DAS SPIEL
Ihr seid kein Platzhalter, Geliebte. Ihr seid Mein Ass. Ihr seid die Karte, die Ich in Meiner Hand halte. Alle Meine Abkömmlinge sind das Ass, was Ich in der Hand halte.
Ihr habt gesehen, wie Menschen, die Poker spielen, das Spiel sehr ernst nehmen. Selbst wenn sie um Streichhölzer spielen, wird es ernst. Die Spieler, für die nichts auf dem Spiel steht, gehen in das Spiel hinein und werden zu ernsten Spielern, so, als ob alles auf dem Spiel, als ob ihr Leben auf dem Spiel stünde. Ihnen ist es, dass sie nicht verlieren wollen. Es sind nicht die Streichhölzer, die ihnen als Verlust im Sinn stehen, sie haben vielmehr das Gefühl, verpflichtet zu sein zu gewinnen. Was gewinnen? Die Partie gewinnen. Sie haben ein äußerstes Verlangen, dass die Karten, die ihnen zugeteilt werden oder die sie sich vielleicht selbst zuteilen, das, was ein Anderer auf der Hand hat, übertrifft. Damit werden die Spieler ins Gewinnen hinein gewickelt. Was hat das im Grunde genommen mit ihnen zu tun?
Das Kartenspiel wird sozusagen in Schichten gespielt. Ihr wisst, es ist bloß ein Spiel, und doch seid ihr aufs Ernsteste damit befasst, demnach seht ihr euch und Anderen zu, wie sie gewinnen oder verlieren. Du bist ein Zuschauer, der Anderen, die zusehen, zusieht. Auf die eine oder andere Weise bist du wie russische Babuschka-Puppen, die eine steckt in der anderen. Du siehst zu, was vor sich geht, und du siehst dir selbst, der sich selbst zusieht, zu. Und somit bist du viel-schichtig und weißt, dass du das bist, und, während du das weißt, ist das bloß ein Spiel, du bist nach wie vor bloß hierhergekommen, um zu gewinnen. Du musst gewinnen, anderenfalls. Anderenfalls was? Was ist das Andere? Gewinnen oder Verlieren, die Partie wird hinter sich gebracht, und du schlägst deine Karten zusammen und geht nachhause.
Vielleicht denkst du, du seist von Gott bevorzugt, sobald du gute Karten auf der Hand hast. Vielleicht denkst du, du seist nicht von Gott bevorzugt, falls du keine solchen Karten bekommst.
Du erkennst die Parallele zwischen dem Leben und einem Pokerblatt, sehe Ich das recht?
Welche Karten du auch bekommst, wisse ein für alle Mal, dass du bereits begünstigt bist. Du kannst nicht mehr begünstigt sein, als du es bist.
Du hast gerne Gewinnsträhnen. Sie machen dir Spaß, und Spielstrecken, wo du verlierst, machen dir nicht so viel Spaß. Längere Zeit verlieren macht dir überhaupt keinen Spaß. Vielleicht schätzt du dich mehr, sobald du gewinnst, und schätzt dich weniger, sobald du verlierst. Gewinnen ist Behagen. Nicht gewinnen ist Unbehagen.
Wenn ihr doch bloß das Konzept von Gewinn oder Verlust los ließt. Wenn ihr doch bloß eine Partie Karten spieltet und wüsstet, wirklich wüsstet, dass ihr nicht um eine ganze Menge spielt, was auf dem Spiel steht. Ihr spielt aus Spaß. Wieso sollte euer Spaß vom Gewinnen abhängig sein? Gewinnen oder verlieren, ihr könnt Spaß haben. Die Partie ist eigentlich eine Gelegenheit für Kameradschaft. Wir können sie eine Ausrede nennen, so, als würdet ihr eine Ausrede nötig haben. Jeder weiß, dass Solitär spielen, selbst wenn ihr immer gewinnt, keinen großen Spaß macht. Bewusstheiten miteinander teilen ist großer Spaß. Ihr spielt im Leben eine Partie der Bewusstheit, Geliebte.
Sobald es aufs Gewinnen oder Verlieren hinausläuft, ist das Ego der Spielverderber. Es vermasselt gerne alles. Das Ego gewinnt auf beide Weise. Es ist glücklich, wenn du gewinnst, und es frohlockt, wenn das nicht der Fall ist. Es kommt mit beidem ganz gut zurecht. He, sei nicht mehr länger der Bauer des Ego. Sei in der Partie, nicht von der Partie.
Spielt im Leerlauf, Geliebte.
Gewinnen ist ein Mythos. Verlieren ebenfalls. Was könnt ihr verlieren, solange ihr großartiger seid als das Leben selbst? Was könnt ihr verlieren außer das Ego? Sonst gibt es nichts, was ihr verlieren könnt. Leiden und alles, was damit zusammenhängt, verlassen zusammen mit dem Ego den Raum. Sie folgen einander, wie Ganoven ihrem Mafiaboss folgen.