EINE SACHE DER MEINUNG
Wenn Ich euch anrate, dass ihr Vertrauen in euch selbst habt, ist es nicht Mein Ansinnen, euch die Meinung anzuraten, ihr hättet immer recht. Es existiert nach wie vor ein Unterschied zwischen Meinung und Tatsache. Eine Meinung, einerlei wie stark sie ist, ist immer noch eine Meinung. Selbst wenn sich Viele mit dir in Einvernehmen befinden, bedeutet das bloß, dass es Viele gibt, die so wie du empfinden. Bestätigung ist schier Bestätigung. Sie ist nicht Tatsache. Vervielfältigte Meinung ist gleichwohl Meinung. Meinung ist nicht Gewissheit.
Sobald du deine Meinung zur Tatsache erklärst, schneidest du die Kommunikation ab. Die Kommunikation wird beendet, weil du sie mit deinem Nachdruck abgeschnitten hast. Du hältst die Tür geschlossen. Deine Abgabe von absoluten Statements lässt keinen Raum für Diskussion, nur für Auseinandersetzung, und wer möchte sich gerne mit dir auseinandersetzen? Der Andere wird es höchstwahrscheinlich vorziehen, sich zurückzuziehen und dich alles so denken lassen, was du willst.
Welche Befriedigung liegt im Rechthaben? Und wieso auf Erden meinst du, du habest recht? Und sogar, wenn du recht hast, was ist um so Etliches prächtiger daran, recht zu haben, als es entsetzlich ist, nicht recht zu haben. Gibt es Falsches? Der eine denkt so, und du anders. Das ist dir nicht neu. Wieso bist du immer überrascht, wenn jemand mit dir nicht einer Meinung ist?
Genauso wenig sollst zu einem Verhehler werden. Nein, du sollst nicht Wischi-waschi und nicht beschwichtigend werden. Aber du kannst ein Zuhörer werden. Du kannst neutraler sein, nicht ausweichend. Direktsein ist gut, doch kannst du etliche „So scheint es mir“ einstreuen, um dich deiner Fehlbarkeit zu erinnern und um dem Gegenüber Wohlbefinden zu überreichen.
Und zögere nie, einem Anderen zu sagen: „Du könntest recht haben.“ Übe dich darin zu sagen: „Du könntest recht haben.“ Sieh, wie sich das auf deinen Lippen anfühlt.
Das ist so etwas Liebenswertes, was du einer anderen Menschen-Seele, die, nicht anders als du, nach der Wahrheit strebt, sagen kannst. Lehne dich mit der Liebe in deinem Herzen zu der Wahrheit
hin, was Anderen den Raum gibt, ihren Herzen gleichfalls freien Raum zu überlassen.
Schneide, mit aller Macht, nicht das Herz eines anderen Menschenseinswesen ab. Du würdest das nicht tun, sofern du daran dächtest. Indes sind Herzen auf der Erde rechts und links durch Gedankenlosigkeit abgeschnitten worden.
Was ist es, was Meine Menschenkinder denken, es stehe auf dem Spiel, wenn jemand anders ist als sie? Gibt es irgendeinen Grund, wieso jemand so zu sehen hat wie du? Wie ist dir dies auf kurze oder lange Sicht von Vorteil? Geht es um die Selbstbefriedigung deines Egos, dass du derart nach Zustimmung lechzt?
Habe heute die Vorstellung, dass jemand, wenn er nicht mit dir einer Meinung ist, dich ehrt. Hast du nicht etwa gemeint, er würde dich verunglimpfen?
Du, der du so sehr an das Konzept der Freiheit glaubst, musst ihr tatsächlich den Weg freigeben.
Sieh verschiedene Auffassungen wie einen Diamanten, und wende den glänzenden Diamanten von einer Facette zur nächsten. Unbesehen aus welchem Winkel man auf ihn blickt, er ist immer noch ein Diamant. Zwei oder mehr Herzen ergeben nach wie vor einen Diamanten.
Erwäge, dass jede Meinung wie ein Stock ist, der die Welt aufrechterhält. Sofern du das erkennen würdest, würdest du keinen Stock wegnehmen mögen.
Nimm in Betracht, dass jede Meinung eine einzelne Stufe einer Freitreppe ist, und eine jede führt höher.
Sieh Meinungen wie Akrobaten, die hoch, einer über dem anderen, stehen.
Sieh Meinungen wie einen Kartenstapel. Es geht nicht so sehr darum, in welcher Ordnung die Karten ausgebreitet werden. Am Ende werden sie alle gemischt.
Lasse Meinungen fallen, wie sie es mögen. Sie sind zuguterletzt bloß Meinungen.