HEAVEN #1709 Gehe eine Stufe höher
GEHE EINE STUFE HÖHER
Wenn du dich in einer Lage befindest, wo du mit deinem Latein am Ende bist, gilt es, dass du tiefer nach der Liebe in deinem Herzen zu graben hast. Wenn du kein Quentchen Liebe überhast, schließe deine Augen eine Minute, und du wirst einen Samen der Liebe finden, wie er hervorsprießt. Die Sache ist: Du kannst ihn finden. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ihn niemand für dich findet. Sie sind zu beschäftigt, als dass sie ihren eigenen auffinden.
Du wirst Liebe wohl nicht in Umständen ausfindig machen, indes ist Liebe dein Ruf. Einerlei, was sich jemand aussucht, es ist an dir, die Liebe auszuwählen. Selbst wenn du der Einzige bist, Liebe ist die Wahl, die du zu treffen hast. Sie ist die einzige Wahl, die zu treffen ist. Sie ist deine Wahl, sie zu treffen, da du das Gewahrsein hast, es zu tun. Das Leben wird dir zahlreiche Veranlassungen darbieten, tief in den Taschen der Liebe zu buddeln.
Sofern du eine Welt möchtest, in der Liebe das ihr Gebührende zukommt, musst du sie geben. Nicht mehr diese irrige Auffassung von Zahn um Zahn, Auge um Auge. Daran ist ein netter Rhythmus, aber es ist eine endlose Partie, und Partien müssen zu einem Ende gelangen, und du, Geliebte, Geliebter, du bist das eine Ende davon. Du bist jetzt ein Anführer.
Du bist nicht mehr länger ein Hockeyschläger, der den Puck hin und her schlägt.
Du bist nicht mehr länger der oder die, die beschimpft, verletzt, beschwert, in Bestürzung versetzt wird. Oder, falls du das bist, du schreitest aus diesem Modus heraus. Du gehst eine Stufe höher, und du bist eingedenk, dass das Leben mehr ist, als wer was sagte, als wer was tat, und dass sie ebendas eigentlich nicht tun können.
Ganz offensichtlich können sie das tun. Sie haben es getan. Das ist deren Geschichte, nicht die deine. Du hast eine andere Geschichte zu erzählen. Du beginnst ein neues Kapitel. Du beginnst eben jetzt. Du siehst nicht mehr länger darauf, bei Streitigkeiten der Gewinner zu sein. Noch auch bist du ein Besänftiger. Du bist der, der aus dem Boxring aussteigt. Du kloppst dich nicht mehr. Nun übst du Liebe aus.
Falls es dir indes zu schwer ist, zu einem gegebenen Augenblick Liebe zu finden, dann lasse zum Wenigsten scharfe Erwiderungen beiseite. Beende zum Wenigsten heftige Kritiken. Lasse sie ebenfalls in deinem Geist los. Das Leben hat mehr als 'Wie du mir, so ich dir' zu sein. Du bist mehr als jemand, der die eine Antwort gegen eine andere einhandelt.
Du kannst in deinem Geist sagen: „Genug davon. Ich hatte genug Zank. Wenn jemand zanken möchte, lasse ihn, bei mir ist das zuende. Lasse sie weiter und weiter machen mit ihrem Unsinn, ich bin aber nicht mehr von der Partie. Lasse sie das letzte Wort haben. Lasse sie diese kurze Befriedigung haben. Dieser Augenblick des Siegs ist mir nicht mehr was Angenehmes.
Ich sehne mich nach dem Sieg über mich. Ich sehne mich, mit Disputen durch zu sein, gleich, wie rechtschaffen sie sind. Ich bin nun mit Selbstgerechtigkeit fertig. Ich schere mich nicht, was richtig ist. Ich kümmere mich, dass ich aus dem Nonsense heraus bin, und ich möchte nie mehr dorthin zurückkehren.
Meine Dispute mögen kleiner sein, schlicht kleine Zuwiderhandlungen meines Ego, jetzt weiß ich aber, dass sie sich, sobald ich mich in meiner Dürftigkeit befinde, vervielfältigen. Was sind große Kriege anderes als eine Vergrößerung meiner Kleinheit? Andere Herzen haben meinen Schlachtruf übernommen und ihn zu dem ihren gemacht. Sie tragen Uniformen und Waffen, die ich nicht habe, aber sie haben meine Rolle übernommen. Das Feld wird um Vieles größer sein, die Schlacht aber ist die gleiche. Das Ego bekriegt sich mit dem Ego.
Ich habe mein Ego beiseite gelegt. Ich möchte es nicht, und ich werde demjenigen eines Anderen keine Nahrung reichen. Ich habe andere Felder zu pflügen. Das bedeutet nicht, ich befinde mich an den Seitenlinien des Lebens. Das bedeutet, ich bin an der Frontseite der Liebe. Selbst wenn ich bloß ein wenig Liebe zusammenzubringen vermag, ebendiese möchte ich geben. Möge meine Fraktion der Liebe eine ganze Armee der Liebe um sich scharen und mithin Kriege bezwingen, bevor sie beginnen.
Das ist mein Gebet, oh, Herr, und ich weiß, es ist auch das Deine.“

