AUF DEM GIPFEL DER WELT
Du bist großflächiger als der Globus, auf dem du lebst. Du bist auf der Spitze der Welt. Wir können sagen, dass du inwendig in dir die Erde herumträgst. Du bist mit der Erde schwanger, und du gebierst sie. Wir können sagen, dass deine Beine in der Erde eingebettet sind, und dass du die Ströme und Flüsse bist, die die Erdkarte anreißen. Du bist unauslöschlich in dem Erdball der Welt ausgeschmückt.
Oder Wir können sagen, dass du den goldenen Ball vor dir her trägst, und dass du ihn von Zeit zu Zeit prallen lässt.
Wir können sagen, die Erde ist ein Tamtam, das du schlägst.
Wir können sagen, die Erde ist ein Bild, was du malst. Deine Gedanken sind die Kreiden, mit denen du zeichnest. Du lauschst auf deine Muse und irrtümlicherweise denkst du, sie befinde sich außerhalb von dir.
Die Erde ist wie ein ovales Ei, das sich selbst in die Rundheit hinein dreht.
Das gesamte Universum dreht sich und haspelt, und du bist der Spinner. Du wirbelst sie auf deiner Fingerspitze herum. Sie wiegt in deiner Hand leicht, auf deinen Schultern aber ist sie schwer. Denke über dich als jemanden, der mit dem Ball der Erde spielt. Genieße es sodann.
Denke dir die Erde wie eine Gelbe Sonne, die sich kühl anfühlt. Denke dir die Erde als hell gelb, ja gar als golden, und du hältst sie an dich. Die pulsierende Erde wird dein Herz. Wir werden auf dieses Thema zurückkommen.
Wie ist die Erde ins Sein gekommen, und du auf ihr?
So wie ein Jeder unter euch in Meinem Licht seinen Platz hat, so hält ein Jeder unter euch den Planeten Erde an sich. Die Erde gehört euch nicht. Du bist ein Bildhauer, und die Erde ist dein Tonball. Wärme ihn mit deinen Händen. Forme ihn, wie du es möchtest. Gib ihm eine schöne Gestalt.
Erachte die Erde als dein Herz. Sie ist dein Herz, die dem Anschein nach da draußen ist. Sie ist eine Projektion deines Herzens. Dein Herz ist mächtig. Es ist unwiderstehlich. Du hast die Erde genötigt, sodass du auf ihr tanzen kannst. Die Erde ist dein Tanzboden, und du bist der Tänzer, der auf ihm tanzt.
Die Welt nimmt gemäß deinem Tanz Gestalt an. Du verwebst die Welt, so wie du dich über sie schlängelst. Du und die Erde werden Eins. Du bist bereits Eins mit Mir.
Du schlägst auf der Erde Purzelbäume. Du überspannst die Erde in einem Schritt. Wo du auch stehst, das ist der Gipfel der Welt. Die Welt existiert im Grunde nicht, doch können Wir sagen, sie tut es, und dass du ihr Nabel bist.
Wir können sagen, die Erde ist die Linsen, durch die du schaust. Wohin du auch blickst, du siehst Ähnlichkeit mit dir. Du bist nicht wie die Erde. Die Erde ist wie du.
Des Nachts kannst du nicht sehen, und dennoch ist alles illuminiert. Und du bist beleuchtet. Du bist der Mond der Erde. Was für eine interräumliche Beziehung du hast! Deine Beziehung zur Erde ist sehr intim. Sie ist aufs Äußerste verständnisinnig.
Du bist das Kind der Erde, und die Erde ist dein Kind. Ist es nicht genau so? Du kannst Mir in Wahrheit nicht sagen, dass es anders ist. Etwas anderes gibt es nicht. Einssein ist da.
Du bist eine Marschkapelle. Du durchquerst die Erde. Du spielst Marschmusik, und alle schließen sich dir an, wie du edel durch das Leben auf der Erde schreitest. Du marschierst auf der Erde, unterdessen du dich auf deinem Weg zum Himmel behauptest.
Es ist eine Extravaganz, dieses Leben, was du auf Erden porträtierst. Es ist ein Spiel, und es hat kein Ende. Das Leben hat einen Entwurf, und doch hat es überhaupt kein Handlungsschema. Es hat Erzählungen, sie kommen aber nie zuende. Es gibt immer einen losen Faden. Das Leben ist ein Traum, ein traumloser Traum. Du steckst dein Terrain auf einer keine Ansprüche erhebenden Erde ab, so wie du in ein Hors d'oeuvre einen Zahnstocher steckst – danach ein Hinunterschlucken, und es ist vorüber damit. So passiert ein Leben auf Erden.