschen, ist es nicht euch angelegen, sie auf deren Nase zu schieben. Wie unübersehbar dieses Gewahrsein ist, und wie sehr übersehen.
Der Fleck, den ihr in jemandes Auge seht, ist euer eigener. Und falls er nicht eurer ist, ist es euer eigener, um mit ihm umzugehen. Ihr mögt freigiebig sein, wenn aber jemand knauserig ist und euch regt das auf, habt ihr mit eurer Aufregung über dessen Knauserigkeit umzugehen. Ihr seid der nächste Schritt, Geliebte. Ihr seid das Göttliche, und ihr seid das Menschliche. Ihr seid der Held, und ihr seid der Übeltäter. Wählt. Wählt, um Situationen zu bewahren, werdet ihr das tun?

