GOTT SEGNE DICH
Jedes Mal, wenn du einen Fehler machst, gratuliere dir selber, denn du hast Fortschritt im Blick, Fortschritt im Werden. Ein Pluspunkt für dich selber. Dies sind wundervolle Neuigkeiten. Deine Wahrnehmung ist bereits verwandelt. Sie hat sich brüsk vor deinen Augen geändert. Du wünschtest es dir, zu wachsen. Oh, und wie du es dir wünschtest, zu wachsen. Und jetzt siehst du das Wachstum in unfreiwilligen Photographien. Glänzend. Du hast etwas hinzugelernt. Du stürmst wirklich nach vorne.
Dir selber gratulieren trifft auf alle Felder von Fehlern zu, vom falschen Abschreiben einer Telefonnummer bis hin zu der Liebe den Rücken zukehren. Schlage dir nicht mehr an die Stirn und sage nicht mehr: „Wie dumm bin ich bloß. Wie konnte ich derart blöd sein.“
Küsse nunmehr deinen Handteller. Segne die Hand, die einen Schreibfehler machte. Die Finger jener Hand haben unermüdlich für dich getippt. Klatsche ihnen Beifall.
Und falls du bei deinem Herzen schlechtes Benehmen an den Tag legtest und das bedauertest, lege deine Hand über das Herz und erzähle ihm, dass du ihm das nächste Mal dienstbarer sein möchtest. Falls dein Herz gerne einen Sprung machen möchte, so sage ihm, wie gerne du ihm die Zügel frei geben möchtest. Sage deinem Herzen, falls es einen Impuls innehat, einem Fremden einen Gruß zu entbieten, dann werdest du es tun. Sage deinem Herzen, du wirst dich nicht mehr länger bremsen. Sage ihm, du wirst es besser wissen, als weiterhin schüchtern zu sein. Sage ihm, du wirst ihm folgen, selbst derweil du nicht erkennst, wohin es dich nehmen wird. Sage ihm: „Selbst falls ich, in der Begrifflichkeit der Reaktion der Welt, flach aufs Gesicht falle, freue ich mich, dir gefolgt zu sein. Ich bin froh, dass ich aus dem Trott herausgelangt bin, in dem ich mich befand, und in dem ich so lange Zeit war, ich danke dir, mein Herz, dafür, dass du dich aufgetan hast, und ich bin mir selber dankbar, dir stattgegeben zu haben, mich entlangzuschleifen.“
Und sofern du deinem Herzen nicht nachkommst, so tätschle dir selber ebenfalls auf den Rücken. Sage zu dir selber: „Also, Hans, ich bin stolz auf dich. Jetzt hättest du es gerne, du hättest dich nach deinem Herzen gerichtet. Du hättest es gerne anders gemacht. Nun möchtest du, du wärest anstatt nach links nach rechts gegangen. Nun wünschst du dir, du wärest mutig gewesen. Dafür bist du wundervoll! Dafür bist du blendend. Du hast im Gewahrsein einen riesigen Satz getan. Meine Güte, du machst es GROSSARTIG!“
Siehst du eine andere Art, wie es redlich ist, zu deinem Herzen und zu dir selber zu sprechen?
Falls du hinfällst und dir ein Bein brichst, so sage: „Juchhu! Ich habe mir mein Bein gebrochen! Ich war irgendwohin unterwegs, ich tat irgendwas, und ich habe mir mein Bein gebrochen! Ich bin ein wundervoller Mensch, der vorwärts geht. Und so fiel ich hin. Jetzt bin ich ein wundervoller Mensch, der, eine Zeitlang mit hochgelegtem Bein, in einem Stuhl sitzen und an Krücken gehen wird. Wie viel Glück habe ich, ich habe mir nur mein Bein gebrochen. Ich hätte mir den Hals brechen können. Und mein Bein heilt, und es wird so gut wie neu sein.“
Und falls es nicht so gut wie neu werden wird, dann gratuliere dir dafür ebenso. Es wird ein Segen sein, was von dorther auf dich zukommt, selbst wenn du nicht weißt, worum es sich handeln wird. Halte dein Auge auf die verdeckte Wohltat gerichtet.
Entsinnst du dich der Fabel von dem lahmen Jungen, der großen Mut aufzubringen und alles durchzustehen hatte, weil er nicht wie die anderen Jungen rennen konnte?
Meinst du, es sei abgeschmackt, so zu denken? Sage Mir bitte, was sollten deinem Dafürhalten nach deine Gedanken sein? Dich beklagen? Protestieren? Den Bordstein oder Mich rügen?
Komm nun, du bist hingefallen. Stehe jetzt auf. Gratuliere dir selber, und seligpreise dein Bein, beglücke segnend dein Leben und segne dich selber und sage: „Gott segne dich.“