EINE STERNENKONSTELLATION
Gott redete:
Einssein zieht Uns, dich und Mich, zusammen. Wir sind Magneten. Unumgänglich ist es, dass Wir Uns in deinem Gewahrsein vereinen. Es ist klar, dass Ich Mir bereits Unseres verschmolzenen Einsseins gewahr bin. Du wirst es noch nicht so ganz sein. Du wirst Lippenbekenntnisse ablegen, und zumal stockst du, bevor das vermeintliche du dich Mir voll und ganz überreicht. Du bist zögerlich. Was wäre, falls du denn dabei etwas einbüßen solltest? Ja, dir wird etwas abgehen. Du wirst nie-endende Angst und Einsamkeit hinter dir lassen. Du wirst eingebildeter Vergangenheit verlustig gehen. Du wirst gestrige Identität einbüßen und Anspruch auf eine Größere Identität erheben.
Du hast zur selben Zeit zwei Welten am Statthaben. Bisweilen drei. Die Welt, den Himmel, und die Beobachtung deiner selbst. Du springst von Stein zu Stein. Der Entferntheit bist du kein Fremder. Bei Nähe bist du womöglich am Zaudern. Was ist näher als Einssein?
Es wird so sein, du hast Mich gerne in einer gewissen Entfernung auf einem Regal. Du wirst Mich gerne dort haben, wo du Mich beobachten kannst. Es ist nicht so, dass du dich Mir entgegenstellst. Es ist einfach so, dass du wachsam auf Mich bist.
Nichts ist zum Sich-Darum-Bitten-Lassen, Geliebte. Zugegen ist diese Augenblicklichkeit der Ewigkeit und Endlosigkeit und alldas. Es gibt keine Vergangenheit. Es gibt keine Zukunft. Das sind bloß Gedanken. Wir sind in diesem Augenblick eingekapselt, den man als Jetzt bezeichnet, der indes Ewigkeit, angefachte Ewigkeit ist. Es ist unmöglich, einen Augenblick festzuhalten und ihn zum Bleiben zu veranlassen. Ja, ihr springt von einem Stein zum andern, bloß um euch klarzuwerden, dass ihr auf dem Wasser geht.
Seid ihr enttäuscht, dass ihr ein Seinswesen von den Sternen, von der Sonne und vom Mond seid? Seid ihr enttäuscht, am Seien zu sein, und dass ihr an der Form - an einer Form, in der ihr euch so eben einmal befindet - festhaltet?
Gibt es etwas anderes, was ihr lieber sein möchtet denn die Essenz von Liebe? Möchtet ihr lieber ein Stern im Himmel, oder einer in Hollywood sein? Natürlich könnt ihr beides haben, welcher hat indes das Übergewicht?
Ihr seid so viel mehr, als ihr euch Glauben schenkt. Ihr lungert an der Bar in eurer Nachbarschaft herum, unterdessen ihr im Himmel tanzt. Ihr besitzt Nippes auf einem Regal und bezeichnet ihn als Schätze. Ihr seid der Schatz. In Wahrheit seid ihr weitsichtig und allwissend. Diese Kurzsichtigkeit ist ein Als Ob. Sie ist ein Aufgesetztes. Es ist ein Spiel, was ihr spielt. Ihr führt euch selber an der Nase herum, indem ihr Begrenzungen für wahr haltet, welche nicht mehr existent sind denn das Bild, was ihr von euch selber habt.
Ihr befindet euch auf einer weitaus umfassenderen Leinwand, als ihr glaubt. Ihr seid Geist, und dennoch bindet ihr euch an die Erde, so, als wäre sie die Erstreckung von euch. Es ist, wie wenn ihr zaudert, von der Sicherheit des Vertrauten, welche auf Angst gründet, abzugehen. Das eingeschränkte du kann zu jedem Zeitpunkt umgedreht werden. Das Unbegrenzte Du – niemals.
Es ist auf der Erde schön. Es ist schön, Blumen zu pflücken und sie in eine Vase zu stellen. Mache das weiter so. Es ist ebenfalls schön, Sterne zu pflücken und sie an deinem Herzen anzubringen, und herauszufinden, dass du stets ein Stern am Himmel, dass du immerfort das Licht warst, was leuchtet, was auf dich selber strahlt und auf jeden vermeintlichen Anderen scheint, der in der einen oder anderen Verkleidung du ist.
Wer bist du? Wo bist du? Du bist Ich, dabei, dich selber zu bestaunen. Du spielst Ringel-Ringel-Reihe, einen Beutel voller Sträußchen. Das ist gut so. Weshalb denn nicht?
Und dennoch bist du die Sterne, bist du eine Anordnung von Sternen, die Ich für dich entzündet habe, sodass du dich selber über den Horizont hinaus zu sehen vermagst. Irgendwo über dem Regenbogen bist du. Irgendwo bist du bei Mir. Das individuelle Du ist eine Fantasie, eine allgemein hingenommene Fantasie, gleichwohl nichtsdestotrotz Fantasie. Die Wahrheit liegt irgendwo sonst, selbst alldieweil es kein Wo gibt.