DAS SICH WANDELNDE GELÄNDE
Gott redete …
Sobald dir das Leben zu viel zu werden scheint, rufe dir ins Gedächtnis, dass du ein Seinswesen, dass du eine Seele bist, und dass all das, worauf es dir so sehr ankommt, derweilen du in einen Körper hinein aufgeplatzt bist, ein Strohfeuer ist. Sobald alles gesagt und getan ist, was spielt dann da eine Rolle? Was auch derzeit auf dich drücken mag, einerlei wie lebenswichtig es dir momentan zu sein scheint, es ist im Grunde genommen schier nichts. Du wirst es binnen kurzem vergessen haben.
Du hattest eine Idee, du habest eine Schwierigkeit. Das ist alles, was es sein kann, eine Idee, die gleichsam wie ein vereinzelter Zweig den Fluss hinunter strömt, bloß, zu dem Zeitpunkt, da bist du dir sicher, es sei eine grässliche Lage, die du befürchtest nicht überleben zu können. Und dementsprechend siehst du das Leben als gewagt und dich selber als voller Mühen und Beschwerlichkeiten. Du bist dir ganz gewiss, dem Leben auf der Erde sei nichts anderes angelegen, als ein Strauß Rosen zu sein, und nichts als Rosen dein ganzes Leben lang.
Vielleicht ist es dein Empfinden, das Leben sei bestimmt, Nikolaus zu sein, allerdings ein Nikolaus, der dir hin und wieder Zwiebeln und schwarze Kohle mitbringt. Oh, falls alsbald Zwiebeln knapp sind, könnte man sie fürderhin mehr zu schätzen wissen. Und mitten in der Kohle kommt womöglich ein Diamant zu liegen.
Das Leben sitzt nicht still. Es streift dauernd im Land umher oder eine Kluft hinauf oder hinunter. Das Leben ist ein Stück Kuchen, sobald du dich mit ihm kugelst und nicht gegen es aufbegehrst. Im Leben, Geliebte, sind die Karten nicht wider dich aufgestellt, du kannst freilich bei deinem Leben, dass es drauf und dran sei, bei dir sich einmischend dazwischenzutreten, auf der Lauer liegen. Geliebte, euer Leben ist das, was es ist, so wie es vor euch in Erscheinung tritt.
Es gab einmal eine Erzählung von einem Blinden, der sich mit einer Frau vermählte, die er nie zuvor gesehen hatte. Auf wundersame Weise gewann er sein Augenlicht wieder. Er sah seine Gattin zum ersten Mal, und fand sie schön. Seine Freunde zeigten sich still, denn keiner unter ihnen erachtete seine Frau als hübsch. Das Beste, was sie über ihr Aussehen vorbringen konnten, war, dass sie unscheinbar sei.
Dem Ehemann freilich war sie, kraft des Lichtes, was sie seinem Leben immerzu zugewandt hatte, schön. Er war ein Mann, der wirklich sehen konnte. Die ganze Zeit konnte er sehen. Blinderweise konnte er sehen. Jene Menschen, denen ununterbrochen der Gebrauch ihrer Augen offensteht, sehen womöglich nicht. Es ist nicht so, dass Güte und Erbarmen bei dir eintreten werden. Es ist so, dass dir Güte und Erbarmen bereits verliehen worden sind. Sie sind da, ob du sie nun siehst, oder nicht.
Was immer auf dem Schauplatz aufläuft, es ist ein wohltuender Segen. Einerlei wie bedrängt du davon, was sich ereignet, sein magst, es ist ein Segen in ihm enthalten. Einerlei was, es ist eine Beglückung darin enthalten, womit immer du beschenkt wurdest. Ich unternehme keine Anläufe, zu erreichen, dass du dich besser fühlst. Ich gebe dir die Wahrheit über das Leben zu verstehen. Es ist deine Deutung der Geschehnisse, die sich zu wandeln hat. Du befindest dich an der Kante tiefer gehender Wahrnehmung. Bei was für einem Sturm auch immer, der die Sonne von der Sicht abhält, die Sonne ist nichtsdestotrotz am Scheinen.
Inwendig in dir liegt ein Herz aus Gold. Selbstverständlich ist es da. Dein Herz ist ein Verwandter des Meinigen. Es hat keine Grenzen, obschon, du wirst dies womöglich nicht bestätigen können. Eine jede Handlung oder Reaktion im Leben bringt dich näher heran, mehr in die Ferne und in die Weite zu sehen.
Öffne jetzt deine Augen. Mache sie weit auf. Verschaffe dir etliche andersartige Ideen in deinem Herzen. Tue deine Augen auf, öffne deinen Geist, mache dein Herz auf. Sobald du anders zu sehen vermagst, wirst du anders agieren. Du wirst anders auf etwas eingehen. Du wirst mit allem fertig werden, und du wirst anheben zu sehen, dass du die ganze Zeit im Paradies gelebt hast. Ihr seid keine Kieselsteine, die sich in einem Rasenmäher verfangen haben. Ihr seid Mein Kind mit all den Rechten und Privilegien, die mit besonderer Ehre einhergehen. Alle Macht an euch. Bald wird euer Blick gewandter sein. In der Welt wird sich das Terrain des Lebens vor euren ureigenen Augen verwandeln.