Ihr erwartet zu viel von euch selber, zur selben Zeit wie ihr nicht genug erwartet. Wenn ihr euch selber enttäuscht, schafft eure Enttäuschung eure Beachtung in das verkehrte Feld. Ihr legt sie auf die Vergangenheit. Vergangene Entscheidungen ziehen euch nach unten. Was nunmehr vor euch liegt, ist ein Optimum.
Krallt euch selber los davon, was sich gestern abgespielt hat. Ihr wart rasch dabei, euch Vorhaltungen zu machen und es langsamer angehen zu lassen, Änderungen herbeizuführen. Vielleicht bringt Zurückblicken euch eine Art Trost, so wie es das Berühren eines schmerzenden Zahnes mit eurer Zunge sein kann. Findet nunmehr Trost in dem, was ihr tun könnt. Was ihr tun könnt, ist, euch selber aus dem Sitz, wo ihr gesessen seid, hoch zu heben, und einen neuen weitgefassten Anblick vor euch zu sehen.
Es gibt in eurem Leben Muster, und ihr heißt sie nicht alle willkommen. Es könnte sein, dass ihr euer ganzes Leben lang rasch darin wart, dem Leben über dessen Entfaltung Vorwürfe zu machen. Vielleicht könnt ihr nun sorgenloser sein und euch weniger widersetzen oder euch überhaupt nicht widersetzen.
Jemand ließ euch heute stehen und warten. Habt ihr wirklich mit eurem Fuß voller Verärgerung hin und her zu tippen oder die Dinge in Großbuchstaben zur Sprache zu bringen? Was wäre, wenn ihr euch selber gegenüber zu verstehen gäbet, dass diese Dinge passieren, dass sie Teil des Lebens sind, und dass ihr mit ihnen anders umgehen könnt? Zum ersten, ihr könnt es los lassen, sie zu Kalamitäten zu erheben. Ihr könnt sie einfach los lassen, so wie ihr ein Buch hinlegt.
Was auch immer im Leben vorkommt, welches ihr nicht mögt, ihr habt es nicht als entsetzlich wahrzunehmen. Vielleicht ist das, was ihr als grässlich seht, ein Segen, weil es eure Beachtung zu einer höheren Ebene ruft. Ihr habt nicht in Wut auszubrechen. Meintet ihr etwa, ihr müsstet das? Vielleicht habt ihr gedacht, ihr hättet etwas zu beweisen, zu beweisen, dass ihr nicht aus der Hand gelegt würdet, zu beweisen, dass ihr herausragen und für euch selber kämpfen könnt, und alsdann habt ihr einen guten Grund, einen Aufstand zu machen und euch aufzureiben.
Ihr könnt einen Standpunkt einnehmen, ohne euch darüber in Kämpfe zu begeben.
Ihr könnt das Leben leben, ohne an jeder Wendung oder jeder weiteren Wendung euch zu schlagen.
Würdigt euch selber, und ihr werdet nicht dermaßen zerzaust werden, wenn euch jemand nicht würdigt. Er denkt an sich selber, nicht an dich, ziemlich genau so, wie du an dich selber denkst und nicht an ihn. Es gilt dir, den Brennpunkt deines Lebens zu wechseln. Hebe ihn eine Kerbe höher, möchtest du das nicht gerne tun?
Spiele einfach nicht mehr den Beleidigten. Sofern die Welt nicht nach deiner Pfeife tanzt, möchtest du vielleicht ein anderes Lied zu Gehör bringen.
Vielleicht hast du der Welt Ultimaten gestellt, mit der Ansage, wie sie sich benehmen solle. Bedenke nun, wie du die Wege ausweiten kannst, auf denen du auf die Welt eingehst. Habe ein größeres Repertoire. Angriff und Verteidigung haben es nötig, sich zur Vergangenheit zurückzuziehen. Ziehe einen neuen Pfeil aus deinem Köcher. Zähle deine Segnungen, nicht Schlachten. Zähle Anlässe von Liebe.
Was ist ein größerer Anlass für Liebe, als der Moment unmittelbar jetzt vor dir?
Ziehe in Betracht, dass Liebe schöpferisch ist. Wie lauten etliche schöpferische Wege des Umgangs mit eskalierenden Situationen? Möchtest du darüber nachdenken, einen neuen Weg zu probieren?
Das Leben ist ein Spiel, und du bist ein Schauspieler in ihm. Ihr könnt neue Rollen ausprobieren, Geliebte. Sofern du ein Säbelrassler gewesen bist, kannst du jetzt vielleicht ein Friedensbringer sein. Sofern du dich mittendrin in Beutezügen befunden hast, kannst du jetzt etwa auf die Seite treten, aus einer größeren Distanz her sehen und Gottes Huld in aller Freundlichkeit verteilen.