MOKASSINS, KEINE STIEFEL
Du schaffst dir Scherereien, sofern du überzeugt bist, etwas habe derjenige Weg zu sein, der deines Erachtens der Fall sein sollte. Sobald du denkst, etwas sei nicht so, wie du meinst, dass es sein sollte, machst du ein Hindernis daraus. In die Hindernisse legst du Widerstand. Und demnach baut sich in dir ein Widerstand auf, und eben dieser Widerstand wird zu deinem Hindernis.
Sogar dann, wenn du am Telefon eine Nummer wählst und die Leitung besetzt ist, bist du unleidig. Was ist Verärgerung anderes als sich dem widersetzen, was du aufgerichtet hast? Du empfindest nicht nur, dass etwas so sein müsse, wie du es denkst und möchtest, du fühlst auch, dass es so sein müsse, wie du es deines Erachtens eben in dieser Minute haben möchtest, und dementsprechend wirst du ungeduldig. Dann hast du etwas zu etwas Vordringlichen gemacht, einerlei, um welchen Wert es dabei geht.
Und so spannst du dich an, und so hast du die Zeit zum Wesentlichen erhoben.
Was wäre, falls du, sobald du einen Anruf machst und es besetzt ist, so reagieren würdest: „Gut, die Leitung ist besetzt. Wir werden später miteinander telefonieren.“ Was hast du verloren, mit Ausnahme der Ungeduld, und was hast du gewonnen, mit Ausnahme von Friede?
Du denkst, die Musikbox sollte ein bestimmtes Lied spielen, aber sie spielt ein anderes. Was du geordert hast, wurde nicht rechtzeitig gespielt, und du saßt ein weiteres Mal auf. Siehst du, wie du dich selbst vereitelst?
Sei heute über die Beeinträchtigungen entzückt, die herankommen. Mische dich bei ihnen nicht ein. Lasse sie sein. Mache sie zu etwas Freudigem. Wenn du den einen Bus nicht schaffst, wirst du den nächsten erreichen. Mache derweilen das Warten zu etwas Wertvollem. Verbringe es mit etwas Anderem als mit dem Betrauern des verpassten Busses.
Die kleinen Dinge haben dir kein Bein zu stellen.
Was wäre, wenn du wirklich genau im Plan lägest? Was wäre, wenn die Fristen, die du im Sinn hast, inkorrekt sind? Was wäre, wenn deine Zeiteinteilung sich fortscherte?
Stimme dich mit dem Universum ein. Die Bäume betrauern nichts. Gar auch dann, wenn die Kälte ihre Knospen zwickt, sind sie schön. Ein Spätfrost erschüttert ihr Lachen nicht. Wieso erschüttert er das deine?
Wirf ein oder zwei Tage lang deine Uhren weg. Sage dir die Zeit nach der Sonne an. Oder wirf die Zeit in die Winde, und setze dich ein Weilchen zu Mir.
Es gibt keine Hast. Eile ist bewerkstelligt. Sie ist ein menschen-geschaffener Artikel. Sie ist billig. Sie ist verschwenderisch. Eile lässt dich verspäten. Lasse Zeit dein Leben nicht beherrschen. Sie ist ein untergeordneter Despot.
Eilen ist eine Abfahrt aus deinem Leben. Es ist in den falschen Zug einsteigen. Er fährt schnell, aber er bringt dich nicht dorthin, wohin du möchtest. Er bringt dich schlicht schnell an den falschen Ort. Er macht dich mürrisch.
Schlage im Leben Rad, treibe keine verrückte Hetze.
Schlage Purzelbäume.
Rolle dich Hügel hinauf.
Lege dich auf den Rücken und zähle des Tages die Wolken und des Nachts die Sterne.
Du brauchst dich nicht zu beeilen, um dem Leben zu begegnen.
Lasse das Leben dir begegnen.
Lies das Leben nicht auf und trage es nicht auf jedwedem Weg mit dir herum.
Lasse das gute Geschick dich auflesen und dich hoch hinaus tragen.
Lasse es dich über den Türsturz tragen. Lasse das, was das Leben für dich bestellt hat, eine Überraschung sein. Du hast nicht im Vraus eine Landkarte auszulegen. Du hast nicht einer feinen Linie zu folgen. Gehe auf einem breiten Streifen.
Riskiere dich heute in das Leben, und mache es zu dem, was du willst, indem du dich im Warten auf das Leben nicht einkelterst. Beginne loszugehen und finde all das auf, was dir hätte entgehen können, sofern du geeilt wärst oder Gräben ausgehoben hättest.
Lege zum Leben ab. Trete leicht auf. Sei leichten Fußes. Trage Mokassins, keine Stiefel. Mache das Leben zu dem deinigen, indem du es frei lässt. Sei nicht knauserig mit dem Leben. Lasse es los. Gehe aus dir heraus. Sei in deinem Leben präsent. Eile nicht vor ihm her.