DIE KUH SPRINGT ÜBER DEN MOND
Wandel ist der Name der Partie.
Die Sonne, die immer ist, scheint sich gleichwohl an Ort und Stelle zu bewegen, und das Licht, das sie strahlt, scheint sich mit ihr zu bewegen. Das Blatt, das du dir jetzt ansiehst, ist von dem Sonnenlicht überschwemmt! Innerhalb einer Minute kann das Sonnenlicht auf das nächste Blatt strahlen oder scheinbar noch heller oder abgedunkelter werden.
Was gibt es in der relativen Welt, was an Ort und Stelle angeleimt und nicht unerhört in Bewegung ist? Man bekommt sogar zu hören, dass ein Stein in den Atomen des Raums am Herumwirbeln ist. Wir unsererseits bekommen zu Gesicht, dass der unwandelbare Stein abgeschliffen und man ihn schließlich als Sand zur Kenntnis nehmen wird.
Ihr bleibt nicht an einer Stelle. Selbst wenn ihr euch auf beengtem Raum aufhaltet, seid ihr jetzt nicht genau, wer ihr einen Augenblick zuvor wart. Das Licht bewegt und verwandelt sich. Gewahrsein bewegt und verwandelt sich. Du bist ein Seinswesen, das immerzu ergrünt.
Das Blau des Himmels ist nicht das gleiche Blau von vor einer Minute. Das Blau des Nils mag ja mit Partikeln des Himmels übereinstimmen, oder auch nicht. In anderen Sprachen nennt man blau etwas anderes. Das Weiß deiner Augen ist nicht exakt weiß.
Deine Augen, die jetzt eben schauen, sind nicht mit deinen Augen identisch, die vor wenigen Augenblicken schauten. Deine Gedanken sind nicht die gleichen. Du wirst dich womöglich deiner letzten Gedanken nicht entsinnen, denn jetzt sind sie neu. Manchmal springen deine Gedanken von einem Ort zum anderen und wieder zurück. Sie sind in sich selbst verliebt, und drehen jedwede Möglichkeit im Spiegel des Denkens um, das sie bewohnen.
Nichts ist, wie es scheint, außer du erblickst Liebe. Liebe ist unwiderruflich, selbst wenn es nicht danach aussieht. Weder Zeit noch Raum existieren in Wahrheit, wie könnte mithin etwas in Stein gemeißelt sein oder für etwas die Stunde schlagen?
Du bist im Leben wendig. Einen Moment lang scheinen Schatten über den Mond zu laufen, und Distanz setzt dir dicht nach. Es gibt nichts ohne deine Gegenwart, das meint, ohne deine Interpretation von ihm. Die gleiche nicht-existente Zeit bewegt sich rascher als die Lichtgeschwindigkeit und langsamer als eine Schnecke. Was scheint, ist nicht. Und was nicht scheint, ist. Wie magst du das?
Was Wunder anbelangt – was ist kein Wunder? Sofern was ist, nicht ist, und sofern was nicht scheint, ist, was ist mithin kein Wunder? Sieht es nicht nach einem Wunder aus, dass du hier Meine Gedanken liest, nachdem sie niedergeschrieben wurden, und nicht davor? Und doch strömen Meine Gedanken immerfort, wie ein schöner Dunst in einer Waldlichtung. Meine Gedanken strömen selbst in einer Wüste ebenmäßig. Es gibt nichts, was nicht als Wunder bezeichnet werden kann. Bloß Ich, Der Ich nicht gesehen werde, kann nicht eine Fata Morgana genannt werden.
Ich bin ein ewiger flüchtiger Eindruck deiner selbst, und doch werde Ich nicht gesehen. Ich bin mehr wie Osmose, oder Ich bin ein inniger Part deiner selbst, der nie zaudert und gleichwohl in seiner Kurzlebigkeit gefestigt ist. Lang lebe die Kurzlebigkeit, die lange währt wie ein Stein, der zu Sand geworden ist.
Eine Partie wird ausgetragen und ist gleichwohl nicht bekundet. Auf ihr befinden sich keine Kennzeichnungen. Schiffe passieren in der Nacht und wissen es nicht. Die Kuh springt über den Mond, und die Gabel rennt mit dem Löffel davon, und damit wird eine Sage gesponnen, und mithin ist es unverwoben.
Heißt Das-Obere-Nach-Unten und Das-Untere-Nach-Oben als das Noch-Nicht-Festgelegte willkommen. Heißt die Stadt-die-auf-dem-Kopf-steht willkommen, und heißt euch, heißt Peter, Mopsy und Waldkaninchen willkommen.
Was lebt in den Annalen Gottes nicht für immer und ewig? Und wer bist du nicht, während du alles bist, was Ich BIN? Welches Abteil der Unendlichkeit kannst du sein, indessen du Alles bist?
Hejo, Ich höre das weit entfernte Trappeln der Hufschläge, und fort sind Wir.