WENN ES NICHT LIEBE IST
Sobald Meine Worte sich in dich hineinsenken, spürst du ihre Köstlichkeit. Meine Worte sinken hinein, und du steigst empor. Dein Plappern verbirgt sich, und Meine Stille tritt ein. Du erhebst dich in der Stille deines Geistes. Schelte nicht den äußeren Lärm, denn er hat keine Schuld. Es ist der innere Lärm, der sich dazwischen mischt. Manchmal ist dein Geist derart überfüllt, wie kann es da Raum geben für etwas, was dort hineinsinken möchte?
So wie du Kontrolle los lässt, so werden der Wust und das Geplapper des Geistes nichts mehr von sich merken lassen. Wenn du meinst, du habest Kontrollieren nötig, meinst du, du hättest alle Gedanken zu behalten so wie ein Waffenarsenal oder wie wichtige Nachweise von etwas, was für die Zukunft verwahrt wird. Was ist es doch schön, wenn du anstelle eines randvollen Geistes einen geöffneten Geist hast!
Was für etwas Schönes, deinen irrationalen Griff los zu lassen! Er ist irrational. Einerlei wie sehr du bei ihm zufasst, die Kontrolle liegt nicht auf deiner Seite! Kontrolle ist Widerstand, und Widerstand arbeitet gegen dich. Sei fließend.
Was für eine schöne Sache, wenn niemand jemals mehr deine Standards einzuhalten hat! Was für eine schöne Sache, wenn du sie los lässt und Liebe zulässt! Liebe ist nicht Standardverpflegung. Sie liegt über allen Standards. Liebe ist das Höchste. Und Liebe kontrolliert nicht. Liebe hält nicht fest. Liebe, die gehalten wird, ist nicht Liebe, und sie befürwortet Liebe nicht. Festhalten liegt nicht in deinem besten Interesse, genauso wenig in demjenigen eines Anderen.
Weniger unverhohlene Formen der Kontrolle sind ebenfalls nichts Wunderbares. Überredung, Flehen, Umschmeicheln sind ebenso manipulativ und einschränkend wie Forderungen und Anweisungen. Liebe hat keinen Bedarf an Kontrolle. Falls es nicht Liebe ist, hat es das Ego zu sein.
Das Ego ist dir äußerlich. Es ist wie eine schicke Uniform, die du anziehst. Aber die Uniform ist nicht du. Andere mögen ja vor deiner Uniform salutieren, du selbst aber wirst dich durch sie nie hereinlegen lassen. Uniformen sind schön, aber letztlich ist eine Uniform bloß eine Uniform.
Dein Haus, dein Auto, dein Geld, dein Titel, dein Alter, deine Sprache, all das uniformiert dich. Liebe, die keine Grenzziehungen kennt, befindet sich in einer anderen Liga. Sie ist nicht exklusiv, gleichwohl ist sie der Helm auf der Kirchturmspitze, und deine Sicht hat bis dorthin zu reichen.
Was gibt es in der Welt anderes zu tun, als höher zu schauen und all die Uniformen und Barrieren in der Welt hinter sich zu lassen?
Falls sich das Leben schier als Trittsteine von einer Uniform zur nächsten auswiese, kein Wunder, dass ihr euch dann derart wund scheuert. Nehmt einen tiefen Atemzug, und schont eure Energie. Bewahrt euch vor dem Zwang, noch mehr Uniformen zu bestellen und die Liebe zu vergessen, die alle Uniformen beiseite stellt.
Liebe disputiert nicht. Liebe, die über allem ist, hat nicht den Vordersitz zu bekommen oder der erste in der Reihe zu sein. Da ist weder ein Vorder- noch ein Rücksitz, weder ein Anfang noch ein Ende der Reihe, wenn es sich auf die Liebe beläuft. Liebe ist. Komme zu dem Gewahrsein des Zustands der Liebe, und es gibt nichts anderes zu tun, als das zu sein, was du bist. Du hast die Liebe nicht zu übertreffen. Ja, in der Tat, das vermagst du nicht. Du kannst sie schier sein, jene wundervolle freimütige Offenherzigkeit, die wir als Liebe bezeichnen.
Zunächst wird die Liebe danach aussehen, als existierte sie bloß in Stücken, und sodann kommst du dahinter, dass die gesamte Welt Liebe ist, und dass sie niemals etwas anderes war.
Es gibt Augenblicke, wann du das weißt. Nun wirst du es öfters erkennen. Alles, was du zu tun hast, ist, es zu bemerken. Nimm den Sonnenaufgang und -untergang zur Kenntnis, die Zucchini-Blüte, das Wedeln eines Hundeschwanzes, einen Vogel, der an deinem Fenster vorbeifliegt, einen Schmetterling auf einem Busch, einen blauen Himmel, die Sterne des Nachts und den mäandernden Mond. Nimm die Schöpfung zur Kenntnis und sage Mir - falls du das vermagst -, dass du dich nicht im Himmel befändest.