TSCHÜS, ALTE GEDANKEN, TSCHÜS
Dieses Festhalten an alten Pfaden im Leben hält dich zurück. Wenn du dich festklammerst, wie weit kannst du dann fliegen? Auch dann, wenn du dich an einem Band des nichts festhältst, hältst du dich immer noch fest. Du hast Band um deine Finger gewickelt, und du hältst nach wie vor daran fest. Du hältst dich fest, so wie sich die Hand eines Babys an allem festhält, was in ihre Reichweite kommt. Du hältst an Ideen fest. Du hältst an der Vergangenheit fest. Du hältst an Bändern der Vergangenheit und an flatternden Bändern der Zukunft fest, und du lässt genau diesen Augenblick gehen, vielleicht nur, um an ihm später in der Rückschau festzuhalten. Lasst das, was den Winden zugehört, mit den Winden gehen. Lasst die Winde eure Pfade reinlich kehren. Lasst die Zweige fallen. Lasst die Winde des Lebens euren Pfad zurückschneiden, sodass ihr vorwärts kommt. Lasst die Winde dasjenige fortwehen, was ohnehin nicht wirklich hier ist und was euch gleichwohl niederhält.
Es ist so, als nähmt ihr Hammer und Nagel und würdet euer Leben mit Latten verkleiden. Ihr seid bemüht, es sicher zu verwahren, und sicher bedeutet euch wohl, was bereits gewesen ist.
Geliebte, öffnet die Faust bei allem, an dem ihr festhaltet. Öffnet die Faust bei allem, was ihr erwartet. Lasst alles los, was ihr mit euch herum tragt. Denkt an das Gepäck, das ihr bei euch tragt und wie langjährig es bereits ist. Wie nutzlos ist es doch, was ihr tragt! Ihr schleppt es dahin, so, als diente es euch zu einem wertvollen Zweck. Ich sage euch, es gehen zu lassen, und immer noch klammert ihr euch daran fest. Ihr haltet fest, und ihr stolpert über all das, woran ihr euch festhaltet.
Jemand schreibt ein Lied über das Loslassen, möchtest du? Es gibt Lieder über verlorene Liebe, und dennoch werden die verlorenen Lieben präsent gehalten, so, als wenn sie sich, wenn alles vorüber ist, zu einer höheren Größe als deine eigene erhoben hätten. Alles was bleibt, sind deine Gedanken, vergangene Gedanken über die Vergangenheit. Dir sind deine Gedanken kostbar, aber du hast sie genug durchgelesen. Für dich ist die Zeit da, neue Gedanken zu schreiben. Säubere den Platz für neue Gedanken und neue Lieben.
Kein Hineinstopfen von Vergangenheit in Schubladen mehr. Dein Geist ist nicht dafür bestimmt, ein vollgestopftes Akten-Schubfach zu sein. Wie viel ist genug, Geliebte?
Im Winter schaufelt ihr Schnee. Schaufelt nun altes Denken weg. Lasst es im Sonnenschein des Lebens schmelzen. Lasst gehen, lasst gehen! Scheucht es entlang. Scheucht es fort. Handelt euren alten Geist gegen einen neuen ein.
Dieses Entrümpeln ist der Jungborn, nach dem so sehr die Suche ist. Macht euren Geist von Verstopfungen frei. Lasst die Rückstände los. Putzt eure Fenster. Ordnet euren zugemüllten Geist. Leert ihn, damit ihr sehen könnt. Ihr wollt hinaussehen und ihr wollt hineinsehen.
Jeden Tag wascht ihr euer Gesicht. Wascht nun aufgestapelte Gedanken von eurem Geist. Wascht reichlich. Lasst euren Geist zum Hindurchscheinen gelangen. Findet eine saubere Schiefertafel, um darauf zu schreiben.
Ich sage euch das so lange, bis ihr es nicht mehr zu hören braucht.
Geliebte, ihr habt eure Schritte zur Evolution aufgeschichtet. Ihr könnt nur über all diesen Wust auf euren Treppen stolpern. Geht ihn nicht Stück für Stück durch. Holt einfach eine Mülltüte und packt alles hinein.
Sagt Mir, Geliebte, was gibt es da, was ihr ernsthaft prüfen müsst? Was, meint ihr, würde passieren, wenn ihr es hinauswerft? Worin besteht eure Angst?
Nehmt den ganzen Inhalt auf euren goldenen Treppen mit euren zwei Händen in die Hand und hebt ihn hoch.
Sagt: „Tschüs, alte Gedanken! Tschüs, all die Formen und Größen von euch. Tschüs, alles von euch, was Staub angezogen und es schwerer gemacht hat, drüber zu steigen. Ich hatte genug von euch. Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, weswegen ich alles das von euch so lange so dicht verpackt behalten habe, so, als würdet ihr irgendwie die Treppen meines Lebens verstärken. Natürlich tut ihr das nicht. Natürlich tatet ihr das nie. Natürlich habt ihr mich behindert. Natürlich versperrtet ihr mir den Weg. Tschüs also jetzt, alte Gedanken, ihr so lange festgehaltenen Gedanken. Ciao.“