DIE ZWEI BEDEUTENDSTEN ASPEKTE VON DIR
Es liegt eine Betonung auf dem Physischen. Das ist nachvollziehbar. Aber es ist eine Betonung, die den Karren vor das Pferd spannt. Dein Körper ist nicht die Fabrikation von dir. Manchmal ist er das Rückgängigmachen. Deine physische Präsenz ist das wenigste von dir. Sie ist dir wichtig, das verstehe Ich, aber trotzdem nicht so bedeutend.
Stelle dir eine goldene Flamme inwendig in dir vor, die brennt. Wir können sagen, unser Körper ist der Kerzenhalter, der die Flamme hält. In diesem Falle brennt die Flamme stets weiter, ungeachtet des Kerzenhalters. Der Körper ist der Flamme irrelevant.
Das ist eine langsame und stetige Flamme. Sie ist nicht heiß. Hätte sie eine Temperatur, so wäre sie kühl wie der Mond, hingegen ist diese unfehlbare Flamme temperaturlos. Kein Sprudeln, kein Rauch, nicht einmal ein Hauch – diese Flamme deiner Seele, die golden ist wie die Sonne.
Kein Wind bläst diese andauernde Seelenflamme in dir an. Sie ist unerschütterlich standhaft, deine Seele. Sie gibt in einem steten Strom Licht. Sie flackert auch nicht ein Mal. Sie begleitet dich überallhin. Sie läuft, wo du läufst. Sie ist voll auf dich angewiesen, und doch unverdrossen. Deine Seele wird spielend mit allem fertig. Kein einziger von euch auf der Erde ist seelenlos. Eines Tages werdet ihr körperlos sein. Ihr werdet die eingebildete Erde verlassen und zum Himmel emporsteigen. Wohin sonst kann man emporsteigen?
Deine Anhaftung packt das Körperliche mit der Saugkraft eines Tintenfischs. Deine Anhaftung an das physische Leben packt fest zu und hält kräftig, sie quetscht das ureigene Leben aus dir heraus. Du magst an das Physische angeheftet sein, aber das Physische ist nicht an dich angeheftet. Es mag an dir Gefallen finden, aber es kann dich ohne einen kurzen Blick zurück mir nichts, dir nichts gehen lassen.
Falls das Leben ein Flugzeug ist, kommt eine Zeit, wann es deinen Körper absetzt, als wärest du ein Frachtgut. Dein physischer Körper ist nur so lange nützlich, wie er es ist. Sobald er seine Nützlichkeit abgedient hat, verbeugt er sich und bahnt sich den Weg rückwärts hinaus; er lässt dich für dich, gesegneterweise nicht mehr auf ihn angewiesen. Das war immer so mit dir.
Dein Körper ist wie ein Talisman, ein Hasenfuß, dennoch behindert er dich, und es ist eine Beschwernis, die du magst. Du kannst deine Augen nicht von ihm fortnehmen. Du denkst, ohne ihn könnest du nicht leben. In Wahrheit hast du zuvor ohne ihn gelebt, und du kannst wieder ohne ihn leben.
Etwas Stärkeres als deine Seele gibt es nicht, allerdings ist sie dir unsichtbar. Du glaubst kaum an sie, oder du denkst dir andere Namen für sie aus. Seele ist aber Seele, wie du sie auch bezeichnest.
Seele ist ein kurzes Wort, doch braucht es lange Zeit zum Sagen. Sie hat die Länge von fünf Schlägen. Sie durchläuft euer körperliches Leben. Ihr seid teure Seelen. Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn ihr Jeden, den ihr kennt, Seele anstatt Joel oder Sandy nenntet.
Was wäre, falls ihr euch lieber Seele als euren gegebenen Namen nennen würdet? Ihr könntet ein wenig respektvoller euch selbst gegenüber sein. Ihr könntet gar davon beeindruckt sein, was ihr zu euch sagt. Ihr könntet eine andere Geschichte erzählen. Ihr könntet dahin kommen, euren Körper zu lieben, nicht aufgrund seiner physischen Schönheit sondern aufgrund eurer Seele im Inneren. Selbst obschon euer Körper sich an die erste Stelle setzt, ist es dennoch für ihn nach wie vor eine Ehre, eure Seele zu beherbergen. Dein Körper ist wie eine Klaffmuschel, die eine köstliche Perle verwahrt. Er ist wie ein Schmuckkästchen, das du zu öffnen hast, um dich daran zu erinnern, was drin ist.
Herz und Seele passen zueinander, die zwei bedeutsamsten Aspekte von dir.