DER WERT DER ZUVORKOMMENHEIT
Ich bin ein Gott der Huld. Kannst du weniger sein? Sofern Ich, Der Ich alle Macht habe, freundlich bin, kannst du dann nicht auch freundlich sein? Es ist etwas Kleines, freundlich zu sein. Das bestätigt ganz schlicht die Menschlichkeit des Menschseins.
Sei zunächst einmal freundlich zu dir selbst, und fortan wird es einfacher sein, gegenüber einem Anderen freundlich zu sein. Vielleicht ist „Freundlichkeit“ einfach ein anderes Wort für „Verstehen“. Auch dann, wenn du nicht wirklich verstehst, kannst du immer noch verstehend sein. Du kannst wissen, dass es da etwas gibt, verstanden zu werden, was du noch nicht verstanden hast.
Freundlichkeit ist wie das Abwischen der Brauen bei jemandem, der hingefallen ist.
Sobald ein Kind sein Knie geschrappt hat, bietest du Freundlichkeit auf. Du weißt, es hat sein Knie nicht absichtlich geschrammt. Es war ein Unfall, dass es ausgerutscht ist. Im Hinblick auf jedweden Unfall vermagst du freundlich zu sein.
Sobald jemand planlos wie unter Ärger handelt, wurde er geblendet. Und sobald du ihm mit Minderem als mit Zuvorkommenheit entgegnest, bist auch du blind gewesen. Die Blinden schlagen aus, weil sie nicht sehen können.
Lasse niemanden, der gefallen ist, dich zu ihm hinunter ziehen. Hebe ihn zu deiner Ebene hoch. Gib ihm die Hand zum Hochziehen.
Ist Freundlichkeit Großherzigkeit? Vielleicht gibt es da ein Element davon. Indes, du bist nicht freigiebig, unterdessen du deinen eigenen Kindern gibst, oder etwa nicht? Du bist nicht freigiebig, indem du sie ernährst, sie einkleidest und ihnen Liebe darbietest. Das Wort „freigiebig“, „generös“ hat mit Genen zu tun. Sobald du erkennst, dass ein Anderer gleichfalls du ist, oder ein Teil von dir oder dir zur Fürsorge übergeben ist, kannst du leichter generös und freundlich sein.
Deine Fürsorge stellt deine Rückantwort dar. Du hast deine Wahlmöglichkeiten. Du hast nicht Maß um Maß zu geben. Diese Idee hält dich auf einer Wippe.
Bemühe dich um die Kunst der Freundlichkeit. Gib heute, sofern jemand unfreundlich, rüde oder lieblos zu dir ist, demjenigen eine Extra-Freundlichkeit. Er oder sie mag sie mehr benötigen als du.
Du, der du so viel hast, kannst demjenigen geben, der meint, er habe wenig. Er mag denken, er habe wenig Zeit oder Geduld oder Selbstwertempfinden. Du brauchst dich nicht in sein Bild über sich selbst oder in seine Skizze von dir einzukaufen.
Siehst du den Wert von freundlicher Zuvorkommenheit? Sie verleumdet dich nicht, sodass du dich über die Wahrnehmung oder Gestimmtheit eines Anderen erhebst. Sie ist empfindsam. Sie ist weise. Sofern du nicht andersartig reagierst, schlägst du lediglich einen Ball hin und zurück. Für mehr als für Ping-pong bist du nicht vorgesehen.
Sei zu Meinen anderen Kindern, die vielleicht nicht genauso gut sehen wie du, großherzig und freundlich. Es sei denn, du hast ihre Herzen emporgehoben, was hast du erzielt? Lasse die Auffassung los, dass dir ein Anderer etwas schuldet. Du schuldest es dir selbst, freundlich zu sein. Ausgenommen, du gibst einem Anderen Freundlichkeit, schuldest du dir selbst eine Entschuldigung dafür, weniger gegeben zu haben, als es dir zu geben ansteht.
Du brauchst nicht stets unverzüglich zu erwidern. Du kannst eine Pause machen. Du kannst einen Augenblick leeren Raums haben. Du hast nicht zu reagieren. Du kannst in neuer Weise darauf eingehen.
Was wäre, wenn du das bist, was Ich sage, dass du es seist? Wie würdest du dann auf den Aufruhr bei einem Anderen eingehen?
Der Zweck deines Freundlichseins besteht nicht darin, dich selbst größer zu machen. Er lautet, einem Anderen dabei zu helfen, sich nicht so klein zu fühlen.
Kleinheit entstammt einer Art Kontraktion. Sie kann das nur sein. Größe stammt von Offenheit, und du bist dem Herzen des Menschen offen, und du hast eine Chance, das Herz eines Anderen anzuheben.
Sei ein Anheber von Herzen. Sei ein Engel, der seine Flügel über alle und nicht bloß über etliche ausbreitet. Sei jemandem ein Engel, der es nötig hat, dass ein Engel in Erscheinung tritt.
Ge-segen-et sei, der einen Anderen segnet.