Gott redete …
Wieso, Geliebte, setzt ihr euch derart erbittert dem Wandel zur Wehr? Was kann es sein, was euch dazu bringt, euch halsstarrig dem Wandel zu widersetzen? Kann es eure Anhaftung sein? Ja, Anhaftung an die Vergangenheit und ebenso Anhaftung an die Illusion, dass ihr all die Antworten innehabt, oder dass ihr, falls sie euch nicht auf den Fingerspitzen liegen, bloß Zeit braucht, um euch nicht regen zu müssen, während ihr euch die Antworten ausdenkt.
Ihr vergesst oft, ihr Lieben, dass das Leben gelebt gehört, und nicht, dass es gilt, sich einen Reim aus ihm zu machen. Das Leben hat zahlreiche Richtungen, um in sie zu gehen, nicht bloß eine.
Ihr vergesst, dass es an euch ist, nicht festzuhalten. Ihr denkt, festhalten sei sicher. Festhalten ist riskant. Sofern ihr aufhören könntet, euch dem Wandel zu widersetzen, wie glücklich wäret ihr fortan.
Es existiert eine Neigung, sich gegen das zur Wehr zu setzen, was nicht eure eigene Idee ist.
Ihr habt es lieber, dass euch das Leben keine Überraschung ist – außer es ist eine Überraschung, die ihr bereits mögt. Ihr möchtet das Leben ausgearbeiteterweise haben, und manchmal möchtet ihr, dass eure Karte nur soundso weit und nicht weiter geht. Recht oft seid ihr Lot’s Weib, habt euch in eine Salzsäule verwandelt und saht es für eine wundervolle Sache an, das zu tun. Ändert euren Sinn was das angeht, Geliebte. Seid das fließende Wasser. Wenn ihr formbar seid, werdet ihr weiter kommen. Geliebte, ob ihr es nun mögt oder nicht, ihr könnt nicht gleichbleiben. Eine knospende Rose kann nicht für immer eine knospende Rose bleiben.
Eure Exkursion auf die Erde ist kurz, dennoch möchtet ihr euch gerne in mehr als einem einzigen Hotel aufhalten.
Weil etwas immer war, bedeutet nicht, dass es immer zu sein hat. Haltet euch davor zurück, auch nur einmal wieder zu sagen: „So bin ich eben.“ Wenn ihr irgendetwas sein könnt was ihr sein möchtet, wieso solltet ihr dann stolz sein, der gleiche zu bleiben? Der gleiche bleiben ist feststecken, Geliebte. Ihr könnt über euch selber hinausgehen, schlicht indem ihr offen seid, euch zu wandeln. Ihr habt euch nicht in jeder Minute zu wandeln, gleichwohl, in jeder Minute könnt ihr offen sein für Wandel.
Seid offen, euch zu ändern. Betrachtet Wandel als einen Gast, der kommen mag. Es hat nicht alles vollkommen in Ordnung zu sein, bevor ihr euren Gast willkommen heißt. Gäste können jeden Augenblick eintreffen, oder so dass man sie gar nicht kommen merkt. Heißt sie trotzdem willkommen. Wandel ist ein schöner machtvoller Faktor in eurem Leben. Er ist nicht euer Gegner. Wandel ist nicht ein Räuber. Wandel ist wie die Hefe im Brotteig. Sie macht, dass er aufgeht. Geliebte, ihr seid noch nicht fertiggebacken. Ihr habt es immer noch mit einigem Aufgehen zu tun.
Seid nicht steinhart, wie das Leben sein sollte oder wie euer Leben sein sollte. Euch ist es nicht zugedacht, aus Stahl zu sein. Euch ist es zugedacht, biegbar zu sein. Biegt euch, Geliebte, biegt euch. Einerlei was, ihr werdet zurückfedern.
Wenn es zu Wandel kommt, ist es so, wie wenn ihr um eine Ecke geht. Ihr könnt im Grunde genommen nicht sehen, was um die Ecke ist, so lange, bis ihr um die Ecke herum gegangen seid. Ebenso wenig könnt ihr vorhersagen, was das Leben für euch bereithält, ihr könnt ebenso nicht wissen, dass etwas anderes hinter der Ecke ist oder dass jenes nicht besser für euch ist. Geliebte, ihr wisst nicht, was hinter der nächsten Ecke nach dieser einen ist. Ihr könnt nicht wissen, was am Ende eurer Allee ist, bevor ihr nicht dort angelangt seid. So lange wie ihr am Leben seid, ist es für euer Leben allzu früh, um mit der Vergangenheit vertäut zu sein, ja selbst mit dem Vergangenen von einem Augenblick zuvor.
Du bist wie Kolumbus, der sich nach Indien aufmachte, und der es damit zu tun hatte, ein Land zu entdecken, was zuvor noch nicht in den Karten gestanden hat. Was wäre, wenn Kolumbus seinen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt und gesagt hätte: „Hierhin wollte ich nicht! Ich wollte nach Indien!“ Kolumbus wusste, er war, wo er war, und begehrte nicht dagegen, was bereits vor ihm zugegen war, auf. Es war ihm klar, vom Schiff herunterzukommen und sich ans Land zu wagen.
Und dementsprechend tut ihr das.