Gott redete …
Du hast schließlich selbst die Rolle geglaubt, die du spielst. Du agierst auf einer Bühne, und hast geträumt, es sei echt. Du vergaßt, du bist bloß ein Schauspieler auf einer Bühne. Du vergaßt, du hast ein Kostüm an. Du vergaßt, du hast ein anderes Leben als dasjenige, was du soeben abschilderst. Du spielst eine Rolle, und du hast schließlich gedacht, sie sei die reale Sache. Du hast schließlich selbst geglaubt, dass die Kleider, die du anhast, du sind, und dass die Bühne, welche du durchkreuzt, das ist, wo du bist.
Du hast an dieser Partie, die du spielst, festgehalten. Du bist überzeugt, sie ist du, derweilen nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein kann.
Heute spielst du etwa ein Kind. Morgen einen Erwachsenen. Später dann einen alten Mann. Und gleichwohl bist du keiner davon. Du bist weitaus mehr als das Augenscheinliche.
Mache dir die Rollen, die du spielst, zu eigen, und erinnere dich, sie repräsentieren bloß eine Rolle, die du in deinem Leben spielst. Sie sind nicht dein Leben. Sie scheinen wie dein Leben. Du redest deine Zeilen daher. Du bevölkerst die Bühne. Andere Schauspieler spielen ihre Rollen. Sie sind Helden und Schurken, und vielleicht springen sie hin und her – und du ebenfalls –, gemäß der Szenerie und dem besonderen Stück, in dem du dich befindest. Die Zuhörer schreien Buh oder jubeln zu, und du bist ebenso deine eigene Zuhörerschar. Denke gut von dir selber. Sei dir sicher, dass du das tust. Feuere dein Herz an.
Einerlei was für eine Rolle du spielst, du kannst sie wechseln. Wenn du der Rolle überdrüssig bist, die du spielst, dann nimm eine andere. Kein einziger braucht dir die Erlaubnis zu erteilen. Gib dir selber die Erlaubnis. Kein einziger braucht sie dir vorzuschlagen. Schlage sie dir selber vor. Versuche ein wenig Rollenprobe.
Auf der Bühne des Lebens wechseln die Spieler ihre Rollen die ganze Zeit. Ein hilfloses Wrack wird zu einem Heiligen. Ein armer Mann wird zu einem reichen Mann. Ein Tollpatsch wird zu einem geschickten Akrobaten. Ein Akrobat wird zu einem Lahmen. Gebäude werden errichtet, und Gebäude fallen zusammen. Geld zirkuliert von Hand zu Hand, und ebenso Rollen. Es ist die gleiche See, auf der ihr segelt, Geliebte. Sei es, du bist der Kapitän, oder sei es, du bist der, der das Deck schrubbt, ihr seid auf dem gleichen Schiff auf der gleichen See.
Tatsache ist, du bist der Verfasser des Stücks, in dem du bist. Du bist der Zuschauer von ihm, und du bist ebenso der Autor, der Produzent, der Regisseur, der Bühnenarbeiter, die Mannschaft … In was für einem staunenswerten Stück du dich befindest! Du bist der Dirigent des Orchesters, und gleichwohl weißt du nicht, welche Musik als nächstes kommt. Das ist recht so. Spontan ist gut. Dies ist kreative Dramatik, in die du verwickelt bist. Du sprichst eine Menge aus dem Stegreif.
Sind nicht die Helden und die Schurken in dem Part, den sie spielen, perfekt? Ist die Rolle nicht perfekt für das, was sie ist? Und wer könnte sie besser spielen, als derjenige, der sie spielt? Just dann, wenn er eine Rolle mustergültig kann, zieht er zu einer weiteren weiter.
Sofern du ein Streuner gewesen bist, kannst du jetzt einer werden, der weite Schritte nimmt. Sofern du vergessen hast, dass du schier ein Schauspieler bist, der eine Rolle spielt, kannst du aus dem Part heraussteigen, so wie du es aus einem Kostüm tun wirst. Sofern du Spiele gespielt hast, kannst du in ein neues Spiel eintreten, oder du kannst die Regeln ändern. Du kannst in eine neue Welt von deiner eigenen Herstellung hineingehen. Du kannst dir einen Malpinsel hernehmen. Du kannst neue Farben mischen. Du kannst die Farbe verkleckern, und jene Farbe einsetzen. Du kannst der Maler sein, der eine breitere und höhere Leinwand nimmt und ein größeres Bild von sich selber malt.