EINE WELLE DES OZEANS SEIN
Gott sagte ...
Beklage nicht die Vergangenheit. Alle Vergangenheit ist auf dem Wege, vergessen zu werden, Geliebte. Aufsummierungen von Historie mögen eine Zeit lang währen, dennoch erinnert sich die Welt nicht aller Menschen, die sie durchmessen haben. Du und all deine lieben Angehörigen werden vergessen werden. Ich weiß, das macht euch traurig, aber, schaut, all dies, was ihr vom Leben kennt, ist nur eine Welle des Ozeans. Verlust existiert nicht. Eine Welle war, und nun ist sie fort. Jetzt gibt es andere Wellen. Der Ozean ist immerfort, die Wellen allerdings nicht. Eine Welle ist schier eine Welle, und doch ist jede Welle der Ozean selbst. Wellen kehren schlicht zu dem Ozean zurück, woher sie kamen. Sie sind nie fortgegangen, und doch kehren sie zurück.
Was gibt es zu beklagen? Ich weiß, ihr mögt den Gedanken nicht, dass eine imaginäre Zeit kommen wird, wann niemand sich eurer Grübchen entsinnen wird. Alles über dich, deine Worte, deine Gedanken, deine Taten, dein Lächeln, all die Vorkommnisse in deinem Leben werden vergessen sein. Das Liebevolle und das nicht Liebevolle werden fortgetrieben sein. Du wirst nicht einmal ein Gedächtnisteil sein. Du bist eine Welle des Lebens, und Wellen gehen weiter.
Kannst du dir eine Welle vorstellen, die sich über sich selbst oder die sich über eine andere Welle beklagt? Wellen sind Wellen, und Wellen gehen rauf und gehen runter. Das ist die Natur der Wellen. Keine Welle hat Einwände, dass diese bestimmte Gestalt sich in den Ozean hinein wieder auflöst. Eine Welle verliert sich, um sich selbst wiederzufinden. Eine Welle denkt nicht an das, was sie gewohnt war. Sie erinnert sich nicht daran, als sie eine Dünung nahe der Küste war. Sie zählt ihre Medaillen nicht. Sie zählt ihre Nöte nicht. Sie hat keine Nöte. Eure Nöte existieren genauso nicht, außer aus einem Blickwinkel eures geschäftigen Geistes heraus.
Ihr könntet genauso gut damit anfangen, jetzt die Vergangenheit gehen zu lassen. Ihr könnt sie nicht aufbewahren, und aus welchem vorgestellten Grund wolltet ihr das? Köstlich oder schmerzlich, sie ist nur die Vergangenheit. Sie ist ein Nichts. Oh, ja, ihr dachtet, einmal sei sie groß gewesen, oder einmal entsetzlich, doch war sie nie überhaupt etwas. Die Vergangenheit kann jedenfalls nicht festgehalten werden, egal, wie sehr du es versuchst.
Sieh, wie flexibel und geschmeidig eine Welle ist. Und sieh dir die Kraft an, die eine Welle hat. Es ist nur eine Welle, und doch hat sie die Kraft des Ozeans. Einen Augenblick lang hat eine Welle eine Identität. Eine Welle ist nicht ihrer dahineilenden Identität verhaftet. Eine Welle neigt und wendet sich. Sie möchte keine Schachtel mit steifen Seiten sein. Oh, nein, eine Welle möchte schwimmen. Sie möchte eine Welle des Ozeans sein, der schwimmt.
Für eine Welle bedarf es keiner Anstrengung zu schwimmen. Eine Welle mag machtvoll sein, und doch ist ihre flüssige Bewegung anstrengungslos. Eine Welle bietet den Gezeiten keinen Widerstand. Sie ist Teil der
Gezeiten und doch nicht in den Gezeiten. Wieso, eine Welle ist mit nichts verhaftet. Sie ist weder dem verhaftet, wie hoch sie geht, noch dem, wie tief sie geht. Eine Welle hat es immer gut, in welchem Zustand auch sie sich gerade befinde.
Welche Begrenzungen hat eine Welle? Groß oder klein, eine Welle ist grenzenlos.
Wir können sagen, eine Welle ist um Vieles größer als sie erscheint. Wellen denken über sich nicht als klein oder groß. Wellen sind mit sich in jedweder Größe und wo immer sie sind, glücklich. Beim Anlanden an die Küste, sie sind glücklich. Im Zentrum des Ozeans, sie sind glücklich. Wellen sind glücklich, Wellen zu sein und zu hüpfen und zu spielen. Was gibt es für eine Welle, mit dem sie nicht glücklich ist? Sie können einzig glücklich sein, weil sie nicht festhalten. Sie lassen los. Sie sind frei, und deswegen sind sie glücklich.