WELT-ZEIT UND GOTT-ZEIT
Wenn du Mich um etwas bittest, und das tust du öfters, antworte Ich: „Kommt sofort, Sir oder Madam.“ Ich halte dich nicht hin, obschon du dies gewiss meinen magst. Wieso ist da wohl eine solche Diskrepanz zwischen deinem Empfinden von Zeit, und, nagut, dem Zeitempfinden, was Ich habe, zu verzeichnen. Ich habe das Zeitempfinden nicht, was du hast. Ich habe Ewigkeit, welche in keiner Weise lange ist. Ewigkeit ist eben jetzt. Zeit ist in Stufen. In der Welt-Zeit gibt es früher oder später. Wenn du Leben nach Leben führst – in einem dieser Leben werden dir deine Anliegen unverzüglich kredenzt. In der Ewigkeit, wo Zeit keine Distanz innehat, warte Ich dir ebenjetzt auf.
Zur selben Nicht-Zeit, derweilen Ich der Erfüller deiner Wünsche bin, bist du dein eigener Erfüller. Du weist die Energie ein. Manchmal hast du Träume und tiefe Verlangen, die an dir sind, sie zu erfüllen, die an dir sind, sie zum Stattfinden, oder zum Nicht-Stattfinden zu bringen. Du kannst ohne Weiteres das Gespür haben, wie du es dir tief wünschst, wonach es dir sehnlichst ist, und dennoch mag dein sehnliches Begehren noch nicht griffbereit sein. Es gibt so zahlreiche Möglichkeiten, so viele Missgeschicke, unterdessen man gemeinhin geneigt ist, den Tag vor dem Abend zu loben. Es gibt da Geschehnisse, die durchaus abgestimmt sind, und dennoch bist du öfters der Instrumentierer, auf den pur genau du in Erwartung stehst.
Ab und an kann Ich in dein Leben hinein hervorschießen und dich mitten aus dem Strom herausretten. Ganz bestimmt. Hinwiederum ist es dir nicht immer möglich, die Dinge voneinander zu unterscheiden. Vielleicht könnte Ich zu dir in euren Redewendungen sagen: „Noch nicht, Sir oder Madam.“ Jeder Gedanke, den du hast, ist irgendwo wegversteckt. Jetzt, also jetzt, da mache dir keine Sorgen, dass aufgrund deiner wunderlichen Gedanken etwas Widriges auf dem Weg sei, zu passieren. Etliche Gedanken verziehen sich und brüten keineswegs über dir, im Wartestand, über dich herzufallen. Etliche Gedanken, die du hast, sind ohnehin nicht die deinen.
Was Ich zu sagen versuche, ist: Verlasse dich auf Mich, und springe auf dein Pferd.
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Es gibt Angelegenheiten, bei denen ist es gut für dich, dass du dir bei ihnen Zeit lässt, verweile demnach bei ihnen. Probiere ihren Geschmack. Koste sie aus. Gelegentlich tust du gut daran, das Leben im Schwebezustand zu halten. Ich sage dies zur selben Zeit, wo Ich sage, dass das Leben nicht vergeudet gehört. Es ist keine Eile zurhand, und allzumal gibt es keine Zeit, die zu vergeuden ist. Dies ist deine Verlegenheit. Du kannst nicht alle Naschereien aufessen. Du hast dir etliche für später aufzusparen. Du hast unterwegs zu sein, und hinwiederum kannst du ein bisschen länger dasitzen.
Im menschlichen Leben besteht öfters die Wahlmöglichkeit darin, dein Leben zu beschleunigen, und darin, es zu verlangsamen. Es mag sein, du hast diese Wahl an einem Tag mehrere Male.
Du kannst nicht jedem alles sein. Du kannst dir selber nicht immer alles sein. Du kannst Mir alles sein.
Hole einmal tief Luft. Gelange zu der Schlussausführung, dass alles so in Ordnung ist, wie es ist, und dass sich dennoch alles voranzubewegen hat. Wie verlockend und tumultartig ist die Zeit in der Welt.
In der Ewigkeit ist die Zeit weder langsam noch rasch. In ihr gibt es überhaupt keine Zeit. In ihr gibt es keine Zeit, die zu strecken oder zusammenzuziehen wäre. Es gibt weder eine Zeit, um sich zu beeilen, noch eine, um sich zu drosseln. Es gibt keine Uhren. Musik ist da, weder in langsamem noch in schnellem Tempo. In der Ewigkeit können Wir, sozusagen, die Musik Umschlingen.
Warte, bis du dich in die Ewigkeit hinein entspannst. Du wirst lachen. Du wirst so glücklich sein. In der Ewigkeit wirst du die meiste Freude haben, die du je hattest. Was für eine Entlastung von der Welt, von der fristgemäßen Befolgung auf der Erde und von all dem, was das in sich birgt.
Wenn du doch bloß die Zeit vergessen, wenn du doch bloß den Raum vergessen könntest – für den Fall dass dies nun nicht in vollem Umfange zum sie Vergessen ausfiele – habe ein Gewahrsein ihrer Nicht-Existenz oder ihrer hastigen und aufgestöberten Erscheinlichkeit. Wie leicht fortan das Leben draußen auf dem Bauernhof gerät. Wie leicht das Leben ist, sobald es keine Zeit, in die man sich verhaspeln, und keinen Raum gibt, aus dem man hinauskatapultiert zu werden vermag.