JENSEITS DES VERSTEHENS
Mache dir nichts daraus, was du nicht verstehst. Lasse es gut sein. Vielleicht brauchst du es nicht verstehen. Falls Verstehen Erklärungen sind, brauchst du sie nicht.
Wer auf der Erde vermag Mich zu erfassen? Was spielt das für eine Rolle? Je unendlicher etwas ist, desto weniger begreifst du. Dein Begreifen kann nur das zum Einschrumpfen bringen, was du bemüht bist, zu halten.
Verstehen ist das Bemühen, etwas an einer Stelle zu halten und es dort zu belassen. Verstehen ist ein Mittel, um mit etwas zu Ende zu kommen, indes wirst du mit der Unendlichkeit nicht mehr zu Ende kommen, als du je mit Mir zu Ende kommen wirst.
Verstehen übermittelt dir oft ein Empfinden der Vollständigkeit, aber das ist ein irriges Empfinden. Wiewohl Vollständigkeit die Wahrheit darstellt und du bereits vollständig bist, rast dein Erleben auf der Erde durch das Universum, um deine Totalität zu finden. Verstehen hat wenig damit zu tun. Finden hat eine Menge damit zu tun.
Wenn du eine Erfahrung hast, hast du sie, ob du sie verstehst oder nicht. Du hast es gerne, deine Erfahrungen zu kennzeichnen und sie an einer Stelle zu etikettieren. Das fühlt sich für dich gut an. Und du benutzt Wörter, um deine Erfahrungen zu kennzeichnen. Allerdings gibt es keine Wörter, um die Unendlichkeit zu beschreiben. Es gibt keine Wörter, um dich zu beschreiben. Es gibt keine Wörter, um Mich zu beschreiben. Wie begrenzt sind doch Wörter! Vielleicht hättest du ein umfassenderes Verständnis ohne vorausgedachte Wörter. Vielleicht sind alle Dinge, die zu Buche schlagen, wortlos.
Was wissen Bäume von Wörtern, und sind sie indes nicht weise? Sind nicht Hügel weise, wie sie sich vor dir ausbreiten? Welche Geschichten erzählen sie dir doch! Sie erzählen sie dir aber nicht in Worten.
Allzu oft existiert eine Ungleichheit zwischen Worten und Wahrheit. Ich meine nicht das, was ihr Lügen nennt. Ich meine, dass die Worte „Ich liebe dich“, gleich wie wahr sie sind, nichts sind im Vergleich zu der Liebe, die sie repräsentieren.
Und zuweilen werden Wörter gebraucht, weil du meinst, sie würden deine Wahrheit polstern, sie würden sie wahrer machen, so, als seien Wörter Zauberstäbe, und als würden sie erschaffen. Manchmal hoffst du, dass deine Wörter Wirklichkeit werden, dass etwa Wörter der Liebe Liebe manifestieren werden.
Vertraue weniger auf Wörter. Verlasse dich mehr auf Wahrheit. Wörter sind ohne Wahrheit hinter ihnen leer, und Wörter, gar auch durch Wahrheit abgestützt, sind leer im Vergleich zu der Fülle, die sie repräsentieren.
Was also tust du demnach? Nun, sei einfach in Liebe. Sei und liebe. Seien ist still. Wörter sind Sprache.
Und dennoch, was für einen Dienst erweisen doch die Wörter. Du liest jetzt Meine Worte, Mein Bemühen, dir von dir selbst und den unausdenkbaren Dimensionen von dir und von Mir zu erzählen, und Meine Wörter bringen dich näher und höher. Sie helfen, dass deine geringeren Gedanken sich davon machen, deine geringeren Gedanken, die auf dieses oder jenes Vorkommnis oder auf diese oder jene Zufälligkeit aufspringen. Sogar wenn es um einen großen Moment geht, sind deine Gedanken weniger als der Moment.
Die prächtigste Wiedergabe der Sonne ist nur eine Wiedergabe der Sonne. Das großartigste Gemälde der Sonne vermag vielleicht eine großartige Sonne wieder zu erschaffen, aber es fängt nur Elemente, nur Aspekte, bloß etliches an Bewusstsein von der Sonne ein. Aber einerlei, wie großartig das Gemälde ist, es ist nicht die Sonne.
Und so steht es mit den Worten. Sie können eine Menge. Sie umfangen die Welt. Sie können sich durch das Universum weben. Aber sie sind nicht das Universum.
Der Mensch kann nicht durch Worte allein leben.
Er kann nicht durch die Welt allein leben.
Er kann nicht allein leben. Er kann nicht alleine sein. Er IST nie allein. Einssein ist nicht allein. Einssein ist völlig. Das Einssein, das du bist, geht über die schönste Poesie, die schönste Musik hinaus. All die großartigsten Dinge in der Welt sind schier symbolische Manifestationen des Größeren, was ist. Ihr könnt nur einen Hinweis auf die schöne Totalität haben, die in euch haust. Ihr lauft mehr auf das Unendliche hinaus. Nicht auf das Reden über es, sondern auf das Wissen und auf das damit Vertrautsein.