EIN STARTPLATZ
Das Wort Erleuchtung vermittelt einem den Eindruck einer feststehenden Ankunft, so, als würdest du, wenn du dorthin gelangst, dort bleiben, und so, als seist du damit ein für alle Mal fertig, wie Plätzchen in einem Ofen fertig sind.
Das Wort Erleuchtung zeigt einen Startplatz an. Dort, wo du beginnst. Das meint wörtlich, wo du begannst. Ihr kamt von der Erleuchtung, ihr Teuren, und jetzt wachst ihr zur Wahrnehmung dessen heran.
Es ist nicht so, dass ihr, sobald ihr an der Erleuchtung angekommen seid, angekommen seid. Das ist kein Haltepunkt. Das ist bloß eine Raststätte des Wegs. Vielleicht könnt ihr dort eine Markierung anbringen, dann allerdings geht ihr weiter.
Es ist in Wirklichkeit nicht so, dass es eine Erleuchtung I und eine Erleuchtung II gibt, denn im Laufe eures Weges gibt es kein Ende für euren Fortschritt. Ihr bekommt kein Diplom. Keine Abschlussfeier, keine große Verlautbarung. Und auch ihr tätigt ebenfalls keine Verlautbarung. Es ist euch nicht angelegen zu sagen: „Ich bin erleuchtet.“ Das lässt es sie wie eine Schlussfolgerung aussehen, oder, dass du einen prächtigsten Schritt genommen habest, so, als wäre Erleuchtung eine Leistung alleine deinerseits, so, als hättest du schwer an ihr gearbeitet und sie schließlich erzielt. Ihr macht euren Gang nie zuende, Geliebte. Und, nebenbei gesagt, ihr habt nichts anderes getan, als schließlich was immerfort war zur Kenntnis zu nehmen.
Seid nicht bestürzt, dass ihr keinen Gipfel erreicht habt. Das ist gut so. Möchtet ihr wirklich mit dem Wachsen aufhören?
Geliebte, es ist eigentlich kein Berg, den ihr erklimmt. Es ist mehr so, wie ihr einer Kurve folgt, wie ihr bei einem Regenbogen entlangggeht, doch gleichwohl geht ihr nicht in Kreisen. Lasst uns das eher wie eine eine Spirale bildende Helix denken, mehr wie eure DNA, die ihr hochklettert. Eure DNA ist nicht in höherem Maße etwas Feststehendes, als es die Erleuchtung ist.
Wie kam das Wort Erleuchtung dazu, mit großem Anfangsbuchstaben [im Englischen; ThB] geschrieben zu werden? So ist das nicht vorgesehen, außer am Satzanfang. Erleuchtung ist keine große Sache. Sie ist natürlich, und man kann sie durchaus erwarten. Sie ist nicht genau wie das Finden des Heiligen Grals. Bei Erleuchtung seht ihr besser. Ihr müsst nicht so sehr mit den Augen blinzeln. Ihr seht weiter. Ihr seht das Licht besser. Ihr seht euer und Mein Licht ineinander verwoben. Ganz direkt herausgesagt, mit Erleuchtung beginnt ihr zu sehen. Die Scheuklappen werden abgenommen. Jeder kann das. Jeder möchte das.
Es macht dich nicht stolz, erleuchtet zu sein. Es macht dich bescheiden. Gewöhne dich daran.
Es ist in Ordnung, die sogenannte Erleuchtung in Ehrfurcht zu halten. Halte die Erleuchtung in Bewunderung wie einen wundervollen Anfang, und entsinne dich, du bist ein Anfänger. Du befindest dich an der Startlinie. Und, wird auch Zeit, sage Ich! Hefte dir keine Medaillen an deine Bluse. Wenn du möchtest, kannst du in kleinem Druck „Anfänger“ aufsticken. Nimm weder Erleuchtung noch dich selbst derart ernst. Habe Ich das klar gemacht?
Sei glücklich, dass du Mir begegnest. Mir Begegnen ist eine andere Story. So schön das auch ist, das ist ebenfalls keine Leistung. Das ist eine vorausgegangene Schlussausführung. Das wurde vorhergesagt. Ihr sollt Mir begegnen, Geliebte. Ihr sollt Mein Herz erreichen und euch selbst dort finden. Ihr sollt euch selbst in Meinem unauffindlichen, indes wohl-bekannten Herzen auffinden. Was machte es, dass es so lange dauerte?
An der Stelle existiert ein kosmischer Scherz. Während du erleuchteter wirst, entschwindest du, anstatt mehr und großartiger und wundervoller zu werden, wie du es erhofft hattest, in Meiner Strahlung, und deine Identität, auf die du so lange aus warst, ist jetzt mit der Meinigen verschmolzen. Du siehst, du hast dein Können zurückgelassen und hast schier das Meine.