EIN LEBENSKÜNSTLER
Gott redete …
Niemand hat es gern, falsch zu liegen, und niemand hat es gern, einzugestehen, dass er nicht recht hat. Setze dafür das Wort vertan ein. Vertan ist ein wenig leichter zu schlucken. Irrig für etwas gehalten werden ist Teil des Lebens, und daher wachst ihr. Auf diese Weise könnt ihr euch freuen, ein Versehen zu begehen, denn durch solche Irrtümer wachst ihr. Mögt ihr es, Versehen zu begehen? Keineswegs. Und dennoch seid ihr am Wachsen, und demzufolge klettert ihr eine weitere Sprosse auf der Lebensleiter hoch.
Eine Zeit wird kommen, wann ihr euch weidlich weniger vertut und mehr vom Verstehen her kommt.
Es ist eine Form von Größe, einzugestehen, ihr hättet etwas hinzugelernt, was euch zu lernen angestanden hatte. Diese Form von Größe nennt man Bescheidenheit. Ja, das Leben bescheidet euch. Ihr merkt, Ich habe gesagt bescheidet euch, nicht, es erniedrigt euch. Wenn ihr euch erniedrigt, gar verlegen gemacht, beschämt fühlt, wenn ihr zutiefst bedauert und in Bezug darauf Affekte verspürt, dann ist es das Ego, was euch erröten lässt und euch eine Schmach antut, und von jetzt an ist es euch klar, es ist Zeit, über das Ego hinwegzugelangen, gegen es weiterzukommen. Bei euch selbst, da müsst ihr die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen. Ihr werdet tätig, dennoch bestürmt ihr euch in der Sache nicht. Ihr wisst, ihr Lieben, das Ego zieht Theatralisches hervor. Theatralisches veranstaltet ihr nicht mehr. Legt euer Kettenhemd, eure kugelsichere Weste, eure bei euch getragenen Waffen ab. Stampft nicht mehr auf euch selber herum. Es ist das gleiche, als hättet ihr Kaffee verschüttet. Ihr wischt es einfach auf, und seid fertig damit.
Seid mit bereuendem Bedauern fertig. Nachgerade niemand hat euch gesagt, ihr wärt vollkommen. Ihr sagtet euch selbst, ihr hättet mustergültig zu sein, und ihr machtet daraus eine allzu große Sache. Ein Versehen ist ein Versehen. Es ist nicht unverzeihlich. Ihr müsst euch selber verzeihen, und es los lassen. Ein Vergehen begehen erniedrigt euch nicht. Seid glücklich, dass ihr euer Versehen herausgefunden habt. Vergrößert es nicht. In Sack und Asche gehen ist vor langer Zeit aus der Mode gekommen.
Euch ist es, im Leben stets voranzukommen. Ihr rückt von niederen Punkten vor, und ihr rückt von hohen Punkten vor. Ihr rückt vor. Ihr lasst gegenüber niemandem eine Tirade los, euch selber gegenüber mit eingeschlossen. Was? Obliegt es euch, euch schlecht zu machen, weil ihr etwas hinzulerntet? Womöglich war euer Nicht-Nachvollziehen-Können dem anderen Menschen gleichfalls dienlich, und danach, da war euer Dienst vorüber. Dies ist ein tägliches Vorkommnis.
Denkt euch nicht so viel, sage Ich euch. Denkt weniger, liebt mehr. Liebt euch selbst mehr. Gratuliert euch selber fürs Hinzulernen. Klopft euch auf den Rücken. Ihr lerntet etwas. Ihr seid ein Menschenseinswesen, welches lernt. Lernen ist Fortschritt. Und ihr schreitet voran. Und hin und wieder macht ihr den Fortschritt rasch, und hin und wieder gemächlich. Die Sache ist die, dass ihr Fortschritte macht. Das Leben auf der Erde ist keine Wissenschaft, Geliebte, Geliebter. Es ist eine Kunst, und ihr artet zu einem Lebenskünstler aus. Dies ist wundervoll.
Maler malen das erste Mal nicht perfekt, und dennoch sind sie am Malen. Komponisten werden nicht perfekt komponieren. Menschenseinswesen werden - ihren eigenen Augen oder den Augen Anderer gemäß - nicht mustergültig leben. Und diejenigen, die sich selber oder Andere bewerten, sprechen ihre Beurteilungen ebensowenig makellos aus. Du suchst nach einem Verbrechen, wo keines ist. Wo vielmehr ein Fehlbenehmen das Gegebene ist.
Du eignest dir an, Verflossenes los zu lassen und voranzuschreiten.