HEAVEN # 1085 Ein schöner Ozean
EIN SCHÖNER OZEAN
'Sei nicht versessen' ist ganz nett zu sagen. Mit Sicherheit ist es ein guter Rat. Aber es verfehlt die Sache. Versessensein tritt bloß aus einem Empfinden des Mangels heraus in Erscheinung.
Sobald das Empfinden des Mangels durch Gewahrsein der Fülle ersetzt wird, wird Versessensein durch Freigiebigkeit ersetzt. Brauchen und geben sind bloß zwei Seiten der gleichen Medaille. Du wirst es etwa nötig haben, im Gewahrsein des Reichtums, der dein ist, unterwiesen zu werden.
Wer würde zupacken, sobald er sieht, dass es genug gibt, um damit auszukommen? Sobald er Fülle sieht, die überquillt, was würde ihm seinem Empfinden nach versagt bleiben? Was würde er wohl zu sich heranziehen mögen, und nicht zu einem Anderen?
Selbst ein Schokoriegel, den du für dich selbst behältst, lässt Freude vermissen, denn für dich selbst behalten entzieht dir etwas. Brich den Schokoriegel entzwei, und du setzt etwas Wundervolles in Gang. Entziehe einem Anderen nicht das, was du hast, und du wirst voll sein, und das Leben wird angenehm sein.
Horten ist Versessensein. Es ist ein Verkünden von Armut, die einen bedrängt. Du bist gar darauf versessen, was bereits ganz deutlich dein ist.
Wenn du allerdings versessen sein musst, dann sei auf Mich versessen. In dem Augenblick, wann du Mich ergreifst, wirst du Mich fortgeben. Anders geht es nicht. In der Minute, in der du bemerkst, wie Ich in deinem Herzen erscheine, kannst du Mich bloß in die Herzen Anderer hinein pumpen. Es ist unmöglich, dass Ich gehortet werde.
Wenn du in einem schönen Ozean schwimmst, bist du nicht auf ihn versessen. Du sagst: 'Komme her. Das Wasser ist herrlich.'
Niemand möchte den Ozean für sich selbst behalten.
Niemand möchte die Freude für sich selbst behalten. Für sich selbst behalten, so ist Freude halbe Freude. Für sich selbst behalten, das ist Freude auf verzerrte Weise.
Bringe Bestreben nicht mit Versessensein durcheinander. Wenn du dir nicht sicher bist, was was ist, dann sei bestrebt, miteinander zu teilen.
Das Empfinden der Stärke bringt Friede. Das Empfinden der Schwäche bringt Aufstand. Sei sodann auf die Stärke versessen.
Falls du nach wie vor versessen bist darauf, was dein Nachbar zu besitzen scheint, dann stelle dich dir selbst als einen König vor, der eben genau das deinem Nachbarn verleiht. Mache dir ein Bild über dich selbst, wie du deinem Nachbarn sein schönes Land, seine schöne Frau und seine schönen Söhne und Töchter, seine schönen Freunde und seine schönen Talente überreichst. Übergib sie deinem Nachbarn und segne sie. Und, ja wirklich, du wirst dich reich fühlen. Du wirst spüren, wie dein Herz zu seiner natürlichen Größe heranwächst.
Falls dein Nachbar mehr hat als du, segne ihn dafür, dass er zehnmal mehr hat als du.
Falls dein Kind seinen gebrechlichen Körper verlassen hat, so segne ein jedes Kind, es möge Gesundheit und ein langes Leben haben. Ein derartiges Geschenk von dir behält umfassende Macht bei.
Falls eine deiner Gliedmaßen abgenommen wird, segne einen jeden Menschen für seine vier Gliedmaßen.
Falls dein Herz schmerzt, segne ein jedes Herz für sein Glück.
Falls es dir nicht behaglich ist, segne einen jeden, dass es ihm behaglich ist.
Falls du kriegsgeschunden bist, segne einen jeden für den Frieden.
Wenn deine Haut gesprenkelt ist, segne jeden für seine reine Haut.
Wenn du hungrig bist, segne jeden, der Essen im Überfluss hat.
Wenn du Durst hast, segne jeden, der fließendes Wasser hat.
Wenn du dich unglücklich fühlst, segne jeden des Glücklichseins halber.
Wenn du dich unwissend fühlst, segne jeden des Wissens halber.
Wenn du dich unbeholfen fühlst, so segne jeden seines sicheren Auftretens halber.
Wenn dein Geldbeutel leer ist, so segne den Geldbeutel eines jeden des Überquellens halber.
Und wenn deine Tafel voll ist, lade einen Gast hinzu.
Wenn deine Tafel leer ist, male dir ein Bild aus, wie du dem Hungrigen Essen austeilst.
Was immer du hast, teile es.
Was immer du nicht hast, gib es in deinem Herzen scheffelweise.
Das ist die einzige Art zu leben. Geben ist die einzige Art zu leben. Du bist fürs Geben da.
Vergib einem jeden, der mehr hat als du, und vergib jenen, die weniger haben.
Vergib dir selbst dafür, mehr zu haben als ein Anderer, und vergib dir selbst dafür, weniger zu haben.
Nichts ist dein, und alles ist dein.
Gib alles weg. Enteigne bei dir den Zugriff, den das Materielle auf dich hat. Beherberge jenes, aber umklammere es nicht. Setze dich vom Fehlenden als solchem frei.

